Mi., 13.09.2017

Paul Gauselmann über traumatische Erfahrungen – Biografie von Barbara Dickmann Schattenseiten einer steilen Karriere

Buchautorin Barbara Dickmann und Paul Gauselmann.

Buchautorin Barbara Dickmann und Paul Gauselmann. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Espelkamp (WB). Strahlend hat Paul Gauselmann am Wochenende die Ovationen anlässlich des 60. Firmenjubiläums entgegengenommen . Ein Glückspilz, mit 83 Jahren immer noch auf der Sonnenseite des Lebens. Wenn irgendjemand daran gedacht haben sollte, dass es auch Schattenseiten geben muss, dann vermutlich im Zusammenhang mit dem Thema Spielsucht – ein Vorwurf, der immer im Zusammenhang mit dem Unternehmen aus Espelkamp genannt wird, nie mit Lotto oder den staatlichen Spielcasinos.

Die dunklen Seiten der Kindheit

Dass auch Gauselmann selbst in seinem Leben durch dunkle Zeiten gehen musste, kann man in der jetzt erschienenen Biografie »Der Spielmacher« von Barbara Dickmann lesen. Die Mutter und das Baby, das sie im Leib trug, starben, da war der kleine Gauselmann erst zwei. Vier Brüder blieben beim Vater. Der Kleinste kam zu einer Tante, die so wenig Liebe zu geben hatte, dass Gauselmann noch heute sagt, man hätte ihr besser keine Kinder anvertraut.

Die Erfahrung von Krieg und materieller Not teilte Gauselmann mit vielen Zeitgenossen. Immerhin nahm er aus der Kindheit den festen Willen mit, nie von anderen abhängig zu sein. Dafür war er bereit, sich mit aller Kraft in seinem Unternehmen zu engagieren. Zu viel aus Sicht der ersten Ehefrau und Mutter der

So kennt man ihn: Paul Gauselmann, der Spielemacher, erfolgreiche Unternehmer und Milliardär. Foto: Oliver Schwabe

älteren drei Kinder, die sich das Leben nahm. Die Beschreibung der inneren Qualen und Schuldgefühle, die dies bei dem Ehemann und Vater auslöste, gehört zu den beeindruckendsten Kapitel in der Biografie.

»Meine Grenzen rücken näher«

Ansonsten dreht sich natürlich viel um das Unternehmen, die Branche, den Verband. Viel um die Widerstände und zunehmenden Einschränkungen, um die Ermittlungen und die Verfahren, die fast alle im Sand verliefen. Der Patriarch musste immer kämpfen – nicht nur für sich, sondern auch für die mittlerweile 12.000 Beschäftigten und für die Kunden, die sich im Normalfall, so sieht es Paul Gauselmann, nur für ein paar Groschen amüsieren wollen. So ein Kampf kostet Kraft.

Auf Frage Dickmanns, die ab 1979 als erste Frau die ARD-Tagesthemen moderiert hat, ob er so weitermachen wolle, sagt der Patriarch: »Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Grenzen näher rücken. Und die sind nicht mehr so weit weg. Ich habe mir vorgenommen, weniger zu arbeiten.« Ein ganz neues Ziel, das sich der ostwestfälische Unternehmer da setzt. Ob er es umsetzen kann – man wird sehen.

 

  • »Paul Gauselmann: Der Spielemacher« – die Biographie, ­erzählt von Barbara Dickmann, 284 Seiten, Econ-Verlag Berlin, 25 Euro.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5147223?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198399%2F2516048%2F