Di., 12.09.2017

Infotag und Ausstellung klären Besucher über den Wolf auf Jäger und Gejagter

Ulf Helming, Wolfsbeauftragter des Schafzuchtverbandes NRW, zeigte den Besuchern beim Informations- und Aktionstag des Waldinformationszentrums Hammerhof, wie sein australischer Hütehund »Chico« die Schafsherde zusammenhält.

Ulf Helming, Wolfsbeauftragter des Schafzuchtverbandes NRW, zeigte den Besuchern beim Informations- und Aktionstag des Waldinformationszentrums Hammerhof, wie sein australischer Hütehund »Chico« die Schafsherde zusammenhält. Foto: Michaela Weiße

Von Michaela Weiße

Warburg (WB). »Jeder hat noch Angst vor dem bösen Wolf«, sagte Stefan Wenzel, stellvertretender Nabu-Landesvorsitzender, bei der Begrüßung des Informations- und Aktionstages auf dem Hammerhof in Warburg-Scherfede. Ob und welche Gefahren durch die Rückkehr des Raubtieres in Deutschland wirklich ausgehen, darüber haben sich zahlreiche Besucher bei den Experten im Waldinformationszentrum erkundigt.

500 Wölfe leben derzeit in Deutschland

Jahrzehntelang hat der Mensch in Deutschland ohne das Wildtier Wolf gelebt – bis zu seiner Rückkehr vor 17 Jahren. Derzeit leben hier rund 500 Wölfe, berichtete Wenzel den Gästen in Scherfede. Auch in Nordrhein-Westfalen habe es in der Vergangenheit einige Stippvisiten des Wolfes gegeben – allein in diesem Jahr konnten bereits sieben nachgewiesen werden.

Daher diente der Aktionstag vor allem dazu, um über den Beutegreifer zu informieren und so die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken, erklärte Jan Preller, Leiter des Waldinformationszentrums Hammerhof. So waren einige Experten zu Gast, die Jung und Alt das Thema »Wolf« näher brachten.

Wolf steht unter Naturschutz

Einer von ihnen war Filmemacher und Buchautor Axel Gomille. Bei der Präsentation seines 30-minütigem Filmes »Rückkehr der Wölfe« erhielten die Zuschauer einen Einblick, dass der Wolf nicht nur Jäger, sondern auch Gejagter ist.

Obwohl Wölfe unter Naturschutz stehen, geraten sie dennoch des Öfteren in die Schusslinie. Wird ein Elterntier erschossen, dann könne es unter Umständen zur Ausrottung des gesamten Rudels führen, hieß es in der Dokumentation. Oft könne sich der Nachwuchs noch nicht selbst ernähren oder müsse aufgrund der mangelnden Jagderfahrung auf leichtere Beute, wie Schafsherden, ausweichen.

Beim Informationstag erfuhren die Besucher auch, dass sich Wölfe zu mehr als 90 Prozent von Rehen und anderen Wildtieren und nur zu einem kleinen Teil von Nutztieren wie Schafen ernähren.

Schafzuchtverband fordert finanziellen Ausgleich

Die widerstreitenden Interessen von Naturschützern und Landwirten sorgen jedoch immer wieder für Diskussionen. So war auch Ulf Helming, Wolfsbeauftragter des Schafzuchtverbandes NRW auf dem Hammerhof zu Gast. Mit seinem australischen Hütehund »Chico« präsentierte er, wie das Tier auf sein Kommando die Schafsherde zusammenhält.

»Chico« sei jedoch kein Herdenschutzhund, der die Tiere vor Angreifern, wie dem Wolf schützt, erklärte er. »Der Schafzuchtverband vertritt allgemein nicht die Meinung, dass der Wolf ausgerottet werden muss, aber er fordert einen finanziellen Ausgleich durch die Politik«, erklärt Ulf Helming.

Ein Schäfer müsse zum Schutz seiner Herde verschiedene Maßnahmen ergreifen, wie die Anschaffung eines höheren Zaunes. Diese Zusatzbelastungen gelte es auszugleichen.

Wanderausstellung bis Ende September im Hammerhof

Beim Informationstag auf dem Hammerhof wurde auch die vom Nabu NRW gemeinsam mit den NRW-Partnerzoos initiierte interaktive Wanderausstellung offiziell eröffnet. Bis Ende September können sich Interessierte im Hammerhof über Biologie und Verhalten freilebender Wölfe informieren.

Der Informationstag machte auch deutlich, dass der Wolf den Menschen meidet. Aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte kann festgestellt werden, dass Angriffe von gesunden freilebenden Wölfen auf Menschen in Deutschland nicht dokumentiert sind, heißt es seitens des Landesbetriebes Wald und Holz NRW.

Wichtig sei, dass man nicht vor dem Wolf wegläuft, sondern stehen bleibt oder sich langsam zurückzieht. Man könne das Wildtier auch vertreiben, indem man es laut anspricht oder in die Hände klatscht.

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