Do., 24.11.2016

Alte Schokoladenfabrik: Ausstellung »Palimpsest« zum Thema Vertreibung beginnt Kunst mit der Taschenlampe erkunden

Zu der Ausstellung »Palimpsest«, die heute in der Alten Schokoladenfabrik beginnt, laden (von rechts) Ausstellungsmacherin Katja Rosenberg, Meik Hummert, Leiter des Posaunenchors CVJM Eidinghausen, Fotograf Dieter Obermeyer, die Ausstellungshelfer Caroline Obermeyer und Patrick Götting, Tanja Bökamp von »Bökamp Architekten« sowie René Haeseler vom Kulturunternehmen Quisisana ein. Die Kunstwerke behandeln das Thema Vertreibung.

Zu der Ausstellung »Palimpsest«, die heute in der Alten Schokoladenfabrik beginnt, laden (von rechts) Ausstellungsmacherin Katja Rosenberg, Meik Hummert, Leiter des Posaunenchors CVJM Eidinghausen, Fotograf Dieter Obermeyer, die Ausstellungshelfer Caroline Obermeyer und Patrick Götting, Tanja Bökamp von »Bökamp Architekten« sowie René Haeseler vom Kulturunternehmen Quisisana ein. Die Kunstwerke behandeln das Thema Vertreibung. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen(WB). Flucht und Vertreibung, dargestellt in Kunst: Die Alte Schokoladenfabrik bietet vor dem geplanten Umbau noch einmal Platz für eine Ausstellung. Diese beginnt am Donnerstag unter dem Titel »Palimpsest«.

Besucher sollten während des Rundgangs auch Taschenlampen mitbringen, vor allem, wenn es dunkel wird in der Alten Schokoladenfabrik. »Die Ausstellung ist auch ein wenig eine kleine Entdeckungsreise durch dieses Gebäude mit seinen zerbrochenen Fen­stern und verwinkelten Räumen«, sagt Katja Rosenberg (42).

Die Kuratorin hat die Ausstellung organisiert, stammt aus Bad Oeynhausen und lebt seit 1998 in London. Dort hat sie Kunst unter anderem in die City Hall, das moderne Rathaus der Metropole, gebracht.

Kunst ohne große Barrieren

Gemeinsam mit Henning Bökamp, Architekt und Inhaber der Alten Schokoladenfabrik Lammert, besuchte sie bis zum Abitur 1993 das Immanuel-Kant-Gymnasium. Vor etwa zwei Monaten kam sie zurück in die Heimatstadt und traf Henning Bökamp wieder. Gemeinsam entwickelten sie die Idee für eine Ausstellung inmitten der Alten Schokoladenfabrik mit ihrer Anmutung einer seit Jahrzehnten verlassenen Industrie-Ruine.

»Wir waren sofort Feuer und Flamme, hier Kunst ohne große Barrieren für Besucher zu organisieren. Wir mussten aber schnell handeln, weil das Gebäude ja bald umgebaut werden soll«, sagt Katja Rosenberg.

Sie nahm Kontakt zu 60, zum Teil internationalen, Künstlern auf. Diese erklärten sich sofort bereit, zum Thema Vertreibung Kunst zu kreieren. Einige von ihnen leben in London und werden auch ab heute in Bad Oeynhausen dabei sein. Über dieses Engagement freut sich Katja Rosenberg besonders: »Sie alle haben etwas Kreatives beisteuert.«

A-cappella-Gruppe »female affairs« tritt auf

Die Ausstellung will auf unterschiedliche Weise verdeutlichen, welche Spuren das Leben an verschiedenen Stellen hinterlässt – und dass sie keineswegs immer verschwinden. Das spiegelt sich auch in »Palimpsest«, dem Namen der Ausstellung wider.

René Haeseler vom Kulturunternehmen Quisisana kennt die Bedeutung: »Palimpsests sind Pergamente, die im Mittelalter mehrfach beschriftet wurden. Weil dieses Papier in jener Zeit sehr kostbar war, wurden alte Schriften bei Bedarf einfach wieder abgekratzt und das Pergament neu beschriftet.«

An der Ausstellung sind auch heimische Künstler aus verschiedenen Bereichen beteiligt. So treten am Sonntag die A-cappella-Gruppe »female affairs« sowie Mitglieder der Tanzschule Witte auf. Auf die Geschichte Bad Oeynhausens geht Stadtführer Christian Barnbeck ein, die Alte Schokoladenfabrik stellt Henning Bökamp den Besuchern vor.

Zudem gibt der Theaterjugendclub »sockIT« eine Vorstellung, und der CVJM-Posaunenchor Eidinghausen, unter der Leitung von Meik Hummert, spielt bekannte Melodien.

Alle Kunstwerke stehen zum Verkauf

Wie Fotografien einerseits modern, andererseits auf historische Weise angefertigt werden, zeigen zwei Aktionen. Dieter Obermeyer ist mit seiner Fotobox vor Ort. Dort können Besucher Fotos anfertigen lassen, die sie später über einen QR-Code auf ihr Handy laden können.

Eine Fotowand zum Thema Kinderschokolade wird hier aufgebaut. Zudem wird die Nassplatten-Fotografie von 1850 gezeigt: Mit UV-Licht, das durch eine Linse auf eine mit Silber beschichtete Platte strahlt, wird beispielsweise die Alte Schokoladenfabrik dargestellt.

Alle Kunstwerke sind verkäuflich. Aus dem gesamten Erlös fließt ein Drittel in Stadtführungen, an denen besonders auch Bürger mit Migrationsbiografie teilnehmen dürfen.

Die Ausstellung ist an folgenden Tagen geöffnet: Donnerstag bis Samstag, 24. bis 26. November, jeweils von 12 bis 24 Uhr, sowie Sonntag, 27. November, von 11 bis 20 Uhr.

Weitere Informationen, darunter ein Ausstellungsprospekt als PDF, gibt es im Internet .

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