Mi., 15.07.2015

Früherer Beamter soll illegal Waffe besitzen – Beschuldigter spricht von »Racheaktion« SEK durchsucht Wohnung von Ex-Polizisten

Tim K., Sohn eines Polizisten, hatte das Auswahlverfahren fürs Spezialeinsatzkommando bestanden, wurde dann aber nicht weiter bei der Spezialeinheit ausgebildet.

Tim K., Sohn eines Polizisten, hatte das Auswahlverfahren fürs Spezialeinsatzkommando bestanden, wurde dann aber nicht weiter bei der Spezialeinheit ausgebildet.

Von Christian Althoff

Detmold (WB). SEK-Beamte haben die Wohnung des früheren Polizisten Tim K. (40) in Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe) durchsucht.

Gegen den Mann, der 2013 unter anderem wegen Verstrickungen ins Rotlichtmilieu aus dem Beamtenverhältnis entlassen wurde, ermittelt   das Bielefelder Kommissariat für Organisierte Kriminalität. Es habe den Hinweis gegeben, dass Tim K. Mitglied des Rockerclubs »Brothers MC« sei und eine scharfe Waffe besitze, hieß es.

Bei dem Einsatz am Mittwoch vergangener Woche soll das Spezialeinsatzkommando zunächst eine falsche Wohnung in dem Mehrfamilienhaus gestürmt haben. Dort sollen die Polizisten einen unbeteiligten Mann (53) überwältigt und gefesselt haben. Tim K. soll das mitbekommen haben. Eine  Waffe wurde bei der späteren Durchsuchung seiner Wohnung nicht gefunden. Die Polizei wollte sich gestern zu der mutmaßlichen Panne nicht äußern.  

Tim K. sagte dem WESTFALEN-BLATT, die Durchsuchung sei »eine Racheaktion« gewesen, weil er in seinem gerade erschienenen Buch »Vergeltung« Vorwürfe gegen die Bielefelder Polizei erhebe. Die Kripo habe in einem Mordfall  nicht gegen den wahren Täter ermittelt, weil der ein Polizeispitzel gewesen sei. Stattdessen habe sie einen Unschuldigen vor Gericht gebracht.

Tim K. meint den Mord an  Karsten G. (28) aus Petershagen. Der  wurde 2005 mit zwei Kopfschüssen hingerichtet und in einem Weserseitenkanal versenkt. Nach Ermittlungen der Kripo war Karsten G. Kopf einer Einbrecherbande und soll mit seinen Komplizen in Streit geraten sein. Daraufhin soll ihn das Bandenmitglied Carsten B. aus Bad Oeynhausen umgebracht haben. Zu diesem Schluss kam auch das Landgericht Bielefeld, das Carsten B. 2009 zu lebenslanger Haft verurteilte und eine besonders schwere Schuld feststellte.

Das Gericht stützte sich  fast ausschließlich auf Angaben, die Carsten B., als er eine Haftstrafe wegen Einbruchs absaß, gegenüber einem Mithäftling gemacht haben soll. Er soll dem Mithäftling den Mord gestanden haben – obwohl der Mithäftling als »Zinker« bekannt war. Carsten B. streitet den Mord bis heute ab. Tim K. behauptet nun, der wahre Mörder sei ein Hells Angel aus Bielefeld gewesen, der zu der Einbrecherbande gehört habe. Da der aber ein Spitzel des Kommissariats für Organisierte Kriminalität gewesen sei, habe die Mordkommission nicht gegen ihn ermittelt. »Das hat mein früherer Anwalt aus Polizeikreisen erfahren«, behauptet Tim K.

»Das ist völliger Blödsinn«, sagte dagegen am Dienstag ein Kriminalbeamter, der 2005 in der Mordkommission arbeitete. Der damalige Anwalt von Tim K. ist inzwischen tot (Suizid), und auch  der Hells Angel  lebt nicht mehr. Er starb an Krebs. 2011 hatte er gegen Tim K. geklagt und erreicht, dass dieser ihn in seinem ersten Buch (»Treibjagd«) nicht mehr als Polizeispitzel bezeichnen darf.

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