Do., 13.11.2014

1. Höxteraner Organspende-Tag im Krankenhaus: Triathlet Elmar Sprink schildert sein Leben Ironman mit fremdem Herzen

Wieder ein echter Ironman: Elmar Sprink hat seine Pulsuhr immer dabei, wenn er – wie hier im Ahornsportpark in Paderborn – Sport treibt. Ohne ein Spenderherz könnte er aber bei einem Triathlon, beim Osterlauf oder auf Hawaii nicht dabei sein

Wieder ein echter Ironman: Elmar Sprink hat seine Pulsuhr immer dabei, wenn er – wie hier im Ahornsportpark in Paderborn – Sport treibt. Ohne ein Spenderherz könnte er aber bei einem Triathlon, beim Osterlauf oder auf Hawaii nicht dabei sein Foto: Besim Mazhiqi

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Organspender werden, das ist eine Entscheidung fürs Leben. Vernünftig, sinnvoll, klug – sagt der Kopf. Ein Ja oder Nein zur Entscheidung kommt am Ende aber direkt aus dem Bauch. Das ist das Fazit des 1. Höxteraner Organspende-Tages im St.-Ansgar-Krankenhaus.

Dr. Uwe Heckmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie, berichtete von großen Problemen, an neue Organspender zu kommen. Wegen des Spenderlisten-Skandals sei die Zahl der Transplantationen von 1300 in 2010 auf 900 in 2012 bundesweit abgestürzt. 2014 werde auch nicht erfreulicher. 1400 Menschen würden jährlich sterben, weil sie kein geeignetes Organ – wie Niere, Leber oder Herz – bekommen könnten. Heckmann sagte, dass die oft von Zweiflern kritisierte Hirntod-Diagnostik heute sehr sicher sei. »Auch höre ich, dass viele die Totenruhe gestört sehen, den Leichnam eines Angehörigen nicht als Ersatzteillager freigeben wollen und kein Vertrauen in die Ärzteschaft nach dem Skandal aufbauen möchten«, erläuterte Heckmann.

Was eine Organspende für Wunder bei einem zuvor Todkranken auslösen kann, das schilderte eindrucksvoll der aus Salzkotten stammende Triathlet Elmar Sprink. Mit fremdem Herzen läuft der 43-Jährige IT-Techniker heute sogar wieder beim Ironman-Wettbewerb auf Hawaii ins Ziel. Der einst Schwerkranke mit düsteren Prognosen erzählte sehr bewegend seine Lebensgeschichte im St. Ansgar: »Für alle, die noch keinen Organspendeausweis haben«.

»Ich war aktiver Sportler und begeisterter Bergsteiger. Bis der 10. Juli 2010 mein Leben völlig veränderte. Ich lag auf dem Sofa als aus dem Nichts mein Herz stehen blieb. Wieso das passierte, weiß ich bis heute nicht. Eine Virusinfektion? Die exakte Ursache konnte nie geklärt werden.« Und: »Wären meine Frau Karin und mein Nachbar, ein Arzt, nicht gewesen – ich wäre heute bestimmt nicht mehr am Leben.«

Sein Herz wurde laufend schwächer. Monatelang reiste Todeskandidat Elmar Sprink durch ganz Deutschland. Von einem Arzt zum anderen, von einem Krankenhaus ins nächste. Es war eine verzweifelte Odyssee zu Spezialisten. »Keine Untersuchung, keine Reha, kein Medikament sollte helfen. Später bekam ich einen Defibrillator in die Brust, anschließend zwei Herzpumpen. Trotzdem wurde ich immer schwächer, und schließlich stand mein Name auf der Warteliste für ein neues Herz. Um weiterleben zu können, war ich auf ein Spenderherz angewiesen«, berichtete er beim 1. Organspende-Tag in Höxter.

 »Die Minute, in der ich neue Kraft schöpfte, werde ich nicht vergessen: In der Nacht zum 9. Juni 2012 erreichte mich die erlösende Nachricht: Ein Spenderherz war gefunden!« Die Operation in Bad Oeynhausen dauerte viele Stunden. 184 Tage hat Sprink in Kliniken gelegen. »Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als ich mich das erste Mal nach der OP wieder eigenständig – mit Hilfe eines Rollators – bewegen konnte«, sagte der 43-Jährige, der heute mit seiner Frau in Köln wohnt. Wer der Spender war, das hat er nie erfahren: »Ich denke aber fast jeden Tag darüber nach.«

Mittlerweile ist Elmar Sprink wieder so gesund, dass er bundesweit an Wettbewerben – Laufen, Radfahren und Triathlon – teilnehmen kann. Beim Superevent Ironman auf Hawaii im Oktober kam er als erster Herztransplantierter weltweit erfolgreich ins Ziel. Als »Triathlet mit dem Spenderherz« haben ihn TV-Sender wie RTL und Zeitungen für sich entdeckt: »Ich nutze Wettkämpfe und Medien, um auf die Organspende aufmerksam zu machen.« Auch eine Biografie schreibt er. »Von der Stiftung Organtransplantation weiß ich, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland rückläufig ist. Wir brauchen mehr Organspender. Ich will dazu beitragen«, so Sprink.

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