Mi., 23.08.2017

Serie: Zahlreiche Schlänger verdingten sich als Saisonarbeiter in der Fremde Als das Wandern harte Arbeit war

70 Torfarbeiter aus Schlangen und Haustenbeck waren im 19. Jahrhundert am Smilde-Kanal in Holland beschäftigt.

70 Torfarbeiter aus Schlangen und Haustenbeck waren im 19. Jahrhundert am Smilde-Kanal in Holland beschäftigt. Foto: Förderverein Ortsgeschichte

Schlangen (WB/per). Das Leben im 19. Jahrhundert war für viele Menschen alles andere als ein Zuckerschlecken. Erst recht nicht, wenn man sich wie zahlreiche Schlänger in dieser Zeit als Wanderarbeiter verdingt hatte. Denn das bedeutete körperlich äußerst harte Arbeit fern der Heimat.

Schlänger Geschichtsstationen

Das WESTFALEN-BLATT stellt seinen Lesern in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Ortsgeschichte Schlangen in loser Folge den einzigartigen geschichtlichen Rundwanderweg in der Gemeinde vor. Er umfasst mittlerweile 40 Stationen und erstreckt sich auf alle Ortsteile: Schlangen, Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt. Die Geschichtsstationen erinnern an altes Brauchtum, historische Ereignisse und Bauten.

Vor allem zum Torfstechen und Ziegeln zog es zwischen Ende des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts Männer aus der kleinen lippischen Gemeinde in die Niederlande, nach Friesland, ins Münsterland und das Ruhrgebiet. Und während sie ihr Glück in der Fremde suchten, mussten sich die daheim gebliebenen Frauen und Alten um die Kinder und den Hof kümmern. Im Jahr 1910 verzeichnet das Gemeindeamt 286 Schlänger Ziegler und 96 Maurer, die ihr Geld als Wanderarbeiter verdienten.

Bei Wikipedia ist folgendes über die Lippischen Wanderarbeiter vermerkt: Die Wanderarbeit war im verarmten Fürstentum Lippe schon im 17. Jahrhundert weit verbreitet. Die Wanderarbeiter begaben sich im Sommer nach Friesland und Holland, um sich als Grasmäher und Torfstecher zu verdingen. Am Ende des 17. Jahrhunderts spezialisierten sich immer mehr der Saisonarbeiter auf Arbeiten in Ziegeleien und erwarben für ihre Tätigkeiten Anerkennung.

Armut in der Heimat

1865 stellten sie schon 10.000 Ziegler. Die Mehrheit der männlichen arbeitsfähigen Bevölkerung des Fürstentums begab sich zu Ostern unter Aufsicht eines Brandmeisters zur »Kampagne«, welche witterungsbedingt spätestens im November ihr Ende fand.

Im 19. Jahrhundert leisteten in der Hauptsache die Migranten aus Lippe die Arbeit in den Ziegeleien in Nordwestdeutschland, in den Niederlanden und in Dänemark.

Geschuldet war die Massenwanderung der Armut in der Heimat. Die Industrialisierung hatte kein besonderes Interesse an dem Fürstentum, dessen landwirtschaftlich geprägter Arbeitsmarkt die steigende Zahl von Landlosen nicht mehr aufnehmen konnte. Der von der Industrialisierung ausgelöste Boom im Baugewerbe um 1870 wurde somit für viele Lipper zur Haupterwerbsquelle.

Täglich 16 Stunden Arbeit im Akkord

Das »Ziegelgehen« war mühsam. Die Saisonarbeiter arbeiteten täglich 16 Stunden und im Akkord. Die sparsamen Ziegler lebten in bescheidenen Unterkünften und verpflegten sich selbst. In der spärlichen Freizeit fertigten sie meist Gebrauchsgegenstände wie Fußwärmer an, welche sie im Winter zurück im Dorf verkauften.

Im Zuge von Rationalisierung und Mechanisierung um 1900 kam es zur drastischen Einsparung an der körperlich anstrengenden Arbeit, so dass die ehemalige Haupterwerbsquelle versiegte.

Bereits erschienen:

Teil 1: Das Bürgerhaus

Teil 2: Kohlenmeiler Kohlstädt

Teil 3: Das einstige Bauernhaus der Familie Heuwinkel

 

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