Sa., 12.08.2017

Stadt Warburg beschreitet mit Hilfe der Uni Würzburg neue Wege bei der Flüchtlingsintegration Ehrenamtliche werden Jobcoaches

In die Unterkunft an der Bahnhofstraße ziehen Mitte September die ersten Bewohner ein.

In die Unterkunft an der Bahnhofstraße ziehen Mitte September die ersten Bewohner ein. Foto: Ulrich Schlottmann

Von Ulrich Schlottmann

Warburg (WB). Anfang bis Mitte September sollen die ersten Flüchtlinge in die neue Unterkunft an der Bahnhofstraße umziehen. Das hat 1. Beigeordneter Klaus Braun jetzt bekanntgegeben.

Das langgezogene, zweistöckige Gebäude aus Betonfertigteilen ist bereits seit Anfang des Jahres bezugsfertig, steht aber seitdem leer. Die Stadtführung hatte zunächst entschieden, das neue Gebäude vorerst nicht zu nutzen, sondern als Reserve für den Fall eines Wiederanschwellens des Flüchtlingszustroms vorzuhalten.

Nur wenige Zuweisungen in 2017

Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus. In diesem Jahr sind der Stadt Warburg erst etwa 20 neue Flüchtlinge zugewiesen worden. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise Ende 2015 war das Zuweisung eines Tages.

Dass Warburg in den nächsten Monaten noch deutlich mehr Menschen unterzubringen haben wird als derzeit, ist nicht zu erwarten. »Wir haben unsere Aufnahmequote zu 92 Prozent erfüllt. Andere Kommunen liegen noch zwischen 60 und 70 Prozent«, berichtet der bei der Stadtverwaltung verantwortliche Sachbearbeiter Christian Lewin.

Bessere Lösung für Familien

Mit dem Teilbezug der neuen Unterkunft an der Bahnhofstraße will die Stadt vor allem Familien und Alleinerziehenden mit Kindern entgegenkommen. »Die Wege zu Kindergärten und Schulen, aber auch zu den Einkaufsmöglichkeiten sind von dort aus näher als von Dössel«, so Klaus Braun. Größere Familien könnten in dem Gebäude auch zwei Zimmer mit einer Verbindungstür beziehen.

Die neu geschaffenen Unterkünfte an der Kleebrede im Industriegebiet Oberer Hilgenstock und an der Bahnhofstraße bieten jeweils Platz für 180 Personen. Mit einer Belegung von 70 beziehungsweise demnächst 40 Personen sind dort noch erheblich Kapazitäten vorhanden.

Keine Flüchtlinge mehr in Bonenburg

Vor diesem Hintergrund ist in dieser Woche das Flüchtlingsheim in der ehemaligen Grundschule in Bonenburg aufgelöst worden. Der Mietvertrag für ein Wohnhaus am Haselbusch in Bonenburg ist ebenfalls gekündigt worden. Die Bewohner beider Einrichtung sind größtenteils an die Kleebrede umgezogen.

Zug um Zug will die Stadt auch weitere angemietete Unterkünfte kündigen und die dort wohnenden Menschen in den vorhandenen städtischen Unterkünfte unterbringen. Derzeit werden insgesamt elf Gebäude genutzt. Die größten Einrichtungen sind die ehemalige Kaserne in Dössel (180 Bewohner), die Unterkunft an der Kleebrede (70) und das Haus Maria (41).

Viele Asylanten suchen Wohnungen

Von den insgesamt 340 Flüchtlingen, die die Stadt Warburg derzeit beherbergt, haben 100 einen Status als anerkannte Asylanten. Sie haben damit die Berechtigung, sich eine eigene Wohnung zu nehmen. Wegen der zweijährigen Residenzpflicht muss diese Wohnung allerdings im Stadtgebiet Warburg liegen. »Wir helfen, wo wir können, bei der Wohnungssuche, aber der Markt gibt derzeit nicht viel her«, beschreibt Sozialarbeiterin Nora Wieners die schwierige Situation. Aber längst nicht alle der 100 Berechtigten wollen die städtischen Unterkünfte verlassen. »Einige Einzelpersonen haben sich entschieden zu bleiben, andere warten die erhoffte Familienzusammenführung ab«, berichtet Nora Wieners.

Neben der Wohnungsproblematik ist die Arbeitssuche derzeit das Hauptaufgabengebiet der städtischen Sozialarbeiterin. Erfolgreich ist nach den Worten von Nora Wieners eine Veranstaltung verlaufen, in der Mitarbeiter des Jobcenters Vertreter von zwölf Warburger Firmen bei einem Frühstück über die Bedingungen für die Beschäftigung von Flüchtlingen informiert haben. Die Firmenvertreter seien sehr interessiert gewesen und es seien auch konkret Arbeitsstellen und Praktika angeboten worden, so die städtische Mitarbeiterin.

Ehrenamtliche helfen bei der Jobsuche

Bei der Jobsuche sollen künftig auch die Ehrenamtlichen mit eingebunden werden. Die Stadt hat eine Studentenfirma der Universität Würzburg engagiert, die in den nächsten Wochen interessierte ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer als sogenannte Jobcoaches ausbilden wird. »Wir versprechen uns sehr viel von dieser Initiative, denn schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, wie wertvoll und unverzichtbar die Hilfe der Ehrenamtlichen ist«, sagt Klaus Braun.

Darüber hinaus wolle aber auch die Stadt weiterhin ihren Beitrag zu einer guten Integration leisten. So werde die Stelle der zweiten Sozialarbeiterin, die nach dem Weggang von Linda Hofheinz frei geworden ist, zum 1. September mit Alina Blömeke neu besetzt.

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