Sa., 14.10.2017

Streit um Unfallchirurgie: Bürgermeister verärgert über plötzliche »Einladung« nach Brakel BI ruft zur zweiten Demo auf

Gut 200 Teilnehmer des Protestzuges ziehen durch die Marktstraße. Wie hier am 6. Oktober soll es am Freitag, 20. Oktober, ab 17 Uhr wieder so voll werden. Die Höxteraner wollen den Druck auf die KHWE verstärken.

Gut 200 Teilnehmer des Protestzuges ziehen durch die Marktstraße. Wie hier am 6. Oktober soll es am Freitag, 20. Oktober, ab 17 Uhr wieder so voll werden. Die Höxteraner wollen den Druck auf die KHWE verstärken. Foto: Sabine Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Der wachsende Protest in Höxter gegen die Verlegung der Unfallchirurgie vom St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter ans Brakeler Krankenhaus hat eine zweite Demonstration zur Folge. Am Freitag, 20. Oktober, um 17 Uhr ist Treffpunkt am Kaufhaus Woolworth/Ecke Grubestraße.

Ansgar Risse, Sprecher der Bürgerinitiative »Unfallchirurgie sofort zurück nach Höxter«, hofft, dass noch mehr als die 200 Teilnehmer an der ersten Demo dabei sind. Die BI berichtet, dass ihr einige Fallbeispiele von Patienten vorlägen, die große Erschwernisse und Pannen durch die Verlegung konkret schilderten. Man prüfe die Angaben. Ebenso werde Hinweisen nachgegangen, dass das medizinisch-fachliche Umfeld für eine optimale unfallchirurgische Versorgung in Brakel nicht gewährleistet werden könne.

Nachdem Reinhard Spieß (Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge) es abgelehnt hatte, im Rat Höxter der Politik Rede und Antwort zu stehen (wir berichteten), hat die KHWE nun ihrerseits am Freitag per Schreiben Bürgermeister Alexander Fischer und die Fraktionsvorsitzenden zu einem Informationsgespräch nach Brakel eingeladen. Diese »Einladung« ist in der Verwaltung und in den meisten Ratsparteien in dieser Form schlecht angekommen und wird wie eine »Einbestellung« bewertet.

Äußerst verärgert

Bürgermeister Alexander Fischer ist über die Vorgehensweise von Spieß äußerst verärgert. Dem WESTFALEN-BLATT sagte er, dass die Verwaltung Spieß mitgeteilt habe, dass er, Fischer, am von der KHWE vorgeschlagenen Termin am 18. Oktober in Urlaub sei und man einen Ausweichtermin suchen solle. Zudem sei der Rat das Forum für ein solches Gespräch und nicht eine kleine Runde in Brakel. Spieß habe darauf Fachbereichsleiter Josef Hasenbein mitgeteilt, dass er am 18. Oktober festhalte, und wenn der Bürgermeister nicht da sei, der doch einen Vertreter schicken könne. »Das ist eine Unverschämtheit meiner Person und dem Rat gegenüber«, erklärte Fischer.

»Spieß kann nicht erst dem Rat absagen, uns dann nach Brakel zitieren ohne mit mir ein Wort zu sprechen«, so Fischer. Man müsse schon den Mut aufbringen, sich den Fragen der Höxteraner zu stellen. Spieß hätte im Rat einige Themen öffentlich darstellen können, andere dann im nichtöffentlichen Teil. Er sei über die Vorgänge verärgert.

Eine Information der Bürgerschaft durch die KHWE sei seit Monaten überfällig. Er sei immer für reden, aber in diesem Fall müssten die Dinge in Höxter endlich von Spieß vor Ort erklärt werden. Niemand wolle den Geschäftsführer angreifen und niemand habe ein Interesse an einer Eskalation. »Wir sollten einen neuen Termin für ein Gespräch im Rat in Höxter suchen.« Der Bürgermeister stellte fest, dass viele zurecht auf die Barrikaden gingen.

Augenhöhe müsse gewahrt bleiben

CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Berens sieht in der »Einladung nach Brakel« keinen guten Stil der KHWE-Geschäftsführung. Man zitiere Ratsvertreter nirgendwo hin. Augenhöhe müsse gewahrt bleiben. Zudem habe die Öffentlichkeit in Höxter einen Anspruch auf Informationen. Ein Gespräch mit Bürgermeister und Fraktionschefs könne nur ein erster Schritt sein, dann müssten der Rat und Öffentlichkeit informiert werden.

BfH-Fraktionsvorsitzender Hermann Loges nannte das Verhalten von Reinhard Spieß einen Affront: nicht gegenüber dem Rat, sondern auch gegenüber der Bürgerschaft. Er forderte ein Expertengremium, zum Thema Unfallchirurgie.

Die Hospitalvereinigung ließ über Sprecherin Frauke Döll zur Einladung erklären: »Wir lösen unser Informationsversprechen an die Stadt Höxter, über die Entwicklung des Krankenhauses zu berichten, ein. Die Umstrukturierung der Unfallchirurgie hat zum 1. Februar 2017 stattgefunden. Wir haben in zahlreichen Pressemitteilungen die tragenden Gründe dargelegt und werden unseren Informationspflichten gegenüber der Öffentlichkeit auch in Zukunft nachkommen. Dies gilt für unser gesamtes Versorgungsgebiet.«

Kommentare

Muss nicht sein

Was nützen mehr Abteilungen wenn das Krankenhaus keine gute Behandlung der Patienten bietet und dieses Krankenhaus hat einen ganz schlechten Ruf. Da hilft nur Spezialisierung, Qualität statt Quantität, dann auch lieber nach Brakel. Oder man sollte die Neurologie dicht machen, die sind die Schlimmsten!

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