Do., 25.02.2016

TV-Moderatorin verrät das Geheimnis ihrer Ausstrahlung – Lesung in Bad Driburg Birgit Schrowange: »Ich bin ein lebensfroher Mensch«

Birgit Schrowange liest auf Einladung der Diotima-Gesellschaft am Samstag im »Gräflicher Park Grand Resort«. Kurzentschlossene erhalten unter Telefon 05253/95 23 700 noch Karten. Der Abend mit der TV-Moderatorin beginnt um 19.30 Uhr.

Birgit Schrowange liest auf Einladung der Diotima-Gesellschaft am Samstag im »Gräflicher Park Grand Resort«. Kurzentschlossene erhalten unter Telefon 05253/95 23 700 noch Karten. Der Abend mit der TV-Moderatorin beginnt um 19.30 Uhr. Foto: dpa

Bad Driburg (WB). Sie ist seit 38 Jahren beim Fernsehen und steht fast 33 Jahre vor der Kamera: Birgit Schrowange, das Gesicht des RTL-Magazins »Extra«, will in Würde und ohne Liftings oder Botox altern. Im »Gräflicher Park Grand Resort« in Bad Driburg liest sie am Samstag, 27. Februar von 19.30 Uhr an aus ihrem aktuellen Buch. WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Sabine Robrecht sprach mit der TV-Moderatorin.

Viele Menschen kennen Sie noch als Ansagerin im »Zweiten«. Hatten Sie diesen Berufswunsch schon früh?

Birgit Schrowange: Ich habe mir mit acht oder neun Jahren einen Fernseher aus Pappe gebastelt und Ansagerinnen imitiert. Claudia Doren oder Petra Schürmann waren meine Vorbilder. Mit Petra Schürmann habe ich mich später angefreundet. Als Rechtsanwaltsgehilfin in Brilon habe ich mich mit 19 beim WDR in Köln beworben. In kurzer Zeit war ich Chefsekretärin und Redaktionsassistentin. Dann habe ich beim Schulfernsehen angefangen.

Ist ein solcher Seiteneinstieg heute noch möglich?

Schrowange: Mit ganz viel Glück vielleicht. Da es so viele Programme gibt, ist es sicherlich einfacher, einen Job im Fernsehen zu ergattern. Als ich anfing, gab es nur drei Programme. Heute hat der Kuchen mehr Stücke.

Wie groß war die Konkurrenz, als Sie sich 1983 beim ZDF bewarben?

Schrowange: Der Sender suchte eine Ansagerin. 2000 Frauen bewarben sich, 500 kamen in die engere Wahl. Ich hatte Glück und wurde genommen. Wahrscheinlich war mein Typ gerade gefragt. Das Glück ist aber auch mit den Tüchtigen. Ich habe hart gearbeitet, Fortbildungen wie Schauspielunterricht und Sprachtraining habe ich selber finanziert. Manchmal wusste ich nicht, wie ich meine Miete bezahlen sollte. Ich wollte das aber mit aller Kraft. Also habe ich gekämpft.

Welche Position hatten Frauen Anfang der 1980-er im Fernsehen?

Schrowange: Frauen wurden oftmals ab 40 vor der Kamera verbannt – nach dem Motto »Was will denn die Oma auf dem Bildschirm«. Die Männer hatten das Sagen, Frauen waren nur Beiwerk. Als Barbara Diekmann die Tagesthemen moderierte, ging ein Raunen durch das Land.

Wie steht es heute um den Jugendlichkeitswahn?

Schrowange: Da lobe ich mir die Privatsender, vor denen mich damals alle gewarnt haben. Frauke Ludowig, Ulrike von der Groeben, Katja Burkhardt, Ilka Essmüller und ich – wir sind alle über 50. RTL steht zu seinen Gesichtern. Ich werde demnächst 58, mein Vertrag ist um zwei Jahre verlängert worden. Bis 60 komme ich also.

Ihr Gesicht ist untrennbar mit dem RTL-Magazin »Extra« verbunden. Was macht dieses Format auch nach 20 Jahren noch so erfolgreich?

Schrowange: Wir sind das Original. »Extra« ist die allererste Sendung, für die RTL mich vom ZDF geholt hat. Wir decken Lebensmittelskandale auf, machen tolle Tests, lange Reportagen und nehmen uns Zeit für die Recherche. Ich selber bin auch manchmal unterwegs. Ich habe mit der 65-jährigen Vierlingsmutter in Höxter gesprochen, mit Natascha Kampusch und einem Todeskandidaten in Amerika. Extra hat immer noch gute Quoten. Allerdings schauen die jungen Menschen weniger fern. Mein Sohn ist 15. Er schaut Youtube und nutzt die Streaming-Dienste. Darauf müssen wir reagieren.

In Ihrem Buch schreiben Sie über den Umgang mit Höhen und Tiefen. Welches Ungemach ist Ihnen am lebhaftesten in Erinnerung?

Schrowange: Ich hatte nicht viel Geld früher, meine Zeit in Köln war sehr hart. Beim ZDF habe ich schweres Mobbing erlebt mit meinem damaligen Sendeleiter. Dann hatte ich einen schlimmen Stalker. Hinzu kamen Trennungen – eben alles, was das Leben so ausmacht. Es geht nicht immer nur glatt.

Welcher Promi hat bei Ihnen am meisten Eindruck hinterlassen?

Schrowange: Ich habe einige erlebt. Bill Clinton habe ich mal getroffen. Er hat eine Super-Ausstrahlung. Für Kevin Kostner habe ich eine Kinopremiere moderiert. Das war auch ein toller Mann. Mit Jane Fonda habe ich auf einer Veranstaltung in Düsseldorf gesprochen. Die Frau ist sensationell und hat einen großartigen Humor. Bei uns in Deutschland beeindrucken mich die älteren Schauspielerinnen. Hannelore Elsner, Christiane Hörbiger, Ruth Maria Kubitschek – das sind Vorbilder. So möchte ich auch alt werden, mit so einer Gelassenheit und inneren Ruhe und ohne diesen Druck, sich liften oder aufspritzen zu lassen.

Was ist das Geheimnis Ihrer Ausstrahlung?

Schrowange: Ich bin einfach ein lebensfroher Mensch. Ich genieße mein Leben. Dazu gehört es auch mal, ein Stück Pflaumenkuchen zu essen mit Sahne, einen guten Wein zu trinken, mal eine Nacht durchzumachen. Ich denke mir immer, alles, was man sich verkneift, das sieht man im Gesicht. Dann sieht man auch verkniffen aus. Neid, Missgunst, Gier – das alles sieht man. Ich umgebe mich gerne mit jungen Leuten und habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen jungen Kolleginnen.

Was raten Sie Frauen?

Schrowange: Meine Botschaft an die Frauen ist: Denkt mehr an euch! Wir Frauen leisten so viel. Wir sind im Job, kümmern uns um das soziale Leben, den Haushalt und die Kindererziehung. Darüber vergessen wir uns so oft. Ich appelliere an die jungen Frauen: Augen auf! Immer noch verdienen Frauen weniger Geld. Frauen sind diejenigen, die in die Armutsfalle geraten, gerade alleinerziehende Mütter und ältere Frauen. Frauen sollten nicht naiv durchs Leben gehen. Es gibt gerade auch in meiner Generation zu viele Frauen, die alles immer noch dem Mann überlassen, besonders was Geldangelegenheiten betrifft.

Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal etwas ganz anderes als Fernsehen auszuprobieren?

Schrowange: Ich bin seit 38 Jahren beim Fernsehen, davon knapp 33 Jahre vor der Kamera. Ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen. Ich möchte, wenn ich irgendwann aufhöre, noch mehr im sozialen Bereich machen. Ich unterstütze Projekte, die sich um Kinder kümmern, zum Beispiel die Arche, die RTL-Kinderhäuser und das Kinderhospiz in Olpe. Das würde ich dann verstärkt machen.

Würden Sie Ihrem Sohn eine Fernsehkarriere empfehlen?

Schrowange: Nein. Gott sei Dank hat er dazu überhaupt keine Ambitionen. Sein Vater Markus Lanz ist da, ich bin da. Man würde ihn immer vergleichen. Reinpassen würde er gut. Er ist ein hübscher, 1,83 Meter großer netter Kerl mit dunklen Locken und blauen Augen. Er hat aber ganz andere Pläne und möchte auch nicht in die Öffentlichkeit. Deshalb bin ich froh, dass ich ihn nie vor eine Kamera gezerrt habe.

Kommentare

Vielleicht ein bisschen zu lebensfroh

Den Tag werde ich jedenfalls nicht vergessen, wo Frau Schrowange in ihrere RTL-Sendung 'Extra' die folgende Anmoderation hatte:
"Manche Menschen sind so hässlich, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie sie sich auf die Straße trauen"

Und direkt anschließend dazu einen Bericht über körperlich behinderte Menschen zeigte...

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