Do., 19.10.2017

Unfallchirurgie: BI erwartet große Resonanz bei zweiter Demonstration am Freitag - Mini-Gesprächsrunde bei Spieß Höxteraner lassen nicht locker

Die Bürgerinitiative in Höxter will erneut dafür werben, die Unfallchirurgie wieder von Brakel zurück nach Höxter zu holen.

Die Bürgerinitiative in Höxter will erneut dafür werben, die Unfallchirurgie wieder von Brakel zurück nach Höxter zu holen. Foto: Sabine Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Der Protest gegen die Verlegung der Unfallchirurgie von Höxter nach Brakel geht weiter. Bei der zweiten für Freitag, 20. Oktober, geplanten Demonstration in Höxters Marktstraße werden noch mehr Menschen erwartet als beim ersten Protestzug am 6. Oktober.

Die Organisatoren bekommen offen Unterstützung durch die Politik, besonders nach der Brüskierung des Rates und des Bürgermeisters durch den Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung, Reinhard Spieß. Die Demo startet um 17 Uhr ab Kaufhaus Woolworth und endet an den Treppen der Nicolaikirche, wo Ludger Haferkemper die Positionen der Bürgerinitiative vortragen wird.

Die BI will beweisen, dass das Krankenhaus in Brakel nicht auf den Betrieb einer Unfallchirurgie ausgelegt sei. Immer mehr Fallbeispiele von Patienten, wo es zu Pannen komme, würden der Initiative zugetragen, so die Aktiven um Ansgar Risse, die schon mehr als 3500 Unterschriften für die Rückkehr der Unfallchirurgie gesammelt haben.

Gespräch bei KHWE nur in kleiner Runde

Offen blieb am Mittwoch, ob es Resonanz auf die weiter bestehende Einladung der Hospitalvereinigung (KHWE) gab: Geschäftsführer Spieß hatte Bürgermeister und Ratsfraktionschefs für Mittwoch 18 Uhr nach Brakel eingeladen. Bürgermeister Alexander Fischer hatte wegen seines Urlaubs einen neuen Termin und Höxter als Gesprächsort gefordert. Bis auf Stefan Berens (CDU) hatte dann aber kein Fraktionsvorsitzender Zeit nach Brakel fahren. Fischer bat auch keinen der Vizebürgermeister um eine Vertretung in Brakel. So fand das Gespräch am Ende nur mit Stefan Berens statt, der den Gesprächsfaden zur KHWE nicht abreißen lassen wollte, wie er dem WB sagte. Die KHWE kündigte am Mittwochabend an, dass es nach den Herbstferien einen zweiten Gesprächstermin für die Höxteraner Ratsspitzen geben solle.

BI-Sprecher Ludger Haferkemper erläuterte mit Blick auf die Demonstration, warum die Höxteraner in Sachen Unfallchirurgie nicht locker lassen. »Zuschriften und Telefonate haben uns bestärkt, so lange zu kämpfen, bis der Rat der Stadt und der Kreis Höxter verstehen, dass die Schließung der für unser Krankenhaus so wichtigen Unfallchirurgie im Februar 2017 aus betriebswirtschaftlichen Gründen erfolgte, was nur mäßige Erfolge zeigte, wie die Abwanderung nach Holzminden belegt.«

Medizinische Gründe seien bisher außer Acht gelassen worden, »obwohl gerade die medizinischen Gründe dem Wohl der Patienten dienen«.

»Arbeitsunfälle weder in Brakel noch Höxter behandelt«

Die Bürgerinitiative stellt fest: »Eine interdisziplinäre Versorgung ist gerade für eine Kreisstadt und ein Schwerpunktkrankenhaus wesentlich – das Ansgar KKHS ist eine Schwerpunktklinik. Hier arbeiten Spezialisten aller Fachrichtungen miteinander und einander zu.« Zu einer gut funktionierenden Unfallchirurgie, so Haferkemper, gehöre ein Traumazentrum, die Innere Chirurgie, Radiologie, Intensivstation, Kardiologie, Innere Medizin, Gefäßchirurgie, Urologie, Neurologie, Kinderheilkunde mit Kinderintensivstation, eine Tag und Nacht funktionierende Intensivstation sowie ein vollwertiges Labor, das auch Verträglichkeit von Blutkonserven untersuchen könne.

»Arbeitsunfälle können jetzt weder in Brakel noch in Höxter oder in Holzminden behandelt werden, sondern die Behandlung und Nachbehandlung muss in Bielefeld, Göttingen, Kassel oder Hannover erfolgen«, hat die Initiative herausgefunden. Ludger Haferkemper ergänzt: »Die entsprechende Zertifizierung der Durchgangsmedizin hatte das St.-Ansgar-Krankenhaus gehabt. Diese Zertifizierung wurde ohne Not durch den Weggang von Dr. Heiner Gellhaus abgegeben.«

Die BI aus Höxter hat den Eindruck, dass nur, weil die Orthopädie in Brakel für das dortige Haus nicht ausreiche, man die Unfallchirurgie dorthin geholt habe, um das Haus dort besser auszulasten. Die Bevölkerung habe das Gefühl, von einer medizinisch zu führenden Diskussion abgekoppelt zu sein.

Debatte über die Zukunft des Krankenhausstandortes Höxter

»Stattdessen werden in der Presse stoisch Argumente vorgetragen, die einer substanziellen Prüfung nicht standhalten«, kritisiert BI-Sprecher Haferkemper die KHWE. Mehr noch: »Es wurde von Seiten der KHWE kein Gespräch geführt, auch der Rat Höxter wurde in seinem Informationsbedürfnis vorgeführt: Der Geschäftsführer stellte sich nicht einer Diskussion im Rat. Vielleicht tut dies der Verwaltungsrat.«

Stadt und Kreis Höxter müssen laut BI gehört werden: Die Kommunen sind verpflichtet, die optimale medizinische Versorgung sicherzustellen. Der Sicherstellungsauftrag für stationäre Krankenhausversorgung liege bei den Kreisen ungeachtet der Trägerschaft der Einrichtungen.

Aus der Katholischen Hospitalvereinigung war zu vernehmen, dass Geschäftsführer Reinhard Spieß sich den Kreistag als neues Forum ausgesucht hat, um eine öffentliche Debatte über die Zukunft des Krankenhausstandortes Höxter zu führen. Die Bürger des gesamten Einzugsgebietes sollten dort die Chance zur Diskussion haben.

Das Evangelische Krankenhaus Holzminden freut sich derweil über einen Förderbescheid von 7,5 Millionen Euro vom Land Niedersachsen für den zweiten Bauabschnitt der Umbaumaßnahmen. Der Funktions- und Pflegebereich wird erneuert. Neue OP-Säle, Neubau einer Intensivstation und ein Zentrum für ambulantes Operieren sind geplant. Zudem läuft noch die Erweiterung der Unfallchirurgie in Holzminden - da sind die 30 Prozent Patientenzuwachs wegen der Probleme in Höxter sehr willkommen.

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