Do., 14.09.2017

Lübbecke: Polizei hält ihn für Stalker und widerruft Waffenbesitzkarte Finanzbeamter kämpft um seine Waffen

Der Beamte mit seinem Anwalt Ralph Nalop aus Bünde.

Der Beamte mit seinem Anwalt Ralph Nalop aus Bünde.

Von Christian Althoff

Lübbecke (WB). Ein Beamter des Finanzamts Lübbecke muss voraussichtlich seine Waffenbesitzkarte abgeben. Das hat Bärbel Brinkmann, Richterin am Verwaltungsgericht Minden, während der Verhandlung am Montag durchblicken lassen. Das schriftliche Urteil soll in Kürze ergehen.

Ohne Waffenbesitzkarte kann sich der Finanzbeamte (45) keine Waffe mehr kaufen, und das wollen die Behörden erreichen.  Denn der Freizeitjäger steht unter dem Verdacht, seit Jahren eine Ex-Freundin zu stalken.

Er war ein Jahr mit einer Krankenschwester (34) aus Lübbecke zusammen. Als sie sich 2014 von ihm trennte, begannen die Nachstellungen. Ihr weißes Auto wurde schwarz angesprüht,  die Reifen wurden zerstochen , und ihre gestohlenen Kennzeichen vor ihrem Haus zu einem Kreuz aufgestellt. Die Frau fand eine Axt im Briefkasten, auf deren Klinge ein Foto ihres Kopfes steckte.

Fast alle Ermittlungsverfahren wurden wegen fehlender Beweise eingestellt

Und immer wieder hängen in Lübbecke Flugblätter, auf denen ihr neuer Freund als drogensüchtiger Analphabet dargestellt wird. Aber: Fast alle Ermittlungsverfahren gegen den Mann wurden wegen fehlender Beweise eingestellt.

Obwohl der Beamte vehement bestreitet, der Stalker zu sein, nahm ihm die Polizei 2016 alle Waffen ab – zu Recht, wie das Verwaltungsgericht anschließend feststellte. Denn es bestehe die Gefahr, dass er die Waffen missbräuchlich benutze, befand das Gericht 2016.

Es gebe nicht nur eine »unglaubliche Fülle von Anzeigen« gegen den Mann, sondern auch den Fall einer weiteren Frau, die ebenfalls Stalkingvorwürfe gegen ihn erhoben habe. Sie habe deshalb sogar ihre Arbeitsstelle beim Finanzamt gewechselt. Gegen dieses Urteil ging der Beamte in Berufung, es liegt jetzt beim Oberverwaltungsgericht in Münster.

Dienstliche Beurteilungen sollen Zuverlässigkeit beweisen

Nachdem der Mann seine Waffen los war, widerrief die Polizei nun auch seine Waffenbesitzkarte. Dagegen klagte er. Beim Prozess am Montag bestritt der Beamte erneut, der Stalker zu sein.

Er legte dem Verwaltungsgericht seine dienstlichen Beurteilungen von 2008 bis 2014 vor, die alle positiv sein sollen. So wollte er seine Zuverlässigkeit beweisen. Es schien aber, als könne er das Gericht nicht überzeugen. Zumal der Mann im vergangenen Jahr vom Amtsgericht Lübbecke zu 5600 Euro Strafe verurteilt worden war. Er hatte seine dienstliche Stellung ausgenutzt, um bei der Bundesnetzagentur die geheime Telefonnummer seiner Ex-Freundin herauszufinden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5149496?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198399%2F2516047%2F