Do., 07.05.2015

Illegaler Tierhandel: Veterinäramt warnt vor Krankheiten Hundewelpen aus Osteuropa eingeschmuggelt

Bernhardiner-Welpen sitzen in einer Quarantänestation im Korb. Immer öfter werden Fälle von illegalem Hundehandel bekannt, jetzt auch im Kreis. Die Tiere sind meist nicht geimpft.

Bernhardiner-Welpen sitzen in einer Quarantänestation im Korb. Immer öfter werden Fälle von illegalem Hundehandel bekannt, jetzt auch im Kreis. Die Tiere sind meist nicht geimpft. Foto: Daniel Karmann

Höxter (WB/itz). Ein Ehepaar aus dem Kreis Höxter soll mit einem illegalen Hundehandel kräftig Kasse gemacht haben. Die Tiere, die vermutlich billig in Osteuropa gekauft und hier gewinnbringend verkauft worden sein sollen, sind nach Angaben des Veterinäramtes des Kreises unter erbärmlichen Bedingungen gehalten worden.

Wie der Leiter des Veterinärdienstes, Dr. Jens Tschachtschal, gestern mitteilte, ist gegen das Paar inzwischen ein Hundehaltungs- und Betreuungsverbot verhängt worden – doch offenbar hätten sie versucht, den Handel fortzusetzen. Die Beschuldigten gingen mit »Dreistigkeit und teilweise krimineller Energie« vor, betont der Kreis als zuständige Aufsichtsbehörde.

Ein Anblick zum Erbarmens: 15 Vierbeiner sitzen auf 15 Quadratmetern in einem Kellerraum eng zusammen gepfercht auf dem Boden. Es ist dunkel, Tageslicht gibt es kaum. Mindestens 50 Quadratmeter wären vorgeschrieben, um so viele Vierbeiner in einem Raum halten zu dürfen, stellt der Kreis die Vorgaben klar. Es stinkt unerträglich nach Urin, der Pflegezustand der Hunde ist unzureichend. Immerhin sind die zum Teil verängstigten Vierbeiner ordentlich ernährt – sie sollen ja noch Interessenten verkauft werden.

Zuchtpapiere gefälscht?

Bereits im Sommer 2014 wurden die Tiere bei einer Hausdurchsuchung im Kreis Höxter entdeckt. Beantragt worden war diese von der Staatsanwaltschaft Paderborn. Das Paar war ins Visier der Ermittler geraten, nachdem es immer wieder Beschwerden gegeben hatte. Mehrere Käufer hatten sich beim Kreisveterinäramt gemeldet, nachdem die hier erworbenen Welpen schwer erkrankt waren, berichtet Dr. Tschachtschal. Es habe mehrere Strafanzeigen wegen Betruges gegeben. Es sei auch zu Gerichtsverhandlungen gekommen. Immer wieder habe der Vorwurf im Raum gestanden, dass die Zuchtpapiere gefälscht worden seien.

Dazu der Kreisveterinär: »Bei der Überprüfung des Hundehandels mussten wir immer wieder feststellen, dass Welpen, die aus eigener Nachzucht stammen sollten, tatsächlich aus ungeklärten Herkünften – wahrscheinlich aus dem Ausland – zugekauft worden sind.«

Um dem Veterinäramt zu entgehen, habe man schließlich eine weitere Immobilie im Kreis Höxter im Außenbereich mit den Tieren belegt. Die Hunde seien über das Internet zum Kauf angeboten worden. Ein Informant berichtete dem WESTFALEN-BLATT: »In den Anzeigen hieß es unter anderem: ›Wir trennen uns schweren Herzens von unserem Hund.‹ Bei der Besichtigung des Tieres sind die Interessenten in einen Schau-Raum geführt worden, um so ideale Bedingungen vorzugeben. Wenn die Käufer nach der Mutter des Welpens fragten, wurde berichtet, dass gerade die Tochter mit der Hündin spazieren gehe, um den Abschiedsschmerz zu verringern. Dabei gab es weder die Hündin noch die Tochter.«

Begonnen habe der Handel vor zehn Jahren im kleineren Umfang. In den vergangenen zwei, drei Jahren sei das offenbar lukrative Geschäft immer mehr ausgeweitet worden. Kenner der illegalen Hundehändler-Szene gehen davon aus, dass die Welpen in Tschechien und Ungarn gezüchtet und dann für 30 bis 50 Euro nach Deutschland verkauft werden. Die hiesigen Händler verkaufen die Tiere dann für Preise zwischen 490 und 900 Euro. Das seien Schnäppchenpreise im Vergleich zu 2000 Euro für einen reinrassigen Welpen aus geprüfter Züchterhand. Das Geschäft mit dem Illegalen sei offenbar so interessant, dass selbst hohe Buß- und Strafgelder nicht vor den kriminellen Machenschaften abschreckten. Wieviele Hunde das Paar verkauft habe, sei unklar.

Hohes Infektionsrisiko

»Die bei der Hausdurchsuchung entdeckten Tiere sind teilweise in private Hände vermittelt oder an andere Händler abgegeben worden. Die zuständigen Veterinärämter sind informiert«, sagt Alfred Wiemers vom Kreis Höxter.
»Oft konzentrieren sich die Händler auf die aktuellen Modehunde wie französische Bulldoggen, aber auch Mischlinge«, heißt es. Die Muttertiere lebten unter unwürdigen Umständen und seien regelrechte Gebärmaschinen.
Dr. Tschachtschal sieht vor allem ein Problem bei den Infektionskrankheiten, die die illegal eingeführten Hunde aus Osteuropa oft hätten.

Die Behandlung könne immense Kosten verursachen. »Am Ende sind diese Welpen häufig nicht zu retten und verenden«, sagt Tschachtschal. Auch der für Menschen hoch ansteckende Tollwut-Virus könne auf einem solchen Wege nach Deutschland eingeschleppt werden. »In vielen Fällen werden die Hunde ohne die gesetzlich vorgeschriebene Tollwutschutzimpfung eingeführt«, erklärt der Veterinär.
»Beim Welpenkauf gilt größte Vorsicht. Ein Kauf aus Mitleid ist keine Lösung, weil man damit das Geschäft solcher unseriösen und illegalen Händler unterstützt«, betont der Veterinärdienst.

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