Do., 10.08.2017

Stadt Warburg: Während der Kindergartenferien bestand keine akute Gefährdung Giftpilze im Kindergarten

Der Grüne Knollenblätterpilz geht eine Symbiose mit den Wurzeln von Laubbäumen, bevorzugt Eichen, ein. Bei feucht-warmem Wetter, wie es in den vergangenen Wochen herrschte, schießen die giftigen Fruchtkörper aus dem Boden

Der Grüne Knollenblätterpilz geht eine Symbiose mit den Wurzeln von Laubbäumen, bevorzugt Eichen, ein. Bei feucht-warmem Wetter, wie es in den vergangenen Wochen herrschte, schießen die giftigen Fruchtkörper aus dem Boden Foto: dpa

Von Ulrich Schlottmann

Ossendorf (WB). Auf dem Gelände des Kindergartens Ossendorf hat eine tödliche Gefahr gelauert: Unter einer mächtigen Eiche sind dort Grüne Knollenblätterpilze gewachsen, die als giftigste Pilze in Europa gelten. Schon der Verzehr eines halben Pilzes kann für ein Kind tödlich sein.

»Glücklicherweise haben wir momentan Kindergartenferien, so dass keine Kinder unmittelbar gefährdet waren«, zeigte sich der 1. Beigeordneter Klaus Braun gestern im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erleichtert. Nach seinen Worten will die Stadt alles tun, um auch künftig eine Gefährdung auszuschließen.

Einstweilen hat Braun tägliche Kontrollgänge angeordnet. Das Kindergartengelände ist in der derzeitigen Ferienzeit ohnehin abgesperrt, so dass Unbefugte keinen Zugang haben.

Erzieherin Susanne Kriwet entdeckt Pilze

Erzieherin Susanne Kriwet hatte die Pilze am vergangenen Montagmorgen bei einer routinemäßigen Inspizierung des Kindergartengeländes entdeckt. Die Gewächse, die unter einer Eiche aus dem Boden sprossen, kamen ihr so seltsam vor, dass sie in einem Pilzbestimmungsbuch nachschaute und auf dem Kontrollblatt den Verdacht äußerte, es könnte sich um Grüne Knollenblätterpilze handeln.

Um den Stamm dieser Eiche herum sind die Knollenblätterpilze gewachsen. Ulrich Klare (links) und Olaf Krane von der Stadt überlegen, wie das Problem nachhaltig gelöst werden könnte. Foto: Schlottmann

Klaus Braun schaltete daraufhin sofort die geprüfte Pilzsachverständige Nannette Sicke-Hemkes aus Nörde ein, die noch am Montagabend das Kindergartengelände aufsuchte und diesen Verdacht bestätigte.

Unter der Eiche entdeckte sie zahlreiche Grüne Knollenblätterpilze unterschiedlicher Ausprägung, die größten rund 15 Zentimeter hoch.

Der Grüne Knollenblätterpilz kommt nach ihren Angaben häufig besonders unter Eichen aber auch Buchen vor, weil er mit den Wurzeln der Bäume eine Symbiose eingeht. »Vor diesem Hintergrund macht es auch keinen Sinn, die Eiche einfach nur zu fällen, weil die verbliebenen Wurzeln ausreichen, um wieder Knollenblätterpilze hervorzurufen«, hat Klaus Braun in dem Gespräch mit der Pilzsachverständigen erfahren.

Feucht-warme Wetter hat Wachstum gefördert

Zu dem starken Auftreten der Pilze ist es nach den Worten von der Pilzsachverständigen gekommen, weil das feucht-warme Wetter der vergangenen Wochen das Pilzwachstum enorm gefördert hat.

Ob auf dem Ossendorfer Kindergartengelände schon in früheren Jahren Knollenblätterpilze aufgetreten sind, kann Nannette Sicke-Hemkes nicht sagen. »Die Pilze sind im Wurzelwerk angesiedelt, aber wenn das Wetter zu trocken oder zu kalt ist, werden keine überirdischen Fruchtkörper ausgebildet. Es muss also nicht sein, dass in jedem Jahr Pilze sichtbar werden«, erläutert die Expertin.

Nachhaltige Lösung soll gefunden werden

Ob über die täglichen Kontrollen hinaus Maßnahmen veranlasst werden müssen, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Auch Schulamtsleiter Olaf Krane und der stellvertretende Bauamtleiter Ulrich Klare waren auf dem Kindergartengelände, um sich vor Ort ein Bild zu machen und Maßnahmen für eine nachhaltige Lösung des Problems zu überlegen.

»Wir nehmen diesen Vorfall zudem zum Anlass, alle Kindergartenleitungen für das Problem von Giftpilzen zu sensibiliseren«, so Klaus Braun. So werde die Pilzsachverständige Nannette Sicke-Hemkes rechtzeitig vor Beginn des neues Kindergartenjahres mit dem Team um Leiterin Reinhild Klauke sprechen.

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