Mo., 24.04.2017

»Forum Anja Niedringhaus« in Höxter gegründet – Nachlass der Pulitzer-Preisträgerin ausstellen Die ganze Welt blickt auf ihre Fotos

Letzter öffentlicher Vortragsauftritt in ihrer Heimatstadt Höxter im Juli 2013 im Jacob-Pins-Forum: Anja Niedringhaus berichtet über ihre Kriegseinsätze; hier mit Fritz Ostkämper (links) und Prof. Jean-Christophe Ammann vor dem weltberühmten Foto mit US-Soldaten und einem Weihnachtsmann.

Letzter öffentlicher Vortragsauftritt in ihrer Heimatstadt Höxter im Juli 2013 im Jacob-Pins-Forum: Anja Niedringhaus berichtet über ihre Kriegseinsätze; hier mit Fritz Ostkämper (links) und Prof. Jean-Christophe Ammann vor dem weltberühmten Foto mit US-Soldaten und einem Weihnachtsmann. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Das wertvolle fotografische Erbe der in Afghanistan ermordeten weltbekannten Fotografin Anja Niedringhaus soll einer breiten Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist in Höxter das »Forum Anja Niedringhaus« gegründet worden. Das Tilly-Haus soll Verein und Fotosammlung beherbergen.

Die Kreisstadt um ein kulturelles Angebot mit Ausstrahlungskraft zu bereichern, hat sich die Initiative »Forum Anja Niedringhaus – Verein für journalistische und künstlerische Fotografie e.V.« vorgenommen. Sie plant, eine Teilfläche des historischen Tilly-Hauses im Heisterman von Ziehlbergschen Weserrenaissance-Adelshof aus dem 16. Jahrhundert in der Westerbachstraße zu einem Ort auszubauen, der dem Andenken an eine bedeutende Bürgerin und Botschafterin Höxters gewidmet ist, darüber hinaus aber auch zur Begegnung einlädt. Für den Umbau des Fachwerkgebäudes werden Fördergelder beantragt.

Zu den Gründungsmitgliedern, die im Februar in den Räumen des Forums Jacob Pins in Höxter den Verein »Forum Anja Niedringhaus« ins Leben riefen, zählen Freunde und Angehörige, ehemalige Mitschüler, Lehrer und Kollegen von Anja Niedringhaus. Zur 1. Vorsitzenden wurde Christine Longère gewählt. Dem Vorstand gehören außerdem Silja Polzin als 2. Vorsitzende und Carmen Jansen als Kassiererin an. Am 12. Mai wird sich der Verein erstmals der Öffentlichkeit vorstellen und hofft auf viele interessierte Mitglieder.

Die Höxteranerin Anja Niedringhaus (1965-2014) war AP-Cheffotografin und Pulitzer-Preisträgerin. Vorsitzende Christine Longère berichtet, dass es das vorrangige Anliegen sei, die Dokumentation und Vermittlung von Leben und Werk der in Höxter aufgewachsenen (Abitur am König-Wilhelm-Gymnasium 1986), in Afghanistan ermordeten Fotografin Anja Niedringhaus in einer festen Einrichtung zu ermöglichen. Hunderte Fotos gelten als fotografische Schatzkammer. Wechselnde Präsentationen ihrer vielfach preisgekrönten, in der Art Collection Deutsche Börse, einer der bedeutendsten Sammlungen internationaler zeitgenössischer Fotografie, vertretenen Bildaufnahmen aus Krisengebieten sowie aus Sport und Politik sind geplant. Auch wird anderen Fotografen ein Ausstellungsforum angeboten.

Zu den Gründungsmitgliedern des Forums zählen neben Anja Niedringhaus' Mutter Heide Ute Niedringhaus, Christine Longère, Silja Polzin, Beate Mertel, Mathias Brüggemann, Dardo Franke,  Dirk Ohm, Bärbel Werzmirzowsky, Ludger Haferkemper, Hans Hermann Jansen, Wolfgang Unger, Stefanie Waske, Dieter Schuler, Michael Robrecht, Wolfgang Braun, Georg Wieners, Barbara Fien, Heidrun Wuttke, Christoph Dücker, Jürgen Uibel und Carmen Jansen.

Darüber hinaus soll, so die Vereinsspitze, in Kooperation mit kulturtragenden Vereinen in der Region, so der Jacob-Pins-Gesellschaft Höxter, das Andenken an Verfolgte und Kriegsopfer gefördert und Bewusstsein geweckt werden für die Themen, die Anja Niedringhaus am Herzen lagen.

Vor diesem Hintergrund bieten sich Veranstaltungen an, die zur künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Ursachen und Folgen von Krisen, Konflikten und Kriegen, von Flucht und Migration anregen. Vor gut zehn Jahren trat die Jacob-Pins-Gesellschaft mit der Botschaft an die Öffentlichkeit: »Wir haben einen Traum.« Daraus hervor ging etwas Außergewöhnliches, das Forum Jacob Pins im Adelshof. »Dieses Beispiel hat uns Mut gemacht. Wir möchten mit dem Forum Anja Niedringhaus im Tilly-Haus an den Traum anknüpfen«, so die Initiatoren, deren Lebenswege sich fast alle mit dem von Anja Niedringhaus gekreuzt haben. »Wenn sich die Pläne verwirklichen ließen, könnte Höxter bereichert werden um ein Zentrum für Fotografie«, so der Verein.

In einer Informationsveranstaltung am Freitag, 12. Mai, um 19.30 Uhr im Forum Jacob Pins will sich der Verein »Forum Anja Niedringhaus« erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Ziele und Anliegen sollen erläutert, Mitglieder und Fürsprecher für die Vereinsaktivitäten gewonnen werden. Die Architektin Cornelia Lange wird das Umbauvorhaben für das Tilly-Haus präsentieren. Auch zwei Wohnungen oben im Prachtbau sollen neben Ladenlokal und 1. Etage saniert werden.

Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation und Kuratorin der auch in Höxter gezeigten Ausstellung »At War«, spricht an dem Abend über die Bedeutung der Arbeit von Anja Niedringhaus.

Der Anja-Niedringhaus-Preis für mutigen Fotojournalismus geht 2017 an die Fotografin Stephanie Sinclair (USA). Die Warren-Buffett-Stiftung hatte eine Million Dollar für den Preis gestiftet.

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