Mi., 07.12.2016

Eileen L. wird immer noch gestalkt – ihr Ex-Freund muss wegen illegaler Datenbeschaffung 3200 Euro zahlen Verurteilt – aber der Terror geht weiter

Stalking-Opfer Eileen L. und Lebensgefährte Allan C.: Er wird seit Monaten auf Flugblättern verächtlich gemacht.

Stalking-Opfer Eileen L. und Lebensgefährte Allan C.: Er wird seit Monaten auf Flugblättern verächtlich gemacht. Foto: Christian Althoff

Von Tilo Sommer

Lübbecke (WB). Eileen L. aus Lübbecke wird seit zweieinhalb Jahren gestalkt. Zerstochene Autoreifen, Bauschaum im Briefkasten und Drohanrufe sind nur Auszüge davon, was sie beinahe täglich erleiden muss. Dafür verantwortlich soll ihr Ex-Freund Jens N. sein, für dessen Verurteilung der entscheidende Beweis fehlt. Vor dem Landgericht Bielefeld wurde er am Dienstag zumindest wegen illegaler Datenbeschaffung belangt. Ein Ende der psychischen Folter ist für die junge Frau aber nicht in Sicht.

Der Angeklagte, der als Finanzbeamter arbeitet, hatte sich in zwei Fällen illegal die Telefonnummer seiner Ex-Freundin besorgt. In einem Fall der Datenbeschaffung wurde Jens N. zu 3200 Euro Strafe verurteilt. Zudem muss er die Gerichtskosten übernehmen. Zuvor liefen beim Amtsgericht Lübbecke in diesem Fall bereits etliche Ermittlungsverfahren. Sie wurden eingestellt. Der Antrag von Eileen L., eine Einstweilige Anordnung zu erwirken, die Jens N. jede Annäherung verbieten würde, wurde abgelehnt. Nur eben in den Fällen der illegalen Datenbeschaffung wurde er zu 5600 Euro Strafe verurteilt.

Jens N. legte zunächst Berufung ein, weshalb der Fall vors Landgericht Bielefeld zog. Dort hatte er am 15. November zugegeben, sich die Telefonnummer beschafft zu haben. Im zweiten Fall, in der es um die Datenbeschaffung im März 2015 geht, hat die Verteidigung die Berufung zurückgezogen. Damit folgte sie dem Rat des Vorsitzenden Richters Wolfgang Lerch, der das Jens N. schon im November geraten hatte.

Nach der Verurteilung vor dem Landgericht Bielefeld könnte auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld ihre eingestellten Ermittlungen wieder aufnehmen. Dass es aber wirklich zu neuen Anklagen kommt, ist zweifelhaft. Denn nach wie vor fehlt der Beweis, dass sich hinter dem Stalker tatsächlich Jens N. verbirgt. Er hatte sich Alibis besorgt. »Es deutet schon verdammt viel daraufhin, dass Sie dabei ihre Finger im Spiel hatten«, sagte Richter Lerch in Richtung des Angeklagten und sprach danach in die Runde: »Es wäre im Interesse aller Beteiligten, wenn Ruhe einkehren könnte.«

Daran kann Eileen L. nicht glauben. Nur einen Tag nach der Verhandlung im November tauchten erneut Flugblätter auf, auf denen ihr Lebensgefährte Allan C. obszön abgebildet ist. Ihr Stalker werde dreister, selbst der Name des einjährigen Sohnes taucht auf den Plakaten auf. Auch mit dem Auto würde er ihr nachstellen, drängelt und fährt immer wieder dicht auf.

Vorerst werden sie und ihr Lebensgefährte sich und die Kinder selbst schützen müssen. Und das vor einem Mann, der in der Vergangenheit nach gleichem Muster Frauen bedrängte. Einen anderen Prozess vor dem Verwaltungsgericht Minden hatte Jens N., der auch Jäger ist, verloren und musste seine Waffen abgeben. Sein früherer Chef, der damalige Leiter des Lübbecker Finanzamts hatte ihn als »gefährlich und unberechenbar« beschrieben.

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