Fr., 02.12.2016

Opfer des »Horror-Paares« mussten Erklärungen unterschreiben Verräterische Zeilen

Von Christian Althoff

Höxter (WB). Im Mordprozess um die Geschehnisse im »Horror-Haus« hat die Angeklagte Angelika W. (47) am Mittwoch ausgesagt, sie habe »hunderte von Texten« für die misshandelten Frauen formuliert.

Ein weiteres Schreiben.

»Diese Zettel lagen überall bei uns im Haus rum«, sagte die Angeklagte. In etlichen Schreiben »bestätigten« die Frauen, nicht gequält worden zu sein. Angelika W. sagte, sie habe die Texte für die Frauen formuliert, weil sie »die Schlauste« im Haus gewesen sei.

»Ich habe sie dann Wilfried vorgelesen. Manchmal wollte er noch etwas geändert haben.« Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Bernd Emminghaus bestätigte Angelika W., dass Wilfried und sie sich mit einigen Schreiben schützen wollten, sollte eine der Frauen Anzeige erstatten.

Das war aber nicht der einzige Zweck. Frauen, die eine der zahlreichen Hausregeln von Wilfried W. nicht beachtet hatten, mussten schriftlich versprechen, in Zukunft zu gehorchen. Taten sie das nicht, dienten diese Schreiben offenbar als Rechtfertigung für die anschließende Bestrafung durch vielfältige Misshandlungen. 66 Methoden, vom Treten bis zum Verbrühen mit heißem Wasser, hat das Paar nach Angaben von Angelika W. angewandt.

Blutergüsse »durch einen Sturz auf der Treppe«

Einige Schreiben tragen außerdem die Unterschrift eines »Zeugen«, der bestätigen sollte, dass die Unterschrift freiwillig geleistet wurde. So hatte die schwer misshandelte Christel P., die 2012 von dem Paar in einen Zug nach Hause gesetzt wurde, zuvor unterschrieben, sich sämtliche Blutergüsse »durch einen Sturz auf der Treppe« zugezogen zu haben.

Angelika W.: »Christel leistete die Unterschrift im Beisein eines Mannes mit Hut und Tasche, den ich auf dem Bahnhof angesprochen habe.« Der Mann bestätigte unter Angabe seiner Adresse per Unterschrift, dass Christel P. »freiwillig« unterschrieben habe.

Unter den Zetteln, die die Mordkommission später im »Horror-Haus« in Höxter-Bosseborn fand, ist auch ein auf Vorrat geschriebener Abschiedsbrief von Susanne F. (41) aus bad Gandersheim, die im April 2016 an den Misshandlungen starb. »Mein Abschiedsbrief!« steht über dem kurzen, handgeschriebenen Text. »Es tut mir leid, mein süßer Schatz! Ich kann nicht mehr!«, heißt es unter anderem in dem Brief, den Susanne F. kurz vor ihrem Tod mit »Susi« unterschrieb.

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