Do., 09.11.2017

Zuliefermesse in OWL – Digitalisierung soll Fachkräftemangel lindern Aufschwung im Maschinenbau

Horst Richter vom Steinhagener Maschinenbauer und Zulieferer R+R zeigt auf der Messe FMB in Bad Salzuflen ein Getriebegehäuse für Schienenfahrzeuge.

Horst Richter vom Steinhagener Maschinenbauer und Zulieferer R+R zeigt auf der Messe FMB in Bad Salzuflen ein Getriebegehäuse für Schienenfahrzeuge. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Bad Salzuflen (WB). Die Maschinenbauer in NRW profitieren nach Jahren der Stagnation vom Konjunkturboom. Dementsprechend gut ist die Stimmung bei der dreitägigen Zuliefermesse FMB in Bad Salzuflen, die am Mittwoch begonnen hat. Als größtes Problem der Branche gilt nun der Fachkräftemangel. Ein Stück weit soll diese Herausforderung mit Hilfe der Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 – gelöst werden.

Der Branchenverband VDMA erwartet in NRW für die 850 Mitgliedsbetriebe mit 200.000 Beschäftigten ein Umsatzplus in diesem Jahr von gut zwei Prozent auf rund 42,7 Milliarden Euro. Das wäre zwar noch immer unter dem Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 bis 2009, als 44 Milliarden erwirtschaftet wurden. »Wir hoffen aber, dass die Belebung der vergangenen Monate in einen stabilen Wachstumstrend übergeht«, sagt VDMA-NRW-Geschäftsführer Hans-Jürgen Alt.

»Eine Reindustrialisierung ist nicht ohne Produktionstechnik aus Deutschland zu machen«

Im September habe es erstmals auch bei Inlandsaufträgen wieder ein kräftiges Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben. Bis dahin hatte vor allem ein Auftragsboom aus China und Osteuropa sowie Nordamerika das Wachstum getragen. Selbst vor einer Abschottungspolitik der USA unter Trump ist Alt nicht bange: »Eine Reindustrialisierung ist nicht ohne Produktionstechnik aus Deutschland zu machen.«

Das größte Hemmnis sei inzwischen der Fachkräftemangel, sagt Alt. Das Problem wird auch in den zwei ausgebuchten Messehallen sichtbar: An vielen der 553 Ausstellerständen gibt es neben der Präsentation der Produkte Hinweise auf freie Stellen. So auch beim Steinhagener Maschinenbauer R+R. Die drei Unternehmen der Gruppe – darunter Texmato Tec in Espelkamp – fertigen mit 110 Mitarbeitern Sondermaschinen sowie Präzisionsbauteile aus Stahl. Einen Prestigeauftrag hat R+R von Volkswagen erhalten: Für den Autobauer werden komplette Roboterschweißanlagen für die Fertigung von Abgasanlagen hergestellt, die die neuen, strengeren Abgasnormen erfüllen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fertigung von Teilen für Schienenfahrzeuge.

Fachkräfte dringend gesucht

»Wir suchen händeringend Mitarbeiter«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Horst Richter. Auch aus Personalnot hätten viele Anlagenhersteller ihre Teilefertigung an R+R abgegeben.

Dem Fachkräftemangel soll zum Teil auch mit digitalen Lösungen aus OWL begegnet werden: So stellen die Fraunhofer-Institute Paderborn und Lemgo am Stand des Spitzennetzwerks »It’s OWL« intelligente Assistenzsysteme zur Unterstützung bei Fertigung und Montage vor. Mit Datenbrillen oder Tablets werden Beschäftigte schrittweise angeleitet. So könnten auch anders qualifizierte Mitarbeiter eingebunden werden. Die Systeme sollen auch bei wachsender Variantenvielfalt helfen.

»Treiber der Digitalisierung ist aber vor allem die Kundenseite«, sagt Alt. Teilweise gehe damit bei den Maschinenbauern aber auch die unter dem Begriff Industrie 4.0 geprägte Digitalisierung der eigenen Fertigung einher. Auch dafür gibt es Beispiele bei der Fachmesse, zu der 6800 Fachbesucher erwartet werden.

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