Mi., 07.09.2016

Angeblich wurde das mutmaßliche Opfer in Wohnung eingesperrt Quälte Paar auch Frau in Detmold?

Wil­fried W. (46) steht bald in Paderborn vor Gericht.

Wil­fried W. (46) steht bald in Paderborn vor Gericht.

Von Christian Althoff

Höxter (WB). Das »Horror-Paar« von Höxter soll 2009 eine Frau aus Detmold in ihrer eigenen Wohnung eingesperrt, unter Medikamente gesetzt und gequält haben.

Dieser Verdacht ergibt sich heute aus der Strafanzeige des mutmaßlichen Opfers vom April 2009. Wil­fried W. (46) und seine Kom­pli­zin An­ge­li­ka B. (47) kamen damals unbehelligt davon.

Im Dezember 2008 entdeckte eine alleinstehende Detmolderin eine Kontaktanzeige von Wilfried W. und meldete sich. Der Mann gefiel ihr – bis er irgendwann sein wahres Gesicht zeigte. Nach einem Streit am Telefon soll er bei der Frau aufgetaucht sein und in dem Moment, in dem sie ihm die Tür öffnete, auf sie eingeprügelt haben. »Du weißt, warum!«, soll er damals gerufen haben.

In den folgenden Tagen soll Wilfried W. die Verkäuferin in ihrer Wohnung bedroht, gedemütigt und gequält haben. Wilfried W. soll die Frau in ihrer Wohnung eingeschlossen und ihr für den Fall ihrer Flucht Gewalt angedroht haben. Tagsüber soll sich Angelika B., die andere Hälfte des »Horror-Paares«, immer wieder vor dem Haus gezeigt haben – möglicherweise, um das Opfer weiter einzuschüchtern und eine Flucht zu verhindern.

Mutmaßliches Opfer sucht Zuflucht bei Nachbarin

Nach einigen Wochen des Martyriums soll das Opfer nachts aus dem Fenster geklettert sein und bei einer Nachbarin Zuflucht gesucht haben. Von dort rief die Frau ihren Bruder in Arolsen an, der sie zu ihren Eltern nach Cuxhaven brachte. Dort erstattete die Detmolderin Anzeige bei der Polizei, die den Vorgang nach Lippe schickte. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter aus Detmold: »Unsere Ermittlungen liefen damals unter dem Stichwort häusliche Gewalt. Die mögliche Dramatik des Falls war damals nicht zu erkennen.« Man habe versucht, die Frau zu vernehmen, sie aber nach einem Umzug nicht mehr erreicht. »Deshalb entstand hier der Eindruck, sie hätte an einer Strafverfolgung kein Interesse mehr, wie es häufiger bei häuslicher Gewalt vorkommt.« Die Staatsanwaltschaft habe deshalb das Verfahren dann eingestellt.

Nachdem das »Horror-Paar« im April aufgeflogen war (die beiden sollen über Jahre in ihrem Haus in Höxter immer wieder Frauen eingesperrt und gefoltert haben, zwei Opfer starben), nannte Angelika B. der Kripo auch den Namen der Detmolderin. »Sie wurde inzwischen von der Mordkommission befragt«, sagt Oberstaatsanwalt Ralf Meyer aus Paderborn, der die Anklage gegen das »Horror-Paar« vorbereitet. Angeblich hat die Frau ausgesagt, ihr Peiniger Wilfried W. habe ihr Epilepsie-Medikamente verabreicht, von denen sie apathisch geworden sei. Deshalb habe sie alles über sich ergehen lassen.

 Der Prozess gegen das Paar soll Ende Oktober vor dem Landgericht Paderborn beginnen.

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