Fr., 04.08.2017

Gutachten zur Kirchenluft in Lübbecke ergibt keine eindeutige Ursache »Geruch ist unbedenklich«

Prof. Dr. Karin Petersen prüft in ihrem Labor in Hildesheim die Luftproben.

Prof. Dr. Karin Petersen prüft in ihrem Labor in Hildesheim die Luftproben.

Von Friederike Niemeyer

Lübbecke (WB). Ein Problem, aber leider mehr als eine Ursache: Der eigentümliche Geruch in der Lübbecker St.-Andreas-Kirche ist zwar gesundheitlich absolut unbedenklich. Eine einzelne Maßnahme, ihn zu beseitigen, gibt es aber leider nicht. Das nun vorliegende Fachgutachten hat der Kirchengemeinde keine befriedigende Antwort geben können.

Wie am 30. Mai berichtet, hat die evangelische Kirchengemeinde Lübbecke ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den für diese Kirche fast schon typischen muffigen Geruch zu ergründen. Im Vorfeld hatte die Gemeinde bereits durch Langzeitmessung eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit feststellen können. Angenommen wurde, dass sich wegen der Luftfeuchtigkeit Mikroben oder Pilze in dem mehr als 800 Jahre alten Bauwerk angesiedelt haben, die auch das Raumklima belasten.

Teure Folgeschäden an der Bausubstanz befürchtet

Neben gesundheitlichen Risiken befürchtete die Gemeinde auch teure Folgeschäden an der Bausubstanz. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung wurde die Mikrobiologin Prof. Dr. Karin Petersen von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim beauftragt.

Die Auswertung der Luftprobe aus der St.-Andreas-Kirche liegt der Kirchengemeinde nun vor. »Es sind diverse Arten von Mikroben gefunden worden«, fasst Baukirchmeister Eyke Blöbaum zusammen. »Glücklicherweise sind sie allesamt unschädlich für die Kirchenbesucher.« Ebenfalls positiv: »Es ist auch nichts Substanzgefährdendes festgestellt worden.« So wäre beispielsweise ein Hausschwamm das Schreckensszenario für Blöbaum und jeden anderen Bauherrn gewesen. »Dann hätten wir sofort handeln müssen.« Und das wäre teuer geworden.

Gutachten liefert keine Antwort

Eine Antwort, wo genau die Quelle der Luftbelastung zu finden ist, hat das Gutachten allerdings noch nicht geliefert. Von woher kommt die Feuchtigkeit in die Kirche, die offenbar so anregende Bedingungen für Kleinstlebewesen bietet? Eyke Blöbaum hat deshalb noch einige Fragen an die Gutachterin gestellt, die erst noch beantwortet werden sollen.

Relativ klar ist, dass ein Feuchtigkeitsherd im Turm zu suchen ist. Am Mauerwerk im südwestlichen Teil des Turms seien »deutlich erkennbare Zersetzungsprozesse« festzustellen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich die Hanglage der Kirche: Diese zur Bergseite gelegenen Mauerteile sind höher von Erde umschlossen als die gegenüberliegende Seite.

Überschaubare Maßnahme vorgeschlagen

Eyke Blöbaum will dem Presbyterium deshalb vorschlagen, dort Boden abzugraben – eine überschaubare bauliche Maßnahme. Außerdem sollte der Innenraum grundgereinigt werden, um die Mikroben zu beseitigen, die sich möglicherweise oben im Kirchenschiff – unerreichbar für den normalen Hausputz – niedergelassen haben. »Wir werden dann weiter beobachten, wie sich die Luft in der Kirche entwickelt. Eine neue Langzeitmessung der Feuchtigkeit läuft seit 1. August«, sagt Blöbaum.

Eine weitere Quelle von Feuchtigkeit könnte aber auch aus dem Untergrund des Kirchenschiffs kommen. Dafür gibt es durch das Gutachten auch Anzeichen, die noch genauerer Klärung bedürfen, sagt Baukirchmeister Blöbaum. Wäre das Erdreich unter der Kirche feucht – egal ob durch eine Wasserader oder sonstige Gegebenheiten – könnte wohl nur eine Gesamtsanierung des dünnen Kirchenbodens den Geruch komplett und dauerhaft beseitigen. Und das wäre dann doch wohl zu kostspielig für die Gemeinde, denkt Blöbaum schon weiter.

Unabhängig von dieser Frage: Schritt für Schritt will die Gemeinde bei dem Geruchsproblem am Ball bleiben.

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