Do., 19.10.2017

Unfallchirurgie: Verwaltungsrat und Spieß stärken Standort Brakel – Kritik an Bürgermeister Fischer »Streit gefährdet Vertrauen der Patienten«

Die KHWE hält am Standort der Traumatologie in Brakel drei Operationssäle, einen Schockraum, eine modern ausgestattete Intensivstation, eine radiologische Abteilung mit einem modernen 16-Zeilen-Computertomografen, 20 Ärzte sowie ausreichend Betten für eine stationäre Versorgung vor. Zudem steht an diesem Standort ein Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaft zur Verfügung.

Die KHWE hält am Standort der Traumatologie in Brakel drei Operationssäle, einen Schockraum, eine modern ausgestattete Intensivstation, eine radiologische Abteilung mit einem modernen 16-Zeilen-Computertomografen, 20 Ärzte sowie ausreichend Betten für eine stationäre Versorgung vor. Zudem steht an diesem Standort ein Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaft zur Verfügung. Foto: dpa

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Der Verwaltungsrat der Katholischen Hospitalvereinigung und KHWE-Geschäftsführer Reinhard Spieß haben sich am Donnerstag mit Erklärungen in den Streit um die Verlegung der Unfallchirurgie vom Höxteraner an das Brakeler Krankenhaus eingeschaltet. Höxters Bürgermeister Fischer wird von Spieß scharf kritisiert.

Wie berichtet, hatte Spieß eine Teilnahme an der Oktober-Ratssitzung abgesagt, als sein Auftritt vom nichtöffentlichen in den öffentlichen Teil verlegt werden sollte. Einen Tag später lud er überraschend Bürgermeister und Fraktionschefs zum Gespräch nach Brakel ein, was Höxters Stadtspitze als Affront bewertete.

Reinhard Spieß Foto: WB

Geschäftsführer Reinhard Spieß warf Bürgermeister Fischer in einem Brief vor, »eine beispiellose und entstellte Debatte zu einer angeblichen Missachtung des Rates der Stadt durch die KHWE ausgelöst zu haben«. Fischer habe offensichtlich sein Anliegen, eine sachliche und an den Entscheidungsgründen für die Verlegung der Unfallchirurgie orientierte Diskussion zunächst mit den Ratsmitgliedern allein zu führen, um dann gemeinsam eine Einbeziehung der Öffentlichkeit zu überlegen, nicht an die Fraktionen im Rat Höxter weitergegeben.

Man sei im Sommer verblieben, nach der Sommerpause einen Termin für seinen Besuch zu finden, so Spieß: Monatelang habe er von Fischer dann nichts mehr gehört – bis offensichtlich im Zusammenhang mit der Demonstration Höxteraner Bürger er ihn kurz vor der Ratssitzung erneut angesprochen habe, nach Höxter zu kommen – was er zugesagt habe.

»So ist es ein Fiasko für Höxter«

Spieß weiter: »Meiner Bitte, zunächst im nichtöffentlichen Teil des Rates berichten zu können, ist Fischer mit dem Vorschlag begegnet, mit dem Rat gemeinsam zu überlegen, in welcher Form eine sachliche und an den Fakten orientierte Diskussion in der Höxteraner Öffentlichkeit erfolgen solle. Hierüber hat Fischer offensichtlich die Fraktionen nicht informiert.« Wie sonst sei es zu erklären, »dass kurz vor der Sitzung Anträge der Fraktionen auf Verlegung in den öffentlichen Teil eingereicht worden seien und in den Medien eine Welle negativer Kommentierungen von Bürgermeister und Fraktionschefs erfolgt ist«.

»So ist es ein Fiasko für Höxter, dass Höxteraner Bürger ohne Kommentierung von Bürgermeister und Ratsvertretern mit Forderungen wie ›Aus dem Brakeler Krankenhaus kann man ja ein Altenheim machen‹ Unfrieden zwischen den Nachbarstädten säen und das erfolgreiche Konzept der KHWE negieren, mit dem es gelungen ist, alle Krankenhäuser im Kreis zu erhalten und besonders im St.-Ansgar-Krankenhaus zahlreiche neue Abteilungen und auch Arbeitsplätze zu etablieren«, schreibt Spieß. Zu den neuen Angeboten, die am Standort Höxter geschaffen worden seien, gehören Kardiologie, Onkologie, Strahlentherapie, Klinik für Gefäßchirurgie und endosvaskuläre Chirurgie sowie das Facharztzentrum.

Mitarbeiter beleidigt

Reinhard Spieß weiter: »Mitarbeitende der KHWE fühlen sich massiv beleidigt, Menschen aus den restlichen Städten des Kreises Höxter fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Doch das St.-Ansgar-Krankenhaus braucht genau diese Region, denn die Patienten der Medizinischen Kliniken, der Chirurgie, der Neurologie, der Pädiatrie, der Urologie, der Strahlenmedizin, der Palliativmedizin, der Gynäkologie und Geburtshilfe stammen aus dieser Region, nicht nur aus der Stadt Höxter«, stellte Geschäftsführer Spieß fest.

Die Stadt Höxter wäre stattdessen gefordert, ihren Betrieben des Gesundheitswesens und der Höxteraner Wirtschaft Unterstützung zu geben. In anderen Städten würden sich Fördervereine an den Krankenhäusern bilden, um den weiteren Ausbau zu unterstützen. Spieß fordert von den Verantwortlichen in Höxter, einen konstruktiven Kurs einzuschlagen und den Einrichtungen, auch den Verbundeinrichtungen in den Nachbarstädten, Unterstützung zu leisten statt Gegenwind zu erzeugen.

Marcel Giefers, Vorsitzender des Verwaltungsrates der KHWE, erklärte Folgendes: »Mit Besorgnis nimmt der Verwaltungsrat die derzeit aufgeheizte Diskussion wahr, die zurzeit nicht auf Grundlage rationaler Argumente geführt wird, sondern von Partikularinteressen geleitet zu sein scheint, die nicht im Interesse der Patienten und deren Vertrauen in die unbestreitbare Leistungsfähigkeit der KHWE liegen können. Der Verwaltungsrat appelliert an die Beteiligten, auf eine sachliche Grundlage zurückzukehren und dieses Vertrauen, das die Bevölkerung des Kreises Höxter den Einrichtungen der KHWE sowie der Qualität der medizinischen Versorgung entgegen bringt und entgegen bringen kann, nicht zu gefährden.«

Der Verwaltungsrat sieht die Zusammenführung der Abteilungen für Unfallchirurgie und Orthopädie in Brakel als wichtigen Schritt zur Sicherung der Qualität der medizinischen Versorgung und der zukunftsorientierten Weiterentwicklung. Der Verwaltungsrat bekräftigt seine Entscheidung, dies am Standort Brakel zu realisieren und auszubauen. Die Entscheidung sei auf Grundlage externer Fachgutachten und des daraus entwickelten Konzeptes getroffen worden.

Die Stellungnahme des KHWE-Verwaltungsrates

Der Verwaltungsrat der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) hat in 2016 die Verlegung der Unfallchirurgie von Höxter nach Brakel und damit die Bildung einer Traumatologie am Standort Brakel beschlossen. Die Entscheidung wurde auf Grundlage verschiedener externer Fachgutachten und des daraus entwickelten Konzeptes getroffen. Der Verwaltungsrat begründet seine Entscheidung wie folgt:

1. Die KHWE hat vom Land Nordrhein-Westfalen einen Versorgungsauftrag für die Versorgung des Kreises Höxter erhalten und hat damit die Verpflichtung übernommen, alle dafür notwendigen infrastrukturellen und personellen Voraussetzungen bereit zu stellen. Dazu hält die KHWE am Standort der Traumatologie in Brakel insgesamt drei modern ausgestattete Operationssäle, einen Schockraum, eine modern ausgestattete Intensivstation, eine radiologische Abteilung mit einem modernen 16-Zeilen-Computertomografen , derzeit 20 Ärzte sowie ausreichend Betten für eine stationäre Versorgung vor. Zudem steht an diesem Standort ein Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaft zur Verfügung.

2. Neben diesen Voraussetzungen umfasst der Versorgungsauftrag ebenso die Verpflichtung, die Versorgung gut erreichbar zu organisieren und sicherzustellen, so dass innerhalb der kürzest möglichen Zeit das qualitativ bestmögliche medizinische Ergebnis erreicht werden kann. Der Standort Brakel ist geografisch zentral im Kreis Höxter gelegen, verkehrstechnisch über die Bundesstraßen B252 und B64 sehr gut angebunden, aus dem gesamten Versorgungsgebiet für die Bevölkerung gleichermaßen gut zu erreichen und daher als Standort der traumatologischen Versorgung innerhalb der Einrichtungen der KHWE am besten geeignet.

St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter Foto: M. Robrecht

3. Bereits im Jahr 2008 haben sich die damalige Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie sowie die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie aus Gründen der Qualitätssicherung für eine Zusammenlegung beider Fachgebiete in der medizinischen Versorgung und der Ausbildung (zur Traumatologie) ausgesprochen und wurden zur heutigen Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zusammen gelegt. In einer Presseerklärung des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie heißt es dazu: »Größter Nutzen für die Patienten: Sie brauchen in Zukunft auch bei komplizierten Erkrankungen im Bewegungssystem nur noch einen ärztlichen Ansprechpartner und finden leichter den richtigen Spezialisten, der sowohl Techniken der Orthopädie als auch die Unfallchirurgie beherrscht.«

Zur weiteren Zielstellung der Zusammenlegung beider Fachgebiete heißt es dort auch: »Unser gemeinsames Ziel für die Zukunft ist die Therapie aus einer Hand für den Patienten«. Damit stellen Fachgesellschaft und Berufsverband den Aspekt der verbesserten Qualität der medizinischen Versorgung durch die Verzahnung von Unfallchirurgie und Orthopädie heraus. Diesem Aspekt kann sich die KHWE im Interesse ihrer Patienten nicht entziehen und ist verpflichtet, die Qualität der Versorgung in den Vordergrund zu stellen.

4. Neben dem Aspekt der verbesserten medizinischen Versorgung muss die KHWE im Sinne der Zukunftssicherung auch für optimierte Ausbildungsbedingungen gemäß den Vorgaben der Fachgesellschaft im Fachgebiet Traumatologie (Orthopädie und Unfallchirurgie) sorgen. Nur so können die Einrichtungen der KHWE auch in Zukunft als Ausbildungsstätte für Nachwuchsärzte sowie als Arbeitgeber für Fachärzte der Orthopädie und Unfallchirurgie attraktiv bleiben. Ohne eine Kooperation der Disziplinen Unfallchirurgie und Orthopädie ist künftig weder eine Ausbildung von Fachärzten nach aktueller Weiterbildungsordnung noch eine moderne unfallchirurgische Versorgung möglich. Die enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit beider Fachdisziplinen, wie sie von der medizinischen Fachgesellschaft nachhaltig gefordert wird, ist längst nationaler und internationaler Standard und wird jetzt auch am Standort Brakel mit seinem überregional etablierten Schwerpunkt für Orthopädie realisiert.

Zusammenfassend sieht der Verwaltungsrat der KHWE die Zusammenführung der Abteilungen für Unfallchirurgie und Orthopädie als wichtigen Schritt zur Sicherung der Qualität der medizinischen Versorgung und der zukunftsorientierten Weiterentwicklung. Der Verwaltungsrat bekräftigt seine Entscheidung, dies am Standort Brakel zu realisieren und auszubauen.

Mit Besorgnis nimmt der Verwaltungsrat allerdings die derzeit aufgeheizte Diskussion um diesen notwendigen und aus den genannten Gründen sinnvollen Schritt wahr, die zurzeit nicht auf Grundlage rationaler Argumente geführt wird, sondern von Partikularinteressen geleitet zu sein scheint, die nicht im Interesse der Patienten und deren Vertrauen in die unbestreitbare Leistungsfähigkeit der KHWE liegen können. Der Verwaltungsrat appelliert daher an die Beteiligten, auf eine sachliche Grundlage zurückzukehren und dieses Vertrauen, das die Bevölkerung des Kreises Höxter den Einrichtungen der KHWE sowie der Qualität der medizinischen Versorgung entgegen bringt und entgegen bringen kann, nicht zu gefährden.

Für den Verwaltungsrat der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge gGmbH Marcel Giefers, Vorsitzender des Verwaltungsrates

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5233777?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198395%2F2516020%2F