Di., 12.09.2017

Nach Streit um Konzeption und Geld: Freundeskreis ist verärgert Ehrenamtler verlassen Glasmuseum

Wie geht es mit dem Kulturbetrieb im Boffzer Glasmuseum weiter? Der Freundeskreis Glasmuseum, der die Kuration des Museums drei Jahre lang übernommen hatte, zieht sich nach dem Streit mit der Gemeinde aus der Museumsführung zurück: (von links) Karl-August Fricke, Hans-Hermann Henze, Gerdi Henke und Vorsitzender Walter Waske.

Wie geht es mit dem Kulturbetrieb im Boffzer Glasmuseum weiter? Der Freundeskreis Glasmuseum, der die Kuration des Museums drei Jahre lang übernommen hatte, zieht sich nach dem Streit mit der Gemeinde aus der Museumsführung zurück: (von links) Karl-August Fricke, Hans-Hermann Henze, Gerdi Henke und Vorsitzender Walter Waske. Foto: Timo Gemmeke

Von Timo Gemmeke

Boffzen (WB). Das Tischtuch zwischen dem ehrenamtlichen Freundeskreis Glasmuseum und der Gemeinde Boffzen ist zerschnitten. Die Ehrenamtler ziehen sich verärgert aus dem Museumsbetrieb zurück.

Wie berichtet, hatte die Gemeinde es abgelehnt, einen Zuschuss für eine für die Museumszukunft wichtige Dauerausstellung bereit zu stellen. Jetzt ist die Zukunft des Glasmuseums mehr als ungewiss. Für den Freundeskreis (52 Mitglieder), der sich drei Jahre erfolgreich lang um die Kuration des Kulturbetriebs gekümmert hat, steht fest: »Wir sind raus!« Seit gut 30 Jahren gibt es das Glasmuseum, aber echten Besucherzulauf gab es erst in jüngster Vergangenheit.

Gestritten wird über einen Antrag an das Land Niedersachsen, um die Fördermittel zur Neugestaltung der Dauerausstellung. Anteilig hätte sich die Kommune mit 13.500 Euro beteiligen müssen, um die 50.000 Euro vom Land zu erhalten. Dieser Antrag hätte jetzt gestellt werden müssen. Die neue Mehrheit CDU, UWGB und FDP im Rat war aber dagegen.

Wie die Zukunft des Museums hätte aussehen können, plante die Boffzer Politik gänzlich ohne den Freundeskreis – aus deren Sicht. »Mit Ende der derzeitigen Ausstellung verlassen wir das Glasmuseum«, bestätigt Walter Waske, Vorsitzender des Freundeskreises. Ab November sollen die Schlüssel an die Samtgemeinde zurück gehen, von Kurationen und ehrenamtlicher Mitarbeit will der Freundeskreis dann komplett absehen. »Die Politik hat ihre Entscheidung getroffen, wir unsere; es gibt keine Vertrauensbasis mehr«, bedauerten Waske und der Vereinsvorstand.

Ein Gutachten des Landes zur »Glaslandschaft Weserbergland« vom Juli bestätigt den Unmut der Ehrenamtler: »Ohne gesicherte gemeindliche Unterstützung nur in Regie des Vereins, ist die Nachhaltigkeit der touristischen Qualifizierungsmaßnahmen nur schwer zu gewährleisten.« So sollten beispielsweise die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Die Eigenregie des Vereins hat den Kulturbetrieb in den vergangenen drei Jahren ordentlich angekurbelt: Durch abwechslungsreiche Ausstellungen und Aktionen habe sich die Besucherzahl fast verzehnfacht, schilderte Waske.

Am Grundgedanken, Historie und Gegenwart Boffzens als wichtigen Standort der »Glaslandschaft« zu sichern, wollen die Ehrenamtler dennoch festhalten. Ein Informationspfad quer durchs Dorf, an mehreren historischen Gebäuden wie dem Siebensternhaus und der Noelle-Villa vorbei, soll dabei helfen. Die alljährliche Führung durch die Noelle+von Campe-Glaswerke will der Freundeskreis ebenso fortführen.

Wie die Gemeinde jetzt Ausstellungen organisieren will und welche Ehrenamtler oder gar bezahlte Kräfte dabei helfen, ist offen. Die preiswerten 13 Ehrenamtlichen werden fehlen, denn Hauptamtliche sind kaum finanzierbar.

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