Do., 21.01.2016

Schauspieler Ben Becker liest beim Neujahrsempfang des Herz- und Diabeteszentrums im Theater im Park Er macht dem Publikum eine Szene

Der Schauspieler Ben Becker entspricht nicht dem gängigen Klischee eines »Traumschwiegersohnes«. Zwischen den Balladen und Texten, die er launig vorträgt, wendet er sich immer wieder mit klaren Worten ans Publikum: »Ich weiß, dass ich manchmal recht frech bin und dass das nicht jedem gefällt – aber so bin ich nun mal.«

Der Schauspieler Ben Becker entspricht nicht dem gängigen Klischee eines »Traumschwiegersohnes«. Zwischen den Balladen und Texten, die er launig vorträgt, wendet er sich immer wieder mit klaren Worten ans Publikum: »Ich weiß, dass ich manchmal recht frech bin und dass das nicht jedem gefällt – aber so bin ich nun mal.« Foto: Malte Samtenschnieder

Von Malte Samtenschnieder

Bad Oeynhausen (WB). Wenn man dem Schauspieler Ben Becker eins nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnde Authentizität. Mit seinem ganz eigenen Charme hat der 51-Jährige am Mittwochabend 500 Zuschauer im Theater im Park in seinen Bann gezogen. Die Lesung war Teil des Neujahrsempfangs des Herz- und Diabeteszentrums NRW.

Während seiner rund 90-minütigen Lesung – eigentlich sollte Ben Becker nur eine Stunde vortragen  – konnte der Mime auf einen ebenbürtigen Partner bauen: Bei der Interpretation der Höhepunkte aus seinem Programm »Der ewige Brunnen« stand ihm sein langjähriger Freund und musikalischer Wegbegleiter Yoyo Röhm als virtuoser, improvisationsfreudiger Pianist zur Seite. Großer Absprachen bedurfte es zwischen den kongenialen Partnern nicht. Meist reichten kleine Gesten wie ein Fingerzeig oder eine gehobene Augenbraue, um das musikalisch-literarische Geschehen voranzutreiben.

Auffällig war von der ersten bis zur letzten Silbe, dass Ben Becker seine gesamte Gestik und Mimik in den Dienst des sprachlichen Ausdrucks stellte. Dabei saß jedes Wort. Kurze Klavierkaskaden unterstrichen das perfekte Timing. Als unvermutetes Objekt der Begierde entpuppte sich Ben Beckers Mikrofon. Mal säuselte und seufzte er sanft hinein, dann wieder brüllte und schrie er ungestüm drauf los – meist jedoch unschuldig hinter dem mitgebrachten Küchentisch hockend,  machte er dem aufhorchenden Publikum genüsslich eine Szene nach der anderen.

Jenseits von »Erlkönig« und »Zauberlehrling« fand Ben Becker zwischen den von ihm hoch geschätzten Gedichten und Balladen auch immer wieder klare Worte. So mussten sich die Gastgeber des Herz- und Diabeteszentrums NRW etwa  einige mehr oder weniger rüpelhafte Spitzen gegen die eigene Zunft anhören. »Goethe und Schiller hatten zu ihrer Zeit auch Spaß –  das ist so, als wenn sie heute zwischendurch einen Blinddarm herausnehmen«, rief der Mime zum Beispiel den im Publikum versammelten Herzchirurgen zu.

Dass er manchmal ganz schön ätzen kann, ist Ben Becker auch selbst bewusst. »Ich weiß, dass ich oft frech bin und dass das nicht jedem liegt.« Und mit dieser Einsicht schloss sich der Kreis. Denn gerade für seine  Authentizität wird Ben Becker von einem breiten Publikum geschätzt. So überraschte es auch nicht, dass er die vorgesehene Auftrittszeit – angetrieben vom Applaus des Publikums – um eine halbe Stunde überzog. So ist er halt, der Ben Becker.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Bad Oeynhausener Donnerstagsausgabe des WESTFALEN-BLATTS.

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