Mi., 10.02.2016

78-Jähriger beantragt Befriedung seiner Äcker – »Tieren Todesangst ersparen« Bauer will Jagd verbieten

Ein Hochsitz an einem Feldrand ist ein gewohntes Bild. Nur wenige Menschen lehnen die Jagd auf ihren Grundstücken ab.

Ein Hochsitz an einem Feldrand ist ein gewohntes Bild. Nur wenige Menschen lehnen die Jagd auf ihren Grundstücken ab. Foto: Heinz Dieter Fuhr

Von Christian Althoff

Borgentreich (WB). 78 Jahre lebte Albert Fögen damit, dass auf den Grundstücken seiner Familie gejagt wurde. Jetzt, im hohen Alter, will der Bauer aus Borgentreich Jägern das Betreten seiner Felder und Wiesen verbieten.

Albert Fögen gilt im Ort als Außenseiter. Er sagt über sich: »Die einen lieben mich, die anderen hassen mich. Die zweite Gruppe ist die größere.« Er habe seit seiner Bundeswehrzeit, als er auf Silhouetten von Menschen geschossen habe, eine kritische Einstellung zu Waffen und zum Schießen, erzählt der Landwirt aus dem Kreis Höxter. Vor einigen Jahren sei aus der kritischen Einstellung blanke Ablehnung geworden. Dazu habe auch das Buch »Die vergessene Generation« beigetragen, das Schicksale von Kriegskindern beschreibt. Albert Fögens Stimme bricht, Tränen schießen aus seinen Augen, und er kann nicht mehr sprechen. Seine Frau nimmt seine Hand und erzählt: »Das Buch hat Erinnerungen an schlimmste Kindheitserlebnisse hochgespült, die verschüttet waren. Wenn Albert nachts ein Geräusch hört, fährt er hoch und hat Angst.«

Angst vor Schüssen

Angst vor Schüssen, Angst vor dem Tod. Diese Angst will der Bauer, der seine Flächen inzwischen an ökologische Landbaubetriebe verpachtet hat, Tieren ersparen. »Bei Treibjagden werden Wildtiere in Todesangst versetzt, die der von Tieren auf dem Schlachthof gleicht«, sagt der 78-Jährige, als er sich wieder gefangen hat. »Ich habe als Bauer diese Tierängste, die bis zur Erstarrung gehen, kennengelernt.« Deshalb esse er auch seit Jahren kaum noch Fleisch. Fögen lächelt: »Nur noch manchmal. Damit ich nicht vergesse, wie es schmeckt.«

Kommentare

Gewissensprüfung

Ja, das leidige Thema Zwangsbejagung. Dieser Artikel könnte ein paar mehr Informationen zu dem Thema beinhalten. Wer mehr wissen will, muss googlen. Die Jagdlobby ist natürlich "not amused", wenn immer mehr Grundstückseigentümer die Jagd auf ihrem Grundstück verbieten. Die Jäger haben so eine Art Gewissensprüfung durchgesetzt, der sich der Antagssteller unterziehen muss. Wie seinerzeit die Kriegdsienstverweigerer. Bleibt nur Herrn Fögen viel Glück für seinen Antrag zu wünschen.

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