Fr., 29.09.2017

Geschichtsstation erinnert an historische Bewässerungstechnik Flößen von Grünland hatte Tradition

Nach der Schneeschmelze begann das Flößen der Wiesen. Zuvor wurden die Ränder mit dem Wiesenbeil gerade gehauen.

Nach der Schneeschmelze begann das Flößen der Wiesen. Zuvor wurden die Ränder mit dem Wiesenbeil gerade gehauen. Foto: Förderverein Ortsgeschichte

Schlangen (WB/som). Das Flößen von Wiesen hat eine jahrhundertealte Tradition, die auch in Schlangen praktiziert wurde. Daran erinnert die Geschichtsstation Nummer 9, die an der Straße »Im Grünen Winkel« in Schlangen zu finden ist.

Das Flößen ist ein heute nicht mehr praktiziertes Verfahren der Bewässerung im Zusammenhang mit der Grünlandnutzung. Drei Bewässerungssysteme wurden dabei angewandt: die Hangbewässerung im Bergland, das Grabenstausystem mit einem Netz von Gräben und die Rückenbewässerung.

Serie zu Geschichtsstationen

Die SCHLÄNGER ZEITUNG stellt ihren Lesern in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Ortsgeschichte in loser Folge den einzigartigen geschichtlichen Rundwanderweg in der Gemeinde vor. Er umfasst mittlerweile 40 Stationen und erstreckt sich auf alle Ortsteile: Schlangen, Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt. Die Geschichtsstationen erinnern an altes Brauchtum, historische Ereignisse und Bauten.

In Schlangen wurde im größten Teil der Wiesen die Rückenbewässerung angewendet. So zum Beispiel in der Pastorenwiese. Künstlich angelegte, parallel verlaufende Erdrücken hatten eine Breite von 15 bis 20 Metern. Darauf waren Zuleitungsgräben ausgehoben worden. Deren Wasser floss an beiden Seiten über die Ränder, bewässerte so die Rückenflächen und wurde in Abzugsgräben zwischen den Rücken zurückgeführt.

Das Flößwasser hierfür lieferten die Strothe und der Schlänger Bach. Es war mit Näherstoffen aus bewaldeten Bergen angereichert. Stauwerke sorgten dafür, dass das Wasser der Bäche in die Gräben und von dort auf die Wiesenflächen gelangte. Neben der düngenden Wirkung des Flößens hatte die Bewässerung im zeitigen Frühling eine Bodenerwärmung zur Folge. Dies beschleunigte das Pflanzenwachstum.

Das Flößen begann nach der Schneeschmelze

Das Flößen begann nach der Schneeschmelze. Erst wurden die Ränder der Flößgräben mit dem Wiesenbeil wieder gerade gehauen. Mit der Wiesenschüppe wurde dann alles aus den Gräben entfernt, was dort nicht hinein gehörte.

Das Aufstauen der Bäche und das Flößen des jeweiligen Wiesenbesitzes wurde durch Flößrechte geregelt. Verstöße kamen vor und sind zum Teil in Gerichtsprotokollen dokumentiert.

Der Einsatz von Mineraldünger und der Zwang zur Rationalisierung in der Landwirtschaft führte zum Ende der Flößtechnik. Dies war in Schlangen um Mitte der Sechziger Jahre zu verzeichnen. 1964 haben nur noch einige Bauern in der Gemeinde ihre Wiesen geflößt. Von dieser Tradition sind bis auf den heutigen Tag nur noch Reste ehemaliger Bewässerungsanlagen übrig geblieben.

Bereits erschienen

Teil 1: Das Bürgerhaus

Teil 2: Kohlenmeiler Kohlstädt

Teil 3: Heimathaus Oesterholz

Teil 4: Lippische Wanderarbeiter

Teil 5: Eisteiche der Brauerei

 

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