So., 18.06.2017

Chemiker der Hochschule OWL erforscht das medizinische Potenzial Hilft Nanogold gegen Akne?

Manfred Sietz forscht seit Jahren mit Nanogold (kleines Foto) und möchte es für medizinische Zwecke in Textilien verwenden. Nanogold gibt es in Kaubonbons, Cremes sowie in Kunststoff.

Manfred Sietz forscht seit Jahren mit Nanogold (kleines Foto) und möchte es für medizinische Zwecke in Textilien verwenden. Nanogold gibt es in Kaubonbons, Cremes sowie in Kunststoff. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Höxter (WB). Manfred Sietz, Chemiker an der Hochschule OWL in Höxter, arbeitet an einer Weltneuheit. Er hat jetzt im Zuge seiner Forschung zur Anwendung von Nanogold ein Verfahren vorgestellt, bei dem Textilien mit Goldpartikeln veredelt werden.

Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte – wer mit Ausschlag und allergischen Reaktionen zu kämpfen hat, muss häufig auf Medikamente zurückgreifen. Dabei könnte Nanogold eine natürliche Alternative sein. »Das Gold schwimmt seit Jahrmillionen im Meerwasser, weil es aus Goldsalzen herausgelöst wird. Viele Menschen denken, dass etwas Künstliches nur gefährlich sein kann.

Aber in diesem Fall hat sich die Evolution an das bestens verträgliche Nanogold gewöhnt«, erklärt Manfred Sietz. Er sucht nun Partner aus der Wirtschaft für den Transfer der Forschung in Produkte. Nanogold wirke ähnlich wie Kortison. Es senke den Allergieparameter im Blut bei Allergien vom Typ 1 mit Juckreiz und Augenbrennen, erklärt Sietz. Auf dieser Grundlage entwickelte er die Idee, Textilien mit Nanogold zu veredeln – auf den betroffenen Hautstellen getragen, könnten sie die Reizungen lindern.

»Nanogold trägt andere Stoffe huckepack«

Der Professor hat ein Verfahren entwickelt, um aus Goldsalzen Nanogold herzustellen. Dieses Nanogold hat andere Eigenschaften als herkömmliches Gold: Durch die Oberflächenladung der Teilchen binden sie sich an Eiweißstrukturen und Nukleinsäuren, Kunststoffe, Arzneistoffe und eben Textilfasern. »Nanogold trägt andere Stoffe huckepack – und Wirkstoffe damit auch schneller dorthin, wo sie im menschlichen Körper gebraucht werden«, erklärt Sietz.

In einer wässrigen Nanogold­lösung lässt Sietz Textilien die Goldpartikel aufnehmen. Zur Untersuchung hat er seine textilen Proben ins Labor für Mikrobiologie am Fachbereich Life Science Technologies der Hochschule OWL geschickt. Ergebnis: Mit Nanogold beschichtete Baumwollfasern zeigen im Hemmhoftest eine keimreduzierende Wirkung gegenüber dem Aknehautkeim. »Untersuchungen in Richtung Unterwäsche für Neurodermitiker müssen noch vertieft werden – jedoch gehe ich davon aus, dass sich hier bei höherer Goldkonzentration eine vergleichbare Wirksamkeit einstellt – das ist eine Weltneuheit«, sagt der Chemiker.

Nanogold besitze viele Anwendungspotenziale

Außer Baumwollunterwäsche sind auch andere Textilprodukte als Träger von Nanogold denkbar: Bettwäsche, Frotteestoffe und sogar Pflaster. Nanogold besitze viele Anwendungspotenziale. Ein Ergebnis der Höxteraner Forschung ist eine Sonnencreme, denn Nanogold absorbiert UV-Strahlung. Außerdem hat es eine keimreduzierende Wirkung und könnte Produkte länger haltbar machen. Sietz hat auch Kaubonbons aus Mutterkraut und Nanogold entwickelt – zur Therapie von Migräne.

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