Do., 22.09.2016

Als genetischer Zwilling spendet Daniel Gebke (19) Knochenmark Hilfe für ein Baby in den USA

Daniel Gebke (19) ist in einer Kölner Klinik Knochenmark entnommen worden. Mit dieser Spende hilft der Bad Oeynhausener einem etwa sechs Monate alten Mädchen in den USA, das an Blutkrebs erkrankt ist.

Daniel Gebke (19) ist in einer Kölner Klinik Knochenmark entnommen worden. Mit dieser Spende hilft der Bad Oeynhausener einem etwa sechs Monate alten Mädchen in den USA, das an Blutkrebs erkrankt ist. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Sie sind genetische Zwillinge, werden sich vermutlich aber nie kennenlernen: Mit seiner Knochenmarkspende hilft Daniel Gebke (19) aus Bad Oeynhausen einem an Blutkrebs erkrankten Baby. Seit kurzem weiß er, dass das etwa sechs Monate alte Mädchen in den USA behandelt wird.

»Ich freue mich riesig. Es ist ein tolles Gefühl. Ich würde jedem helfen, aber ein so junges Mädchen macht die Spende für mich besonders«, sagt Daniel Gebke.

2014 lernte er die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) während seines Bundesfreiwilligendienstes in einem Altenzentrum in Bad Oeynhausen kennen. Dort bot die DKMS ein Seminar zum Thema Blutkrebs und Knochenmarkspende an. Die anschließende Registrierung fand in Rehme statt. Blut wurde ihm dort noch nicht abgenommen, stattdessen gab es einen Wangenabstrich. »Das bereitet überhaupt keine Schmerzen. Man bekommt zwei Stäbchen, die man durch den Mund führt«, sagt Daniel Gebke. Anschließend wird in Laboren geprüft, welcher Spender potenziell zu einem Blutkrebspatienten aufgrund bestimmter Merkmale passt.

Anruf aus Tübingen

Einige Zeit hörte Daniel Gebke, der derzeit ein Berufsgrundschuljahr in Minden absolviert, nichts von der DKMS – bis zum Juli. »Ich bekam einen Anruf aus Tübingen. Sie sagten, sie hätten jemanden gefunden. Und sie fragten, ob ich spenden möchte. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt auch aussteigen können. Aber das wollte ich natürlich nicht«, sagt er. Im nächsten Schritt, der Feintypisierung, musste nun geprüft werden, ob er tatsächlich als genetischer Zwilling in Frage kommt. Dazu ließ sich Daniel Gebke bei seinem Hausarzt Blut abnehmen. Eine anschließende Untersuchung im Labor ergab, dass er weiterhin als Spender in Frage kommt.

Wie selten eine Überstimmung mit dem genetischen Zwilling ist, verdeutlicht Klaus Ludwiczak von der DKMS-Pressestelle in Köln: »Letztlich müssen 13.000 Gewebemerkmale beim Spender und Empfänger übereinstimmen. Diese Merkmale entsprechen dem genetischen Code eines Menschen.« Für die Eltern des Babys in den USA müsse die Überstimmung ein »Sechser im Lotto sein«, sagt Rudolf Gesener. Der Lebensgefährte von Daniel Gebkes Mutter begleitete ihn bei der Entnahme des Knochenmarks.

Zur Voruntersuchung nach Köln

Diese fand jüngst in der Kölner Media Park Klinik statt. Dort war im Juli auch die Voruntersuchung, bei der Daniel Gebkes Gesundheitszustand vor der Entnahme geprüft wurde: mit EKG, Ultraschall, einer allgemeinen Blut- und Urinuntersuchung. Aus dem Beckenkamm entnahm ein Arzt dann am Montag das Knochenmark. Die Stammzellen erhält nun das Baby in den USA. »Damit bekommt das Mädchen etwas vom gesunden Spender-Immunsystems übertragen«, sagt Klaus Ludwiczak. Sollte es in den kommenden fünf Jahren nicht zu einem Rückfall kommen, gilt das Mädchen als geheilt.

Sein Knochenmark darf Daniel Gebke übrigens auch in Zukunft spenden, jeweils nach einer zweijährigen Ruhezeit. »Wenn dann der Anruf von der DKMS kommt, werde ich wieder dabei sein«, sagt der 19-Jährige.

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