Di., 07.11.2017

Mann sitzt für Tat in Lemgo seit 24 Jahren – Gericht lehnt Freilassung auf Bewährung ab Doppelmörder bleibt in Haft

Symbolfoto.

Symbolfoto. Foto: dpa

Lemgo (WB/ca). Ein Mann, der vor 24 Jahren in Lemgo (Kreis Lippe) zwei Menschen erschossen hat, muss weiter im Gefängnis bleiben. Das hat die zuständige Strafvollstreckungskammer entschieden.

Cengiz A. war 36 Jahre alt, als er im Dezember 1993 wegen zweifachen Mordes vom Landgericht Detmold zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Das Gericht ging davon aus, dass er sich an einem türkischen Paar hatte rächen wollen, das ihn möglicherweise bei einem Drogengeschäft um 4700 Mark und zwei Kilogramm Heroin gebracht hatte. Cengiz A. lockte zunächst den Mann (20) zum Lemgoer Sportplatz Westalm und erschoss ihn dort. Anschließend brachte er die Frau (27) mit sechs Schüssen um.

Nächster Antrag frühestens in zwei Jahren

Das Gericht verhängte nicht nur lebenslange Haft, es stellte auch eine besonders schwere Schuld fest. Deshalb konnte Cengiz A. nicht schon nach 15 Jahren zum ersten Mal beantragen, vorzeitig auf Bewährung freizukommen. Er saß anfangs in Bielefeld im Gefängnis und verbüßt seine Strafe jetzt in Niedersachsen.

Seinen jetzigen Antrag lehnte die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Göttingen ab, weil der Mann sich nach ihrer Auffassung trotz 24 Jahren Haft nicht gebessert haben soll und er weiter als gefährlich eingeschätzt wird. Das Gericht legte fest, dass er den nächsten Antrag frühestens in zwei Jahren stellen kann.

Keine NSU-Beteiligung festgestellt

Cengiz A. hatte übrigens im Verdacht gestanden, noch einen dritten Mord begangen zu haben. Seit Sommer 1992 war ein Türke spurlos verschwunden. 1994 gab Cengiz A., während er im Gefängnis saß, der Polizei einen Hinweis auf einen Wald zwischen den Lemgoer Ortsteilen Matorf und Entrup. Tatsächlich wurde in der Tannenschonung die Leiche des vermissten Türken entdeckt. Er war erschossen worden. Die Tat konnte aber weder Cengiz A. noch einem anderen Türken, der ebenfalls unter Verdacht stand, nachgewiesen werden. Sie wurde nie aufgeklärt.

Als der rechtsterroristische Nationalsozialistische Untergrund (NSU) aufflog, wurde die Akten des ungeklärten Mordes noch einmal aus dem Keller der Staatsanwaltschaft geholt. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz Bielefeld prüfte den Fall mit Blick auf eine mögliche Beteiligung des NSU. Die wurde aber nicht festgestellt.

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