Fr., 21.04.2017

Mitglieder der Nachbargemeinde sprechen von Sünde Streit um homosexuellen Pfarrer

Dieses Foto entstand im September 2016: Pfarrer Jörg Uwe Pehle (vorne) stellte sich in der St.-Stephan-Gemeinde in Vlotho vor und brachte seinen Mann Thomas König mit. Das will nicht jeder Gläubige akzeptieren.

Dieses Foto entstand im September 2016: Pfarrer Jörg Uwe Pehle (vorne) stellte sich in der St.-Stephan-Gemeinde in Vlotho vor und brachte seinen Mann Thomas König mit. Das will nicht jeder Gläubige akzeptieren. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

Vlotho (WB). In Vlotho sieht sich ein homosexueller Pfarrer von Mitgliedern der Nachbargemeinde durch eine Veröffentlichung in deren Gemeindebrief angefeindet. Er erwägt, in der Nachbargemeinde nicht mehr zu predigen und droht mit einer Anzeige.

Seit November hat die evangelische Gemeinde St. Stephan einen homosexuellen Pfarrer: Jörg Uwe Pehle. Pehle geht offen mit seiner Veranlagung um. Seine Gottesdienste sind gut besucht, wenn sich auch einige Gemeindemitglieder andere Kirchen gesucht haben sollen.

Auch in der Nachbargemeinde St. Johannis regte sich Kritik – so sehr, dass sich das dortige Presbyterium veranlasst sah, sich im Gemeindebrief zu positionieren. Das Presbyterium schrieb, es sehe »keinen Hinderungsgrund für die Zusammenarbeit« mit dem Pfarrer, der auch in St. Johannis Gottesdienste halten werde. »Wir widersprechen der Behauptung, dass Homosexualität Sünde ist.« Und: »Wir widersprechen der Behauptung, Homosexualität verstoße gegen die göttliche Schöpfungsordnung und sei wider die Natur.«

Stellungnahme sei »völlig unnötig und unangebracht«

Diese Stellungnahme hat 13 Gemeindemitglieder veranlasst, das Presbyterium zu kritisieren. Dessen Stellungnahme sei »völlig unnötig und unangebracht«. Es sei gewagt, in Frage zu stellen, dass Homosexualität eine Sünde sei. Die Bibel lehne Homosexualität ab, sie entspreche nicht der Absicht Gottes.

Dass die St.-Johannis-Gemeinde diese Stellungnahme abgedruckt hat, erzürnt das Presbyterium von Pehles St.-Stephan-Gemeinde. Der Inhalt sei gegenüber allen Homosexuellen verletzend. Den Unterzeichnern wurde Hausverbot für St. Stephan erteilt. Pehle erwägt, in St. Johannis nicht mehr zu predigen. Er überlegt, die Unterzeichner anzuzeigen.

Andreas Huneke, Superintendent des Kirchenkreises Vlotho, sagte, er sei nicht glücklich über die Veröffentlichung der Stellungnahme der 13 Gemeindemitglieder. »Beide Presbyterien suchen jetzt das Gespräch. Ich bin zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit auf Dauer nicht leiden wird.«

Kommentare

Gemeinsame Erklärung

Um das jetzt alles mal etwas klarer einordnen zu können:
Unsere Stadt Vlotho hat derzeit so um die 19.000 Einwohner. Davon gehören ca. 16.000 einer christlichen Religionsgemeinschaft oder Kirche an. Um die 11.500 davon sind Mitglied einer der sieben miteinander gut kooperierenden evangelischen Kirchengemeinden. Die Evangelisch-Reformierte St. Johannis-Gemeinde zählt davon wiederum etwa um die 850 Mitglieder.
13 Einzelpersonen dieser Gemeinde haben nun jenen besagten Leserbrief für den eigenen Gemeindebrief verfasst, der sich inhaltlich sehr weit von der eindeutig und äußerst klar geäußerten Haltung des Gemeindeleitenden Presbyteriums dieser Gemeinde entfernt.

Was dazu die Pfarrerin und Pfarrer und die Vertreter der evangelischen Jugendarbeit in Vlotho gemeinsam erklären, ist HIER nachzulesen:
http://evangelisch-in-vlotho.de/

Die Bibel sagt doch, dass Homosexualität Sünde ist

Die Bibel sagt halt auch furchbar viel anderes, was wir heutzutage für historisch bedingt und aus gutem Grund nicht mehr für relevant für das heutige Leben halten. Sie können ja einfach mal anfangen, das alles wörtlich umzusetzen und zu schauen, wie weit Sie kommen, das wäre sicher ein spannendes Experiment.

Die Bibel sagt doch, dass Homosexualität Sünde ist

Es besteht kein Zweifel, dass der aufmerksame Bibelleser nach gründlicher Lektüre der entsprechenden Bibelstellen sagen muss: Homosexualität ist Sünde (Römer 1,26ff. usw. usw. ...). Die EKD glaubt aber nicht mehr daran, dass die Bibel Gottes inspiriertes und heiliges Wort ist. Sie hält die Bibel nur noch für eine Sammlung geschichtlicher Quellen. Das eigentliche Missverständnis ist nur in der Frage begründet, wie stehe ich zur Bibel. Schade, dass es in der EKD keinen Platz mehr für bibeltreu Gläubige gibt.

Anzeige und Toleranz

Lieber Herr Heling,
in Deutschland kann man nicht für eine Meinung angezeigt werden. Und einen "amtlichen Jesusnachfolger" gibt es in keiner christlichen Kirche, selbst der katholische Papst ist "nur" der amtliche Nachfolger von Petrus.

Wenn der veröffentlichte Text zum Beispiel beleidigend ist, halte ich eine Anzeige für angebracht, das hat nichts mit fehlender Toleranz zu tun.

Christsein praktisch?

Ist das eine Kirche der Liebe und Toleranz, wo demjenigen, der eine andere Meinung hat, kurzerhand das Hausverbot erteilt und Strafanzeige angedroht werden? Was für eine Haltung ist das: Der amtliche Jesus-Nachfolger, der reflexartig um sich schlägt, wo Jesus doch Feindesliebe lehrt?
Hier geht von Seiten des Herrn Pehle nicht nur hinsichtlich der Lehre, sondern auch der praktischen Auslebung einiges schief.

Streit um homosexuellen Pfarrer

Also wo leben wir denn bitteschön? In der heutigen Zeit ist Homosexualität völlig normal. Es ist bestimmt keine Sünde wenn ein Mann oder eine Frau homosexuell ist. Ich bin selbst Mesnerin und habe auch in
der katholischen Kirche damit zu tun. Gott sei Dank lebt man bei uns nicht mehr hinter dem Mond. Ich wünsche dem Pfarrer Pehle auf jeden Fall alles Gute. Und Herr Pfarrer auf solche "Schäfchen" kann man in der Gemeinde gerne verzichten.

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