Do., 18.05.2017

Projekt »Forum Anja Niedringhaus« präsentiert: 100 Höxteraner bei Infoabend - Fördergelder beantragen Fotografin in historischem Adelshof ein Denkmal setzen

Nur zusammen kann das Projekt "Forum Anja Niedringhaus" umgesetzt werden: hier Vorstandsmitglieder mit Anja Niedringhaus' Mutter Heide Ute Niedringhaus (4. von links) und ihrer Schwester Elke Niedringhaus (rechts).

Nur zusammen kann das Projekt "Forum Anja Niedringhaus" umgesetzt werden: hier Vorstandsmitglieder mit Anja Niedringhaus' Mutter Heide Ute Niedringhaus (4. von links) und ihrer Schwester Elke Niedringhaus (rechts). Foto: Michael Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Einer bedeutenden Bürgerin Höxters ein Denkmal zu setzen und gleichzeitig ein stadtbildprägendes Gebäude mit Leben zu erfüllen: Zu diesen Anliegen des neuen Vereins »Forum Anja Niedringhaus« hat sich bei einem ersten Informationsabend eine breite Öffentlichkeit bekannt. Vorsitzende Christine Longère konnte 100 Interessierte begrüßen.

Versammelt hatte sich der große Zuhörerkreis dort, wo Anja Niedringhaus zum letzten Mal vor ihrem gewaltsamen Tod öffentlich in ihrer Heimatstadt aufgetreten war: im Jacob-Pins-Forum. Die Pulitzer-Preisträgerin präsentierte dort im Sommer 2013 ihre berührende Ausstellung »At War«. Zur Eröffnung war sie nach Hause gereist. Niemand ahnte damals, dass sie  wenige Monate später im Afghanistan in Ausübung ihres Berufes ermordet werden würde.

Die Verbundenheit nach Höxter hatte Anja Niedringhaus nie abreißen lassen, als sie aus den Krisenregionen dieser Welt in eindringlichen Bildern berichtete. Freunde und Weggefährten aus der Heimat haben sich jetzt ein ambitioniertes Projekt vorgenommen, um für ihr Werk und ihre Anliegen einen Ort der Erinnerung zu schaffen: Im Tillyhaus, das wie das benachbarte Pinsforum zum Heisterman-von-Ziehlbergschen Adelshof gehört, will der neue Verein auf zwei Etagen Räume erwerben und  etwa 200 Quadratmeter für Ausstellungen und Veranstaltungen ausbauen.

Von der Kasse bis zur Aufsicht ist eine  Kooperation  mit dem Pinsforum geplant, das aus dem gleichen Geist heraus von Bürgern begründet worden war. So schließt sich ein Kreis in diesem denkmalgeschützten Gebäudeensemble.

Fördergelder werden eingeworben

Baulich sind alle Weichen gestellt, berichtet die Eigentümerin des Tillyhauses, die Architektin Cornelia Lange. »Wir könnten sofort loslegen.« Zunächst gilt es aber, Fördermöglichkeiten auszuloten. Denn Erwerb und Ausbau kosten, so Christine Longère, etwa 3000 Euro pro Quadratmeter. Der Verein muss also viel  Geld aufbringen. Die NRW-Stiftung hat nach Auskunft Langes  Interesse bekundet. Auch habe die Stiftung Denkmalschutz eine Förderung in Aussicht gestellt. Die Kulturstiftung des Bundes sei ein weiterer möglicher Zuschussgeber.

Hier sei politisches Engagement gefragt. Parallel suchen die Aktiven vor Ort Sponsoren. Eine Homepage ist in Arbeit. Stetig wachsende Mitgliederzahlen geben dem Vorstand Rückenwind für sein großes Vorhaben. Höxters Ehrenbürger Professor Klaus Töpfer begrüßt das Projekt ausdrücklich: Die herausragenden Arbeiten, die Anja Niedringhaus in ihrem viel zu kurzen Leben vorgelegt habe, forderten zum Nachdenken über Krisen, Fluchtursachen und Fluchtkonsequenzen heraus, bringt er genau das auf den Punkt, was die Fotografin erreichen wollte.

Immer wieder zeigt sie Kinder im Krieg

»Es ging ihr um die Menschen, die betroffen waren –  um die Zivilbevölkerung an erster Stelle, aber auch um die sehr jungen Soldaten, deren Leben mit Anfang, Mitte 20 ruiniert war«, skizziert Anne-Marie Beckmann, Direktorin der »Deutsche Börse Photography Foundation«, ein zentrales Anliegen der Pulitzer-Preisträgerin.

Die  Höxteranerin habe eine  Bildsprache entwickelt, die es verdiene, dass diese Fotos mit ihrer  kompositorischen Kraft aus der Taktung der Nachrichtenmaschinerie herausgenommen und an die Museumswand gebracht werden. Niedringhaus habe das Gefühl und die Dramatik einer Situation erfasst. Und das in Sekundenschnelle. Mehr Zeit bleibe für eine Aufnahme nicht. Trotzdem strahlten die Bilder eine situative Ruhe aus , die das Auge verweilen lassen möchte.

»Diese Bildsprache erreicht die Emotionen und bewegt die Menschen«, betont Beckmann, die Anja Niedringhaus persönlich kannte und beim Informationsabend unterstrich, dass es der Fotogratin um Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit und Menschlichkeit ging.

Und: »Immer weder sehen wir Kinder auf ihren Bildern. Sie sind ein Zeichen der Hoffnung. Diese Fotos erzählen mehr als eine ganze Geschichte.«
Dass sie das bald auch in Höxter tun - dieses Anliegen unterstützt auch die Mutter der ermordeten Fotografin, Heide-Ute Niedringhaus. Sie  ist letzthin beim World Press Photo Festival in Amsterdam eingeladen gewesen.

Dort wurde die US-Amerikanerin Stephanie Sinclair als Trägerin des Anja-Niedringhaus-Award 2017 für mutigen Fotojournalismus bekannt gegeben. »Ich habe vom Forum in Höxter erzählt und den Wunsch geäußert, dass der Preis auch einmal hier vergeben werden kann«, berichtet Heide-Ute Niedringhaus. Berühmte Fotografen wie Nick Út und Burhan Ozbilici sei sie in Amsterdam begegnet. Sie und andere Kollegen ihrer Tochter   hätten versprochen, sich in Höxter an Ausstellungen zu  beteiligen.  »Es ist schön, das Tillyhaus zu beleben und mit Anjas Bildern und Fotos ihrer berühmten Freunde und Kollegen zu bereichern.«

Der Verein ist per E-Mail unter info@forum-anja-niedringhaus.de zu erreichen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4854339?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198395%2F2516020%2F