Di., 07.11.2017

Luftbildarchäologe zeigt Bilder aus dem Warburger Land Der Draufblick verrät mehr

Im Museum im Stern werden Fotos gezeigt, die der Luftbildarchäologe Dr. Baoquan Song (links) angefertigt hat. Rainer Mues vom Museumsverein und Dr. Hans-Werner Peine, Leiter der Mittelalterarchäologie beim LWL, haben in die Ausstellung eingeführt.

Im Museum im Stern werden Fotos gezeigt, die der Luftbildarchäologe Dr. Baoquan Song (links) angefertigt hat. Rainer Mues vom Museumsverein und Dr. Hans-Werner Peine, Leiter der Mittelalterarchäologie beim LWL, haben in die Ausstellung eingeführt. Foto: Ulrich Schlottmann

Von Ulrich Schlottmann

Warburg (WB). Warburg und das Warburger Land aus der Vogelperspektive sehen zu können – das übt eine große Anziehungskraft aus. So war die Eröffnung der Ausstellung »Von oben! Historische Städte und Orte im Luftbild« im Museum in Stern ausgesprochen gut besucht.

60 Luftbilder präsentiert

Gezeigt werden 60 Luftbilder, die der Luftbildarchäologe Dr. Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum bei Flügen mit seiner Cessna angefertigt hat. Neben der Kernstadt Warburg können auf den Fotos auch alle Ortsteile sowie der Desenberg und die Holsterburg aus der Vogelperspektive betrachtet werden.

Daneben werden Bilder aus dem weiteren Umland gezeigt, die zum Verständnis der Luftbildarchäologie dienen sollen.

Bauwerke dokumentiert

Nach den Worten von Dr. Hans-Werner Peine, Leiter der Mittelalterarchäologie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, sind die Fotos in den Jahren zwischen 2012 und 2017 im Rahmen der Erforschung der Holsterburg entstanden. Bei diesen Befliegung­en habe Dr. Baoquan Song auch sämtliche Ortslagen und zahlreiche Baudenkmäler neu beziehungsweise erneut dokumentiert.

»Im Fokus der Kamera standen Dörfer, Weiler, Hofstellen, Klöster, Burgen, Schlösser und Herrensitze sowie Schanzen und Warttürme – und nicht zuletzt die Stadt Warburg mit ihren vielfältigen Baudenkmälern«, so Dr. Peine. Viele der Bilder seien in das Werk »Denkmaltopografie der Bundesrepublik Deutschland« eingeflossen, deren erster Band zu Westfalen den Denkmälerbestand der Stadt Warburg vorstelle.

Luftbildarchäologie ist Thema

In die Thematik der Luftbildarchäologie führte Dr. Baoquan Song die Besucher der Ausstellungseröffnung ein. Der 56-jährige gebürtige Chinese, der seit 1982 in Deutschland lebt und am Institut Archäologische Wissenschaften der Ruhr-Universität Bochum lehrt, arbeitet seit 1992 weltweit als Luftbildarchäologe.

Forschungsprojekte haben ihn in seine chinesische Heimat sowie in den Iran, nach Georgien, Rumänien und Spanien geführt. Seit 2010 führt er Befliegungen auch im westfälischen Raum durch.

Fundstellen entdecken

Die Luftbildarchäologie ist nach den Worten von Dr. Song keine neue Wissenschaft. Schon seit mehr als 100 Jahren arbeiteten Archäologen mit dieser Methode. Heute gehöre sie zu den wichtigsten Möglichkeiten der Erkundung und Dokumentierung von Boden- und Baudenkmälern.

Aus der Vogelperspektive ließen sich zuvor unerkannte, im Gelände nicht ohne weiteres ablesbare Fundstellen feststellen. Auch die Dimension von Bodendenkmälern könnten nur aus der Luft erfasst werden.

Hinweise auf ein Denkmal

Bewuchsmerkmale sind nach den Worten von Dr. Song die häufigsten und markantesten Hinweise auf verborgene Bodendenkmale. Wo vor Jahrhunderten einmal ein Gebäude stand oder ein Graben gezogen wurde, wachsen die Pflanzen noch heute anders. Bodeneingriffe verändern die Aufnahme von Wasser oder Nährstoffen durch die Pflanzen, was sich im Vergleich zur Umgebung auf deren Wachstum und damit die Pflanzengröße auswirkt.

Da diese Unterschiede häufig nur minimal und nicht über die gesamte Vegetationsperiode sichtbar sind, ist es notwendig, entsprechende Erkundungsflüge zu verschiedenen Jahreszeiten durchzuführen. Insbesondere nach leichtem Schneefall steigt der Luftbildarchäologe in seine Maschine, weil sich dann Konturen besonders gut abzeichnen.

Langhaus aus der Steinzeit

In den letzten drei Jahren wurden nach den Worten von Dr. Song im Arbeitsgebiet der Ruhruniversität Bochum durch die Luftbildarchäologie mehr als 150 neue Fundstellen entdeckt.

Dazu gehören Erdwerke, Ringwallanlagen, Siedlungsplätze, Militäranlagen, Gräberfelder, Landwehren, Straßen und andere Infrastrukturen, Ackerbauspuren und Burgruinen, die sich zeitlich über fast alle Epochen der Ur- und Frühgeschichte vom Neolithikum bis zum Mittelalter erstrecken. Dazu gehören auch Spuren eines 2015 von Dr. Song entdeckten rund 7000 Jahre alten jungsteinzeitlichen Langhauses östlich des Desenberges.

Öffnungszeiten der Ausstellung

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 3. Dezember. Das Museum ist täglich außer montags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen sind Sonderöffnungszeiten möglich.

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