Sa., 05.08.2017

WESTFALEN-BLATT stellt Rundwanderweg durch Schlangen, Oesterholz und Kohlstädt vor Spuren der ereignisreichen Geschichte

So sieht das Bürgerhaus Schlangen heute aus. Es ist am 12. September 1990 eröffnet worden.

So sieht das Bürgerhaus Schlangen heute aus. Es ist am 12. September 1990 eröffnet worden. Foto: Uwe Hellberg

Von Uwe Hellberg

Schlangen (WB). »Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen«, hat der erst kürzlich verstorbene Altkanzler Dr. Helmut Kohl einmal gesagt. Die Gemeinde Schlangen hat eine ereignisreiche Geschichte. Diese auch künftigen Generationen verständlich zu machen, ist eines der Ziele des geschichtlichen Rundwanderweges.

Die Geschichtsstationen

Das WESTFALEN-BLATT stellt in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Ortsgeschichte Schlangen in loser Folge den einzigartigen geschichtlichen Rundwanderweg in der Gemeinde vor. Er umfasst mittlerweile 40 Stationen und erstreckt sich auf alle Ortsteile: Schlangen, Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt. Die Geschichtsstationen erinnern an altes Brauchtum, historische Ereignisse und Bauten.

Die Zahl der Geschichtsstationen ist inzwischen auf 40 angestiegen. »Das freut uns natürlich sehr«, sagt Reinhard Peukert, Vorsitzender des Fördervereins Ortsgeschichte Schlangen. Der Verein ist zuständig für Pflege, Unterhaltung und Betreuung von Besuchern. Die Projektleitung und inhaltliche Weiterentwicklung hatte bis zu seinem Tod Ortshistoriker Heinz Wiemann übernommen.

In Zusammenarbeit mit dem Förderverein möchte diese Zeitung ihren Lesern die Geschichtsstationen in einer Serie vorstellen und auf den geschichtlichen Reichtum in allen drei Ortsteilen – Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck – hinweisen. Wann gab es die ersten Spuren Schlänger Geschichte? Zwischen 1015 und 1036 schenkte die Nonne Oda ihre Erbgüter »in villis ac marca Colstidi, Astanholte atque in Lanchel«, also in den Dörfern und in der Gemarkung Kohlstädt, Oesterholz und Schlangen, dem Bischof Meinwerk in Paderborn. In der Lebensbeschreibung des Bischofs wird die Schenkung festgehalten und damit auf die Existenz der Dörfer Kohlstädt, Oesterholz und Schlangen schriftlich hingewiesen.

Oesterholz wurde erstmals um 850 erwähnt

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Oesterholz stammt aus der Zeit um 850. Nach dem Ergebnis neuer Forschungen ist eine Verbindung des in dem gleichen Dokument genannten »Lengi« mit dem Ortsnamen Schlangen nicht auszuschließen. Das Gebiet Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz ist als Siedlungsraum noch älter als die alten schriftlichen Zeugnisse.

Im Jahr 1970 wurden die drei Dörfer zu der Gemeinde Schlangen zusammengeschlossen. Im Jahr 2015 feierte die Gemeinde Schlangen – unter anderem auch mit den Lipper Tagen – ihr 1000-jähriges Bestehen.

Das Bürgerhaus

Die erste Station des geschichtlichen Rundwanderweges ist das Bürgerhaus. Im Jahr 1974 findet in Schlangen eine Dorfgemeinschaftswoche mit vielfältigen Veranstaltungen statt. Dabei entsteht der Bau einer Dorfgemeinschaftshalle.

Um die Gemeinde bei der Umsetzung ideell und materiell zu unterstützen, wird bereits im Dezember 1974 ein »Förderverein Dorfgemeinschaftshalle« gegründet. Aber erst 13 Jahre später, also 1987, beschließt der Rat der Gemeinde Schlangen, ein Bürgerhaus auf dem Gelände des ehemaligen Kolonats Fischer zu errichten. Dieses war im Jahr 1889 abgebrannt, im selben Jahr war dort ein Bruchsteinbau mit Fachwerk im Innenbereich errichtet worden. Dieser Bau soll in das geplante Bürgerhaus einbezogen werden.

Am 12. September 1990 ist es soweit: Das Bürgerhaus wird seiner Bestimmung übergeben. Der Saal ist mit einer Bühne ausgestattet, durch mobile Trennwände können kleinere Räumlichkeiten geschaffen werden. Im umgebauten Haus Fischer wird ein Kaminzimmer eingerichtet.

Joseph Krautwald aus Rheine entwirft Bronzeskulptur

Vor dem Bürgerhaus wird eine Bronzeskulptur errichtet, die der Bildhauer Joseph Krautwald aus Rheine geschaffen hat. Sie zeigt Kinder beim Ziegen Hüten. Am 14. September 1990 wird die Skulptur feierlich enthüllt.

Im Jahr 1993 wird die »Heimat­stube« des Heimat- und Verkehrsvereins Schlangen im Obergeschoss des Hauses Fischer eröffnet. Ein Dachboden ist dem musealen Bereich hinzugefügt worden. In den Jahren 1996 und 2004 werden Erweiterungen des Dorfmuseums vorgenommen. Schützenverein und Sportschützen können auch eine Schießbahn in dem Gebäude nutzen.

Erster Leiter des Dorfmuseums war Willi Hanselle, der im Jahr 2016 verstarb. Er begann 1992 damit, Exponate zu sammeln. Seit 1993 zeigte und erklärte er diese interessierten Besuchern. Unterstützt wurde er durch seine Ehefrau Marie Hanselle und weitere Heimatfreunde. Im Jahr 2002 zog sich das Ehepaar Hanselle aus der Leitung der Museum zurück. Heute leitet Joachim Burchart das Dorfmuseum im Bürgerhaus.

 

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