Mi., 09.08.2017

Teil 2 der Serie zu den Schlänger Geschichtsstationen In Kohlstädt entstand Kohle

Um 1930 haben hier Männer einen Kohlenmeiler in der Umgebung Kohlstädts gebaut.

Um 1930 haben hier Männer einen Kohlenmeiler in der Umgebung Kohlstädts gebaut. Foto: Förderverein Ortsgeschichte Schlangen

Von Sonja Möller

Schlangen (WB). Das Wappen der Gemeinde Kohlstädt zeigt neben der lippischen Rose einen Buchenbaum und zwei Kohlenmeiler, die auf die Holzverkohlung in der Geschichte des Dorfes hinweisen. Damit beschäftigt sich die Geschichtsstation Nummer 14 vom Förderverein Ortsgeschichte Schlangen.

Die Geschichtsstationen

Das WESTFALEN-BLATT stellt in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Ortsgeschichte Schlangen in loser Folge den einzigartigen geschichtlichen Rundwanderweg in der Gemeinde vor. Er umfasst mittlerweile 40 Stationen und erstreckt sich auf alle Ortsteile: Schlangen, Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt. Die Geschichtsstationen erinnern an altes Brauchtum, historische Ereignisse und Bauten.

Lokalhistoriker Heinz Wiemann war vor seinem Tod für die redaktionelle Gestaltung der Geschichtstafeln zuständig. Folgendes hat er über die Holzverkohlung im Schlänger Ortsteil herausgefunden: Kohlstädt verdankt seinen Namen dem Kohlen. 1365 wird den Eisenschmieden im Bereich des »Hagens to Kohlstede« das »kolen eder kolen laten« gestattet.

Am besten geeignet für das Kohlen ist Wiemanns Recherchen zufolge das Buchenholz. Die Laubholzstempel hatten etwa eine Länge von einem Meter und einen Durchmesser von 12 bis 15 Zentimeter. Sie wurden um einen durch drei Stangen gebildeten Schacht herum senkrecht zusammengestellt.

Laubholzstempel mussten dicht nebeneinander stehen

Wichtig war nach Angaben des Lokalhistorikers dabei, dass sie möglichst dicht nebeneinander und in zwei Stockwerken standen. So entstand ein Kegelstumpf, der mit einer Haube aus dünnen Holzscheiden überkleidet wurde. »Der Köhler bedeckt dann den Holzaufbau mit Laub oder Grassoden. Abschließend wird eine Erdschicht aufgebracht und geglättet«, heißt es in den Recherchen des Lokalhistorikers.

Glimmende Holzkohlen und leicht brennbares Kleinholz sowie eine begrenzte Luftzufuhr lösten dann den Schwelbrand im Meiler aus. Allmählich wanderte dabei das Feuer von oben nach unten und von innen in Richtung Außenwand. Mit Hilfe von Zug- und Rauchlöchern regulierte der Köhler am Meiler das Verkohlen des Holzes.

Köhler lebte in einer Hütte aus Ästen und Reisig

Nachts musste er den Meiler allerdings nicht überwachen. Für die Zeit des Kohlenbrennens lebte der Köhler direkt neben den Meilern. Eine Köhlerhütte aus Ästen, Reisig, Laub und Grassoden war währenddessen seine Unterkunft. Nach zwölf bis 14 Tagen war der Meiler fertig: Aus einem Raummeter Buchenholz waren dann durchschnittlich zwei Zentner Holzkohle geworden.

Vor allem das Aufkommen der Steinkohle bedeutete aber auch für die Kohlenmeiler in der Umgebung Kohlstädts das Ende. Die letzten rauchten bis in die Anfänge der Dreißiger Jahre.

Bereits erschienen:

Teil 1: Das Bürgerhaus

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