Sa., 07.10.2017

Mediothek Lübbecke zeigt Ausstellung zu Reformation in der Region Luther auf drei Etagen

Am Eröffnungsabend der Ausstellung »500 Jahre Reformation – eine Spurensuche durch das Lübbecker Land« in der Mediothek haben sich viele Besucher um ein Modell geschart, das die Stadt Lübbecke im 14. Jahrhundert zeigt.

Am Eröffnungsabend der Ausstellung »500 Jahre Reformation – eine Spurensuche durch das Lübbecker Land« in der Mediothek haben sich viele Besucher um ein Modell geschart, das die Stadt Lübbecke im 14. Jahrhundert zeigt. Foto: Jessica Eberle

Von Jessica Eberle

Lübbecke  (WB). Nach 60 Jahren Gauselmann und 175 Jahren Barre folgt bald der größte aller Jahrestage: das Reformationsjubiläum. Die Ausstellung »500 Jahre Reformation – eine Spurensuche durch das Lübbecker Land« bietet Einblicke in Luthers Schaffen aus ostwestfälischer Perspektive.

Seit mindestens einem Jahr ist der Reformator überall zu sehen: die neue Luther-Bibel, CDs mit Lutherliedern. Und manchmal sogar als Playmobil-Figur, gegossen in Schokolade oder auch als schmückendes Beiwerk auf Strumpf und Mütze.

»Reformation überstrahlt das ganze Jahr«

Wurde das Thema damit nicht schon genug ausgeschöpft? Nein – befand Bürgermeister Frank Haberbosch: »Die Reformation überstrahlt das ganze Jahr 2017 und das ist auch gut so.« Haberbosch sagte, er sei überrascht, wie viele Menschen sich zur Eröffnung in der Mediothek eingefunden hatten. Dass etwa 50 Besucher ihr Interesse zeigten, sei Beweis genug für die anhaltende Relevanz des Themas.

Christel Droste und Bettina Rohlfing vom Stadtarchiv Lübbecke hatten die Ausstellung organisiert. Droste machte darauf aufmerksam, dass sich die Stücke über alle drei Stockwerke der Mediothek verteilen: »Mit jedem Stockwerk geht es ein bisschen tiefer ins Detail.« So finden die Besucher im Erdgeschoss die wichtigsten Kernaussagen Luthers. Im ersten Stockwerk gibt es Szenen aus Luthers Leben zu sehen und im dritten Stock geht es ganz um die Schule.

Bibel von 1672 aus Gehlenbeck

Eines der ältesten Exponate ist sicherlich eine Bibel aus dem Jahr 1672. Die hatte die Kirchengemeinde Gehlenbeck zur Verfügung gestellt. Daneben liegt die moderne Version von 2017, die deutlich schlichter ist. Dafür besticht das ältere Exponat mit kunstvoll verzierten Buchstaben und altdeutscher Schrift: »Einfach unglaublich, wie gut das noch erhalten ist«, fand Besucherin Petra Kienemann.

An Stellwänden konnten die Gäste den historischen Hintergrund, von Rolf Kienemann aufgearbeitet, verfolgen. Die Ausstellung bot jedoch auch moderne Einblicke durch Playmobil-Konstruktionen. An denen hat der ehrenamtliche Mitarbeiter Frank Warnecke (Kirchengemeinde Nettelstedt) gefeilt. In mindestens 200 Stunden Arbeit entstand ein Modell der Schlosskirche Wittenberg: »Das Ganze ist mit viel Liebe zum Detail entstanden«, betonte er. So mussten zum Beispiel die Fensterverzierungen (»Sowas gibt’s schließlich nicht als Playmobil«) aus Fimo, gipsähnlichem Stoff, gegossen werden. Die Kirche vereint zwei historische Ereignisse: Von vorne können die Besucher Martin Luthers Thesenanschlag begutachten. Im Inneren gibt’s eine Szene vom Ablassbrief-Handel zu sehen.

Luthers großes Verdienst um die Schulen

Paul Hasse, ehemaliger Latein- und Religionslehrer am Wittekind-Gymnasium, war ganz für den pädagogischen Bereich der Ausstellung zuständig. Seiner Ansicht nach seien zahlreiche Schulen im Kreis Minden-Lübbecke ein Produkt der Reformation: »Letztendlich ist es Luthers Verdienst, dass die Schulen damals wie aus dem Boden sprossen.« Luther habe gefordert, dass alle Kinder in die Schulen gehen, um lesen zu lernen und somit das Evangelium zu verstehen. Hasse machte auf eine Karte aufmerksam, in der ehemalige Schulfächer in Lübbecke aufgelistet sind: »Mathe sucht man hier vergeblich.« Dafür stünden Fächer wie »Sitten« und »Gebete« auf dem Stundenplan.

In Lübbecke erfolgte die Reformation übrigens nicht vom Landesherren, sondern »von unten«. Nachdem es im 16. Jahrhundert Proteste seitens der Bürger gab, wandelte sich die Schule für den Klerus in die Schule für alle um. Die Stadt hatte nun mehr Einfluss.

Geöffnet ist die kostenlose Ausstellung noch bis zum 20. November zu den regulären Öffnungszeiten der Mediothek. Am 31. Oktober ist der Eintritt von 19 bis 23 Uhr möglich.

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