Do., 22.09.2016

Familie von Kempski verkauft Schloss Hembsen mit Hof und Wald an Kulturstiftung Schröder »Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen«

Harald von Kempski verbindet Kindheitserinnerungen mit dem Schloss Hembsen. Jetzt hat er sich schweren Herzens von dem Gut getrennt.

Harald von Kempski verbindet Kindheitserinnerungen mit dem Schloss Hembsen. Jetzt hat er sich schweren Herzens von dem Gut getrennt. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Hembsen (WB). Im Schloss Hembsen geht eine Ära zu Ende: Die Eigentümerfamilie von Kempski hat Haus, Hof und Wald verkauft. Neue Eigentümerin ist die Kulturstiftung Schröder mit Sitz in Neuenheerse.

»Es ist kein Notverkauf, sondern das Ergebnis längerer Überlegungen, die wir zusammen mit unseren drei Kindern und deren Familien angestellt haben«, sagt der scheidende Eigentümer Harald von Kempski dieser Zeitung. »Die Kinder und wir hängen nach wie vor sehr an dem Anwesen, daher ist uns allen die Entscheidung nicht leicht gefallen.«

»Heute sind Wald, Haus und Hof in gutem Zustand«

Seit Anfang der 1990-er Jahre haben Harald von Kempski und seine Ehefrau Astrid das Anwesen und seine Gebäude renoviert und instandgesetzt. An jedem Wochenende legte das in Berlin lebende Ehepaar in Hembsen tatkräftig Hand an. »Heute sind Wald, Haus und Hof in wirklich gutem Zustand«, bilanziert der 73-Jährige. »Damit haben wir ein wesentliches Ziel erreicht.« Die Familie habe viel investiert – in den Jahren 2011 bis 2013 schlug die Komplett-Erneuerung des Mansarddaches des Schlosses enorm zu Buche. Unweigerlich stelle sich jetzt die Frage, wie es weiter geht. »Wir werden nicht jünger, und unsere Kinder leben in Hamburg, München und Ulm. Sie sind beruflich so stark eingebunden, dass sie den nötigen Einsatz hier in Hembsen nicht leisten können.«

Gesamtkunstwerk

Das 1750 errichtete Herrenhaus des Gutes Hembsen bildet in seiner Frontansicht ein stimmiges Gesamtkunstwerk aus geradliniger Barockfassade, krönendem Mansarddach und verspieltem Jugendstilportal. Die geschwungenen Treppenläufe ziehen die Blicke auf sich. Wirtschaftsgebäude und alter Baumbestand umgeben und behüten das Schmuckstück. In seiner jetzigen Grundform besteht das Schloss seit 1843. Durch Einheirat kam der Besitz im 19. Jahrhundert an die Patrizierfamilie Gunst, deren letzte Herrin das Gut an ihren Enkel Harald von Kempski weitergegeben hat.

Selbst wenn er und seine Frau, die im nächsten Jahr in den Ruhestand geht, in ihr Schloss umziehen würden, »hätten wir das Problem nur aufgeschoben«. Also habe der Kopf und nicht das Herz entschieden. Mit Hilfe eines Maklers suchte das Ehepaar nach einem Käufer. Anfang Oktober nun übergibt Harald von Kempski sein Anwesen an die Kulturstiftung Schröder. »Uns war wichtig, einen Käufer zu finden, der dem Denkmalwert Rechnung trägt«, betont er. Die zugehörigen 90 Hektar Mischwald liegen knapp zwei Kilometer nordöstlich der Gutsanlage.

Mit dem Verkauf endet eine lange Familientradition. Harald von Kempski, der in Hembsen aufgewachsen war, hatte das Anwesen 1964 von seiner Großmutter geerbt. Heute leben in zwei der vier Wohnungen des Schlosses Mieter. Den ehemaligen Hühnerstall hat die Familie von Kempski für die Heirat von Tochter Gunilla hergerichtet und ihn nach der familieneigenen Hochzeit für weitere Events vermietet. »Der Aufwand stand aber in keinem Verhältnis zum Ertrag«, sagt Harald von Kempski. »Die Vermarktung hätte ein Engagement gefordert, das wir nicht leisten konnten.« Den kulturellen Hochkaräter »Wege durch das Land« hätte die Familie gern in Hembsen verstetigt. »Das hat sich dann aber nicht ergeben.«

Den Abschied wollte Harald von Kempski nicht sang- und klanglos geschehen lassen. Deshalb hat er kürzlich Bewohner des Ortes zu Kaffee und Kuchen in den ehemaligen Hühnerstall eingeladen und seine Beweggründe für den Verkauf erläutert.

Kulturstiftung Schröder betreibt Museen in Neuenheerse

Die Kulturstiftung Schröder setzt die Geschichte des Anwesens nun fort. Sie betreibt im Wasserschloss Neuenheerse die Museen, in denen die Stifter, Generalkonsul Manfred O. Schröder und seine Ehefrau Helga, ihre internationalen, kulturgeschichtlich bedeutsamen Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. In Hembsen will die Stiftung die Wohnungen im Schloss weiter vermieten. »Weitere Konzeptionen folgen«, kündigt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Friedrich Lohmann an.

Die Frontfassade des Schlosses Hembsen besticht mit ihren geschwungenen Treppenläufen. Ein Mansarddach krönt das Herrenhaus. Foto: Sabine Robrecht

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