Do., 12.01.2017

Nach dem tödlicher Bahnunfall in Lübbecke ist die Ursache weiter unklar Trauer nach dem tödlichen Bahnunfall

Die neuen Andreaskreuze stehen bereits in einer Box vor dem Bahnübergang.

Die neuen Andreaskreuze stehen bereits in einer Box vor dem Bahnübergang. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Lübbecke (WB). Nach dem tödlichen Unfall am Bahnübergang Maschweg ist die Anteilnahme groß. Eine 63-jährige Autofahrerin aus Preußisch Oldendorf war am Mittwoch beim Zusammenstoß mit einer Eurobahn ums Leben gekommen.

Der Unfall hat die Geschichte des Bahnübergangs aus Sicht der Stadt um ein trauriges Kapitel erweitert: »Seit fast 16 Jahren drängen Politik und Verwaltung in Lübbecke darauf, diesen Bahnübergang abzusichern«, erklärte Bürgermeister Frank Haberbosch am Donnerstag.

Weil die Stadt an der Kreisstraße 62 kein Baulastträger ist, hätte man aber nur immer wieder darauf hinweisen können, dass Schranken unbedingt erforderlich seien. »Die besondere Tragik, dass ausgerechnet jetzt, nachdem die Bauarbeiten endlich angefangen haben, ein weiterer tödlicher Unfall passiert ist, ist schwer zu ertragen«, sagte der Bürgermeister.

Er betonte, dass jetzt nicht der Moment für Schuldzuweisungen sei, sondern für Mitgefühl und Anteilnahme. Den Hinterbliebenen gegenüber, den Verletzten und den unmittelbar Beteiligten.

Für Schrankenbau eingesetzt

Zu jenen, die sich nach dem tödlichen Unfall vor drei Jahren für den Schrankenbau eingesetzt haben, gehörte auch der heimische Bundestagsabgeordnete Achim Post. Er hatte seinerzeit sogar das persönliche Gespräch mit Bahnchef Rüdiger Grube gesucht, um die Abläufe zu beschleunigen.

Zum erneuten Unfall am Maschweg sagte: »Ich bin zutiefst erschüttert. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Betroffenen. Der Unfall zeigt auf dramatische Art und Weise, wie dringend notwendig die Sicherung an Bahnübergängen mit Schrankenanlagen ist – nicht nur in Lübbecke am Maschweg.«

Mit Bestürzung hat auch Kirstin Korte, CDU-Vorsitzende im Mühlenkreis, auf die Unfallnachricht reagiert: »Man kann nicht nachvollziehen, dass es so lange dauert, bis ein Bahnübergang gesichert ist, der offensichtlich ein hohes Gefährdungspotenzial hat. Mit dem gesunden Menschenverstand lässt sich das kaum nachvollziehen.«

Kompliziertes Planungsverfahren

Bei der Deutschen Bahn in Düsseldorf verweist Sprecherin Kirsten Verbeek auf die langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozesse, mit denen der Bau von Schrankenanlagen verbunden ist.

Nicht zuletzt gehe es um das Geld der Steuerzahler. Außer der DB Netz AG seien Kommunen und Kreise sowie das Eisenbahnbundesamt in Bonn in das Verfahren einbezogen. »Erst danach kann eine europaweite Ausschreibung für den Bau erfolgen«, sagt Verbeek.

Im Falle des Maschwegs musste die Ausschreibung für die Tiefbauarbeiten wiederholt werden, weil die Angebote den Kostenrahmen um 90 Prozent überschritten hatten. Das kostete Zeit.

Polizei rät zur Vorsicht

Unterdessen hat die Polizei ihre Ermittlungen zum Unfall fortgesetzt. Nach Zeugenbefragungen stehe fest, dass die Signalanlage funktioniert hat, erklärte Polizeisprecher Ralf Steinmeyer.

»Außerdem hat der Lokführer, als er das Auto der Frau auf den Bahnübergang zufahren sah, mehrfach das Signalhorn der Lokomotive betätigt.« Wieso die Frau die Gefahr nicht erkannte, könne möglicherweise nicht mehr geklärt werden.

Steinmeyer appellierte an die Autofahrer, bei aller Routine, zu besonderer Aufmerksamkeit an Bahnübergängen. »Der Eindruck der Polizei ist, dass es daran an Bahnübergängen mangelt. Und gerade hier hat es oft dramatische Folgen«, erklärte Steinmeyer. Er rät zu erhöhter Vorsicht, gerade an unbeschrankten Bahnübergängen.

Kommentare

ach @bermbeck

was hätten Sie denn gesagt, wenn es einer Ihrer Familienmitglieder passiert wäre. Es ist doch mehr als Schlimm, wenn so eine "Behörde" wie die DB rein gar nichts unternimmt, wie bei sehr vielen unbeschrankten Bahnübergängen. Das auch immer wieder Autofahrer trotzdem rüber fahren und dann was passiert, obwohl es Blinkt, dann kann man sagen selber Schuld, aber die Personen die im Zug sitzen oder der Zugführer, was der durchmacht ist schon Schlimm genug. Aber anhand Ihrer Meinung ist Ihnen das ja wohl egal. Die Deutsche Bahn ist ein privatwirtschaftlich organisiertes Verkehrsunternehmen, das allerdings zu 100% in Staatsbesitz ist.

So tragisch

der Unfall am Bahnübergang Maschweg ist, so blödsinnig ist der Kommentar von @Michael Schönow.

es ist

wirklich schrecklich, was teilweise an den Bahnübergängen (unbeschrankt) passiert. Und wenn man hört, dass die Politik seit 15 Jahren dort eine Schranke haben wollte und die DB rein gar nichts macht, sollte man die Bahn wegen fahrlässiger Tötung verklagen, und zwar den Vorstandsvorsitzenden.

3 Kommentare

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