Mo., 06.06.2016

Bökendorfer Ensemble bringt perfekte Premiere auf die Bühne Grandiose Ganovenjagd

Streit um die Kaffeemühle: Wenn Räuber Hotzenplotz auf Beutezug ist, muss sich die Großmutter geschlagen geben.

Streit um die Kaffeemühle: Wenn Räuber Hotzenplotz auf Beutezug ist, muss sich die Großmutter geschlagen geben. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Brakel-Bökendorf(WB). Ende gut, alles gut: Das gilt für das neue Kinderstück »Der Räuber Hotzenlotz«, das am Sonntag auf der Freilichtbühne Bökendorf Premiere gefeiert hat. Wobei »gut« in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen ist. »Phantastisch« oder »grandios« trifft deutlich besser, was das Ensemble auf die Bühne gestellt hat.

Die Vorsitzende der Freilichtbühne, Verena Becker, machte vorab deutlich, wie viel Probenfleiß und Schweiß in die neue Inszenierung investiert worden sind. Keine Frage: Die Arbeit hat sich mehr als gelohnt. Das Premierenpublikum feierte die Schauspieler und das gesamte Ensemble mit stehenden Ovationen.

Und die Darsteller waren sichtlich stolz, dass bei der ersten Aufführung gleich alles perfekt gepasst hat. Auch die wohl größte Herausforderung, den Gesang, meisterten die Akteure mit Bravour. Die Melodien haben zudem das Zeug zum Ohrwurm: Der Hotzenplotz-Song jedenfalls ist sehr einprägsam.

Faszinierend schöne Kostüme, eine verblüffend verwandlungsfähige Bühne und die explosiven Pyro-Effekte rundeten das Bild einer tollen Vorstellung ab.

Der Räuber Hotzenplotz ist eine musikalische Gaunerjagd, die in jeder Spielszene fasziniert, mitreißt, zum Lachen bringt und begeistert. Und obwohl die meisten Zuschauer den Inhalt des Stücks wohl in- und auswendig kennen dürften, gab es trotzdem reichlich Spaß und Überraschungen.

In die Neuzeit katapultiert

Es ist dem Ensemble zudem überzeugend gelungen, diesen mehr als 50 Jahre alten Stoff in die Neuzeit zu katapultieren. Aus dem Nichts tauchen plötzlich Reporter mit Fernsehkameras auf und befragen die verängstigten Dorfbewohner in bester Boulevard-Manier. Doch die Reporter sind keine Fremdkörper, sondern werden schnell Teil des Ganzen und singen im Chor mit.

Regisseurin Anke Lux hat eine mehr als treffende Besetzung der herausfordernden Rollen vorgenommen. Der Räuber Hotzenplotz (Dominik Scholz) kommt gerissen, aber nicht zu böse daher. Die Gestik, sämtliche Bewegungen und der Ausdruck passen perfekt auf den skrupellosen Räuber, der es auf Großmutters Kaffeemühle abgesehen hat.

Die beiden findigen Ganovenjäger Kasperl und Seppl (Jonas Fromme und Lennart Waldeyer) sind zwei charmante Jungs, denen die spitzbübigen Rollen förmlich auf den Leib geschrieben sind. Sie führen das Publikum perfekt durch die Geschichte und sind zwei ausgesprochene Sympathieträger.

Für Wachtmeister Dimpfelmoser konnte es keine bessere Besetzung geben: Florian Palm setzt dem trotteligen Polizisten in jeder Szene seinen Stempel auf und sorgt in Superman-Strümpfen für zahlreiche Lacher.

Treffende Besetzungen

Auch Anna Mohr als Großmutter ist eine treffende Besetzung: Ihre Freude über die geschenkte Kaffeemühle und ihre Sorge um die entführten Kasperl und Seppl nimmt man ihr ab. Gerissen und böse kommt der Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Ralf Ahlemeyer) daher.

Und nicht nur das: Auf seinem Feuerstuhl braust er mehrfach über die Bühne. Respekt! Dass er den Kasperl als Dienstboten bei sich gefangen hält und ihn dort schuften lässt, ist derweil ein Glücksfall für die im Kerker eingesperrte Unke (Verena Becker).

Vor allem diese fantasievolle Kostümierung ruft beim Publikum Bewunderung hervor. Hier ist an der Nähmaschine ganze Arbeit geleistet worden – wie auch bei der Fee Amaryllis (Sonja Daldrup). Sie bringt in ihrem roten Kleid nicht nur die kleinen Zuschauer zum Schwärmen.

Die größte Herausforderung des Ensembles bestand auch in diesem Jahr wieder darin, die große Naturbühne mit Leben zu erfüllen. Dies ist mit einem Kunstgriff perfekt gelungen, denn sämtliche Charaktere kommen nicht allein, sondern in Begleitung auf die Bühne.

Niemand fällt aus der Rolle

Bewundernswert ist vor allem, dass keines der Kinder auf der Bühne – das Jüngste ist erst zwei Jahre alt – zwischendurch aus der Rolle fällt. Diese Darsteller sind mehr als Statisten, sie unterstützen stets in Gestik, Tanz und Gesang.

Bürgermeister Hermann Temme hatte in seiner Begrüßung also nicht zu viel versprochen: Auch die Inszenierung von Räuber Hotzenplotz zeigt, wie viel Freude das gesamte Ensemble an dem hat, was es tut.

Entsprechend schnell sprang auch der Funke auf das Publikum über, das bis zum spannenden Finale gebannt zuschaute. Und dann hielt es niemanden mehr auf den Plätzen: Die Zuschauer standen auf und zollten größten Respekt und Lob für eine großartige Inszenierung.

Weitere Aufführungen

Karten für die weiteren Aufführungen können unter Telefon 0 52 76/80 43 vorbestelt werden. Darüber hinaus können sie auch auf der Intenetseite der Bühne reserviert werden.

Der Chor der Unken umwirbt Kasperl mit der Seppl-Mütze: Er soll das Feenkraut besorgen, um die verzauberten Unken aus dem Kerker zu befreien. Foto: Ingo Schmitz

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