Mi., 13.09.2017

Stadt sucht nach Wegen, das Denkmal sichtbar zu erhalten Was wird aus der Holsterburg?

2016 war die Holsterburg für einen 3 D-Scan großflächig freigelegt worden. Ob sie so jemals wieder zu sehen sein wird, ist offen.

2016 war die Holsterburg für einen 3 D-Scan großflächig freigelegt worden. Ob sie so jemals wieder zu sehen sein wird, ist offen. Foto: LWL

Von Ulrich Schlottmann

Warburg (WB). Das Interesse an der Holsterburg ist auch im siebten und letzten Jahr der Ausgrabungstätigkeit ungebrochen groß. So haben mehr als 400 Besucher den Tag des offenen Denkmals genutzt, um sich zu informieren. Dabei stand auch die Frage im Raum, wie es nach dem Ende des Forschungsprojekts mit dem Bauwerk weitergeht.

Mehrere Jahrhunderte war die Ruine der Holsterburg nach ihrer Zerstörung im Jahr 1294 unter einem riesigen Erdhaufen verborgen – für niemanden sichtbar, aber so gut konserviert, dass nach mehr als 800 Jahren sogar der Fugenstrich an der aufwendigen Steinfassade noch sichtbar war. Wäre die Holsterburg künftig dauerhaft Wind und Wetter ausgesetzt, so wäre das Denkmal innerhalb weniger Jahre zerstört. Das soll aber auf keinen Fall passieren.

Bauwerk dauerhaft sichern

»Wenn unsere Forschungsarbeiten Ende dieses Jahres abgeschlossen sind, geht es für uns eigentlich nur noch darum, das Bauwerk dauerhaft zu sichern«, erklärt Dr. Hans-Werner Peine, Leiter des Referats Mittelalterarchäologie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Die Holsterburg würde dann mit reißfesten Planen abgedeckt und wieder unsichtbar unter einem Erdhaufen verschwinden, erläutert der Archäologe.

»Aus meiner persönlichen Sicht wäre das bei so einem herausragenden Bauwerk schade«, sagt Peine. Letztlich sei es aber Sache der Stadt Warburg zu entscheiden, wie es mit der seltenen Achteckburg weitergeht. »Bekommen wir in den nächsten Wochen das Signal, dass das Bauwerk ganz oder teilweise sichtbar erhalten werden soll, würden wir die Ruine wie in den Vorjahren nur winterfest abdecken«, so Peine.

Gutachten zeigt Möglichkeiten auf

Was getan werden muss, um die Holsterburg so zu konservieren, dass sie keinen Schaden nimmt, wenn die Mauern dauerhaft frei liegen, hat die Stadt bereits untersuchen lassen. Prof. Dr.-Ing. Erwin Schwing, Dekan der Fakultät für Architektur und Bauwesen der Technischen Hochschule in Karlsruhe, hat in den vergangenen Monaten ein Gutachten erstellt und darin Möglichkeiten der Sicherung und der Erlebbarmachung untersucht. Das Fazit ist: Möglich ist das, aber der finanzielle Aufwand ist erheblich.

Nach Angaben von Bürgermeister Michael Stickeln hat Prof. Schwing allein die Kosten für die erhaltende Sicherung und die Erlebbarmachung auf rund 180.000 Euro beziffert. Darin sind die Kosten für den Grunderwerb, eine Zuwegung, für Parkplätze, Erläuterungstafeln und anderes noch nicht erhalten. »Insgesamt würden die Kosten wohl weit mehr als 200.000 Euro betragen. Damit wären wir als Stadt überfordert«, sagt der Bürgermeister. Vor diesem Hintergrund hat er Prof. Schwing aufgefordert, ein »abgespecktes Konzept« für eine deutlich reduzierte Form der Erlebbarmachung zu erarbeiten.

Zwei archäologische Fenster

Wie Chef-Archäologe Hans-Werner Peine erläutert, wäre es denkbar, einen Blick auf die Holsterburg durch zwei sogenannte archäologische Fenster zu ermöglichen, und zwar einen auf einen Innenraum und einen weiteren auf die aufwändige Schmuckfassade. Der Rest der Holsterburg würde dann wieder abgedeckt und auf diese Weise konserviert. »Das wäre im Hinblick auf die Kosten ein denkbarer Kompromiss«, meint Peine.

Sobald das neue Gutachten von Prof. Schwing vorliegt, will Bürgermeister Michael Stickeln das Thema Holsterburg im Rat diskutieren lassen. Und er will sich auf die Suche nach Sponsoren machen, »denn so oder so werden wir dieses Vorhaben nicht allein stemmen können«, sagt Michael Stickeln. Diesen »archäologischen Schatz« zu zeigen und auch touristisch nutzen zu können, wäre aus seiner Sicht aber lohnenswert. »Es wäre wohl eine dauerhaft verpasste Chance, wenn wir die Erlebbarmachung nicht hinbekommen«, meint der Bürgermeister.

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