Mi., 08.02.2017

Mordkommission nimmt Schuss aus kurzer Entfernung an Wer schießt auf ein Kind?

Vor diesem Haus wurde das Kind angeschossen.

Vor diesem Haus wurde das Kind angeschossen. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen  (WB). Es war am Sonntag das dritte Mal in den zurückliegenden Monaten, dass in Bad Salzuflen mit einem Luftgewehr oder einer Luftpistole auf einen Menschen geschossen wurde. Ob die Fälle zusammenhängen, weiß die Polizei noch nicht.

Bad Salzuflen-Schötmar, Am Alten Teich 5. Ein Kreuz aus Neon-Sprühfarbe markiert jene Stelle an der Straßenkante, an der am späten Sonntagabend der dreijährige Ashti von einer Luftgewehrkugel in die Brust getroffen wurde und schrie.

Die syrische Familie, nach eigenen Angaben anerkannte Asylbewerber, die in Krefeld leben, war zu Besuch bei Freunden in der Kurstadt, als die Tat vor deren Haus geschah – einem gepflegten Sechsfamilienhaus, in dem deutsche und ausländische Familien wohnen.

Nachdem die Polizei über die Ärzte von der Tat erfahren hatte, überprüfte sie, ob die Angaben der Familie zum Tatablauf stimmten. Theoretisch hätten ja auch Verwandte oder Bekannte den Jungen durch unsachgemäßes Hantieren mit einer Waffe verletzen können. Diese Möglichkeit schlossen die Polizisten jedoch nach Vernehmung der Zeugen und einer Durchsuchung der Wohnung aus.

Polizei: »Keine Verbindung zwischen Täter und Familie«

Oberstaatsanwalt Vetter: »Wir gehen davon aus, dass das Kind von einem Unbekannten angeschossen wurde und es keine Verbindung zwischen dem Täter und der syrischen Familie gibt.« Der Junge sei wohl ein Zufallsopfer gewesen. Zwar sei der Staatsschutz eingeschaltet worden, doch sei im Moment kein fremdenfeindliches Motiv erkennbar, sagte Vetter. Wo der Schütze gestanden habe, wisse man noch nicht. Die Nachbarhäuser ermöglichen kaum Sicht auf den Tatort. Aber auf der anderen Straßenseite liegt ein großer Supermarkt, dessen Parkplatz von dichtem Gebüsch umgeben ist. Hat der Täter hier Schutz gesucht? Die Mordkommission nimmt jedenfalls an, dass der Schuss aus kurzer Entfernung abgegeben wurde, da das vergleichsweise kleine Projektil, ein sogenanntes Diabolo, durch die Kleidung des Kindes hindurchgegangen war.

Die Polizei ist bei ihren Ermittlungen auf zwei andere Fälle gestoßen, in denen in den vergangenen Monaten in Bad Salzuflen mit einer Luftdruckwaffe auf Menschen geschossen worden war, aber es gibt keine Parallelen. Die Taten passierten in anderen Stadtteilen, die Opfer waren Erwachsene, und die Schüsse wurden tagsüber abgegeben.

Ashtis Eltern fuhren am Dienstag zum Klinikum nach Herford, um ihren Sohn abzuholen. Die Wunde in seiner Brust sei nicht tief gewesen, hieß es.

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