Do., 01.06.2017

Wasserbeschaffungsverband ruft im Unteren Werretal zu sparsamem Umgang auf Bei der Hitze wird das Trinkwasser knapp

Hoffen, dass es im Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen zu keinen Trinkwasserengpässen kommt (von links): Stefan Wiese, Bernd Poggemöller und Andreas Schwarze.

Hoffen, dass es im Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen zu keinen Trinkwasserengpässen kommt (von links): Stefan Wiese, Bernd Poggemöller und Andreas Schwarze. Foto: Malte Samtenschnieder

Von Malte Samtenschnieder

Bad Oeynhausen/Löhne  (WB). In Bad Oeynhausen, Löhne, Hüllhorst und Hille droht ein Trinkwasserengpass. Deshalb ist die Bevölkerung in den genannten Kommunen zu einem sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen. Das Wässern von Rasen und Pflanzen sowie das Befüllen von Pools oder dergleichen sollten derzeit unterbleiben.

Zu wenig Niederschlag – zu hoher Wasserverbrauch

»Wir befinden uns in einer ganz außergewöhnlichen Situation«, sagte Bernd Poggemöller am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Löhner Rathaus. In seiner Funktion als Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Am Wiehen erläuterte der Löhner Bürgermeister, dass trotz Zukäufen von den Stadtwerken Minden und vom Wasserbeschaffungsverband Herford-West nicht ausgeschlossen werden könne, dass der Druck im Trinkwassernetz vorübergehend stark absinke und im Extremfall auch einmal gar kein Wasser aus dem Hahn komme.

»Unsere Mitglieder werden aus dem Wasserwerk in Südhemmern versorgt«, erklärte Stefan Wiese. Er ist technischer Betriebsführer des WBV Am Wiehen. Das Wasserwerk werde aus 21 eigenen Entnahmebrunnen in Hille gespeist. Wegen geringer Niederschlagsmengen seit Jahresbeginn sei die Grundwasserausbeute geringer als sonst. Deshalb werde Wasser zugekauft. Derzeit sei der Wasserstand im Hochbehälter Bergkirchen, aus dem auch der Nordbereich von Bad Oeynhausen und ganz Löhne versorgt werden, dennoch auf einem historischen Tief.

»Normal ist ein Wasserstand von fünf Metern. Heute Vormittag waren es nur noch 1,7 Meter«, sagte Stefan Wiese am Mittwoch. Zu diesem Tiefststand hätten Rekordentnahmemengen während der Hitze in den vergangenen Tagen geführt. Der Betriebsführer nannte ein Beispiel: »Am Sonntag wurden dem Netz 17.800 Kubikmeter Wasser entnommen. Normal ist eine Entnahmemenge von 14.000 bis 14.500 Kubikmetern pro Tag.«

Bad Oeynhausen verbraucht mehr Wasser als prognostiziert

Den Verantwortlichen des WBV Am Wiehen bereitet am meisten Sorgen, dass die Stadt Bad Oeynhausen langfristig mehr Wasser benötigt als prognostiziert.

Laut Andreas Schwarze, Vorstand der Stadtwerke Bad Oeynhausen, liegt der Bedarf der Kurstadt im Jahr 2017 bei etwa 2,9 Millionen Kubikmetern Trinkwasser. Etwa ein Drittel könne im Wasserwerk in Rehme gewonnen werden. Für die Restmenge von etwa zwei Millionen Kubikmetern sei Bad Oeynhausen auf den WBV Am Wiehen angewiesen. Andreas Schwarze: »Dort stehen uns aber laut Vorberechnungen des WBV Am Wiehen nur etwa 1,7 Millionen Kubikmeter zur Verfügung.«

Für die Fehlmenge von etwa 300.000 Kubikmetern nannte Andreas Schwarze verschiedene Ursachen. Zum einen sei Trinkwassersparen für viele Verbraucher ein Fremdwort. Zum anderen würden immer mehr Haushalte – nach dem Stilllegen eigener Brunnen – an das Leitungsnetz angeschlossen. Daraus resultiere der insgesamt steigende Verbrauch.

»Wir können in Rehme nicht noch mehr Trinkwasser fördern«, sagte Andreas Schwarze. Hier sei nicht nur ebenfalls der Grundwasserspiegel zu niedrig. Gleiches gelte für den Pegel der Weser. Der Stadtwerkevorstand: »Normalerweise gewinnen wir 40 Prozent des Trinkwassers aus Uferfiltrat.«

Wasserzukäufe aus Minden und Herford reichen nicht aus

»Wir sind dankbar, dass wir aus Minden und Herford Unterstützung erhalten, um Engpässe zu vermeiden«, betonte Bernd Poggemöller. Doch auch dabei gebe es Grenzen. So sei es nicht möglich, die benötigen Fehlmengen schnell genug aus Minden in das Netz des WBV Am Wiehen zu pumpen. Ganz andere Probleme gebe es in der Kooperation mit dem WBV Herford-West. Bernd Poggemöller: »Hier könnten wir einen Großteil der Fehlmenge beziehen, dafür gibt es derzeit aber nicht die ausreichenden Wasserrechte.«

Die Aufsichtsbehörden der Kreise Minden-Lübbecke und Herford seien über die Sachlage informiert. »Auch Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl hat mir telefonisch ihre Unterstützung zugesagt«, betonte Bernd Poggemöller am Mittwoch.

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