Mi., 19.10.2016

Gestringer Ärztin wird ein Jahr lang im Central Hospital in Malawi arbeiten Sara Loetz rettet Leben in Afrika

Sara Loetz ist in den vergangenen Jahren häufiger in Afrika gewesen – wie hier in Burkina Faso. Nun wird die Gestringerin für ein Jahr im Queen Elizabeth Central Hospital in Malawi arbeiten, um den Kindern dort zu helfen.

Sara Loetz ist in den vergangenen Jahren häufiger in Afrika gewesen – wie hier in Burkina Faso. Nun wird die Gestringerin für ein Jahr im Queen Elizabeth Central Hospital in Malawi arbeiten, um den Kindern dort zu helfen.

Von Felix Quebbemann

Espelkamp/Liverpool/Blantyre (WB). Malawi ist weit weg – um genau zu sein ist der Staat im Südosten Afrikas mehr als 12 100 Kilometer entfernt von Espelkamp. Und dort wird die Gestringerin Sara Loetz ein Jahr verbringen – als Ärztin im Queen Elizabeth Central Hospital in Blantyre.

Derzeit ist die 31-Jährige in Liverpool. »Ich mache ein dreimonatiges Aufbaustudium in Tropenmedizin und Public Health.« Dies sei notwendig als Vorbereitung auf die Zeit in Malawi.

Kranken Kindern helfen

Es hört sich wie ein großes Abenteuer an. Ja – vielleicht sogar wie das Abenteuer ihres Lebens. Doch Sara Loetz geht nicht nur aus Liebe zum afrikanischen Kontinent nach Malawi. Sie will dort den Menschen helfen. »Ich werde als Stationsärztin auf den neun verschiedenen Stationen der Kinderklinik arbeiten und dort nur die krankesten Kinder sehen, da es nicht annähernd genug Personal gibt, dass jedes aufgenommene Kind von einem Arzt untersucht wird. Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, möglichst viele Kinder wieder gesund zu machen. Sie sterben oft an gut behandelbaren Erkrankungen. Es gilt schnell zu handeln und die richtige Therapie zu finden, um Komplikationen zu verhindern«, sagt die 31-Jährige, die im Jahr 2005 ihr Abitur am Söderblom-Gymnasium gebaut hat.

Es ist schwer vorstellbar, was Sara Loetz in Malawi erwartet. »Die Umstände werden sehr schlecht sein. Mehrere Kinder liegen oft in einem Bett. Die Eltern kümmern sich um Essen. Täglich sterben ein bis zwei Kinder, darunter viele Neugeborene.«

Tropenerkrankungen

Während in Deutschland Röntgen und Ultraschall selbstverständlich bei Untersuchungen sind, fehlt es daran in Malawi. »Oftmals werden wir nicht herausfinden können was los ist, weil Röntgen, Labor und Ultraschall nicht immer verfügbar sind. Blutergebnisse kommen oft mit Tagen Verspätung.«

Auch die therapeutischen Möglichkeiten seien häufig sehr begrenzt. Mit wichtigen, ja lebensrettenden Entscheidungen wird die 31-jährige Gestringerin täglich konfrontiert werden. Viele Krankheitsbilder treten in Deutschland nur selten in Erscheinung. In Afrika aber gebe es sehr viele Tropenerkrankungen. »Malaria, HIV – zwölf Prozent der Bevölkerung sind daran erkrankt – und Tuberkulose«, weiß Sara Loetz. Im Kindesalter verliefen diese Krankheiten oft sehr drastisch – »vor allem wenn nicht rechtzeitig gut behandelt wird«.

Große Herausforderung

Dies ist eine große Herausforderung, der sich Sara Loetz stellt. Sie liebt den afrikanischen Kontinent. Direkt nach dem Abitur hat sie einen Abstecher nach Ghana gemacht. Dort hat sie Englisch-Unterricht gegeben in einer Dorfschule. Die Faszination Afrika ließ sie daraufhin nicht mehr los. »Diese Eindrücke haben mich geprägt«, sagt sie.

Der Zufall sollte sie in Richtung Malawi lotsen. Sie lernte die ehemalige Chefärztin des Queen Elizabeth Hospitals kennen. »Eine sehr inspirierende Frau, die ihr Herz am rechten Fleck hat. Eine sehr gute Ärztin, die auch einige Studien macht, um mit Zahlen, Daten und Fakten auf die Missstände hinweisen zu können.«

Sara Loetz ist Ärztin aus Leidenschaft. »Der Beruf ist großartig.« Sie liebt den Umgang mit den Kindern und den Eltern. Es sei ein großartiges Gefühl, »wenn ein schwerkrankes Kind wieder gesund die Station verlässt und man weiß, dass man dazu beigetragen hat. Was gibt es Tolleres? Außerdem reizt mich die Schnittstelle zwischen sozialem und naturwissenschaftlichem«. Ende 2017 will sie wahrscheinlich ihre Facharztprüfung zur Kinderärztin machen.

Crowdfunding-Aktion

Doch vorher steht Malawi auf dem Plan. War sie zuvor Assistenzärztin in der Kinderklinik Ludwigsburg bei Stuttgart hat sie für ihr Afrika-Abenteuer unbezahlten Urlaub genommen. Um ihren Traum überhaupt verwirklichen zu können, hat sie eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. Und die ist schon auf reges Interesse gestoßen. »Es ist sehr berührend zu sehen, wie viele Menschen mich unterstützen. Ein tolles Gefühl zu wissen, dass die Arbeit wertgeschätzt wird. Aber es wäre großartig, noch etwas mehr Geld zusammen zu bekommen, weil ich mich ja wirklich komplett selbst finanzieren muss«, sagt Loetz.

Über den Link https://www.leetchi.com/c/doc-in-malawi können alle Interessierten Sara Loetz bei ihrer Afrika-Mission unterstützen. Weitere Informationen erhalten Interessierte auch über E-mail: Sara.Loetz@posteo.de.

Zukunftspläne

Nach dem Aufenthalt in Malawi soll es im Leben von Sara Loetz nicht langweilig werden. Zunächst plant sie, ihre Facharztweiterbildung zuende zu bringen. »Und dann werde ich mal schauen. Vielleicht gehe ich zu Ärzte ohne Grenzen«, sagt sie. Sara Loetz hat auch einen Blog im Internet eingerichtet, in dem sie immer aktuell von ihren Aufenthalten in Liverpool und Malawi berichtet:

https://docinmalawi.wordpress.com

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