Mo., 26.06.2017

Premiere der Revue »Schlager lügen nicht« auf der Freilichtbühne Nettelstedt 70er-Jahre-Fieber erfasst Hünenbrink

Gelungene Premiere auf dem Hünenbrink: Im Regen feierte das ganze Ensemble mit den Zuschauern: »Eviva Espana«.

Gelungene Premiere auf dem Hünenbrink: Im Regen feierte das ganze Ensemble mit den Zuschauern: »Eviva Espana«. Foto: Cornelia Müller

Von Cornelia Müller

Nettelstedt (WB). Sonntags? Nein. Samstags. Immer wieder samstags kommt die Erinnerung. Ab 20.30 Uhr, um genau zu sein, wenn das Schlager-Duo Ulla und Björn wie einst Cindy und Bert zum Mikro greift und der ganze Hünenbrink im 70er-Jahre-Fieber ist. Mit dem neuen Abendstück »Schlager lügen nicht« werfen die Amateurschauspieler der Freilichtbühne Nettelstedt nämlich die Zeitmaschine an.

Zur Premiere am Samstag reisten bereits etwa 500 Zuschauer mit. In eine Zeit, als Hoss und Little Joe über die Prärie ritten, riesige Tapetenmuster nur mit riesigen Sonnenbrillen zu ertragen waren und ganz Deutschland in pflegeleichter Kunstfaser schwitzte. Und die Reise in die Vergangenheit begann nicht etwa erst, als das traditionelle Signal »Möge das Spiel beginnen« gegeben war. Schon bei der Anfahrt und am Parkplatz stachen die bunten Hemden der Einweiser ins Auge. Am Kartenverkauf trug man wieder Langhaarperücke, am Kiosk (passend bestückt mit Afri Cola, Bluna und »Brauner Bär«) Kittelschürze.

Spätestens jetzt wussten die Zuschauer: Hier waren sie richtig. Die richtigen Schlager-Fans unter ihnen hatten sogar noch die Chance, in einem kurzen Aufwärm-Quiz »Erkennen Sie die Melodie« ein Gläschen Sekt zu gewinnen. Dann ging die Party los.

Denn »Schlager lügen nicht« ist kein Theaterstück wie andere, sondern eine Revue zum Mitfeiern. Die Handlung ist eher nebensächlich: Die sechzehnjährige Doro Spengler und ihre Mutter Maria fliegen nach Mallorca, um sich die Jubiläumssendung der »Schlagerparade« anzuschauen. Dort geht es hinter den Kulissen nicht sehr harmonisch zu. Prompt geraten Doro und Maria in eine zweideutige Situation, so dass Doros Freund Jürgen und Marias Ehemann Richard ihnen eifersüchtig nachreisen.

Die Amateurschauspieler sind diesmal nicht so sehr als Darsteller, sondern vor allem als Sänger gefragt. Denn die eigentlichen Hauptrollen spielen die Schlager und die Kostüme. Beim Anblick von Schlaghosen und azurblauen Anzüge kam beim Premierenpublikum praktisch von allein Heiterkeit auf. Und gegen »Ich war noch niemals in New York« und »Er gehört zu mir« war sowieso jeder Widerstand zwecklos. Da musste man einfach mitklatschen und mitsingen. Mit ordentlich Schmelz und Schmalz in der Stimme und noch mehr Humor präsentierten die Nettelstedter das Beste und Schrägste, was je den Schnelldurchlauf bei Dieter Thomas Heck überstanden hat. Das machte sogar denen Spaß, die während der 70-er Jahre noch gar nicht geboren waren: »Die Stimmung ist toll«, waren sich Johanna Wierach (16) und Wyona Reis (16) einig.

Nur das Wetter war nicht im Mallorca-Modus. Aber darüber hat sich Rudi Carrell ja schon 1975 beschwert: »Wann wird's mal wieder richtig Sommer?« Na bitte. Schlager lügen nicht.

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