Fr., 10.11.2017

WESTFALEN-BLATT begleitet eine Spät- und Nachtschicht der heimischen Polizei An einem ganz normalen Freitag

Die Polizeibeamten bei einer Durchsuchung: Bei der Routinekontrolle eines Autos kann ein mit Haftbefehl gesuchter Mann (nicht auf dem Foto zu sehen) nach heftiger Gegenwehr und einem Fluchtversuch festgenommen werden.

Die Polizeibeamten bei einer Durchsuchung: Bei der Routinekontrolle eines Autos kann ein mit Haftbefehl gesuchter Mann (nicht auf dem Foto zu sehen) nach heftiger Gegenwehr und einem Fluchtversuch festgenommen werden. Foto: Sandra Knauthe

Von Sandra Knauthe

Kreis Minden-Lübbecke (WB). »Hilfe, wir sind überfallen worden! Der hatte eine Schusswaffe.« Die Frau am Telefon ist völlig panisch, als sie den Notruf 110 der Polizei wählt. Frank Habbe, Polizeioberkommissar in der Leitstelle Minden, ist es gewohnt, mit Menschen in emotionalen Ausnahmesituationen zu sprechen. Er bleibt trotz der prekären Situation ruhig, alarmiert sämtliche Streifenwagen und die Kripo, die nur Augenblicke später zum Tatort eilen.

Dabei hat die Schicht auf der Wache Minden eigentlich ungewöhnlich ruhig begonnen. Kaum Anrufe in der Leitstelle und auch bei den Streifenfahrten gab es keine ungewöhnlichen Vorkommnisse. »Normalerweise sind Freitage schon einsatzreiche Tage für uns«, resümiert Thomas Brakemann, Polizeihauptkommissar und Dienstgruppenleiter. Kaum ausgesprochen, geht es auch schon los.

Fluchtversuch bei Routinekontrolle

Über Funk melden sich Kollegen eines anderen Streifenwagens. Diese haben soeben bei einer Routinekontrolle mit heftiger Gegenwehr und einem Fluchtversuch des Fahrers zu tun gehabt. Da die Situation zu eskalieren drohte, eilen sämtliche verfügbaren Kräfte zur Unterstützung herbei. »Wenn Kollegen von uns angegriffen werden, setzen wir alles dran, sofort zur Hilfe zu kommen«, stellt Polizeioberkommissar Christian Henneke fest. Drei Streifenwagen, neun Beamte, einige Schaulustige und ein dicker Fang: Gegen den mittlerweile Festgenommenen lag ein Haftbefehl wegen schweren Raubs vor.

Auf der Wache Minden arbeiten gut 60 Polizisten im Schichtdienst. Die Dienststelle ist 24 Stunden für die Bürger geöffnet. Anders ist dies in Bad Oeynhausen, Porta Westfalica, Espelkamp, Petershagen und Lübbecke. Dort sind auch Streifenwagen besetzt, aber für den Publikumsverkehr bleiben diese Wachen nachts geschlossen. Hauptkommissar Andreas Nennker erklärt: »Die Leitstelle beschäftigt 21 Beamte. Das sind berufserfahrene Polizisten mit speziellen psychologischen Schulungen. Im letzten Jahr wurden etwa 50 000 Notrufe aus dem gesamten Kreisgebiet angenommen, aus denen 25 000 Einsätze resultierten.«

Fingerspitzengefühl

Auch die Streifenwagenbesatzung muss jetzt psychologisches Fingerspitzengefühl beweisen, denn die Beamten haben mit einer Frau zu tun, die kurz vorher aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wurde, aber laut Nachbarn nun nackt auf der Straße umherläuft und Sachen aus dem Fenster wirft. Bei Eintreffen der Polizei hat sich die Frau in ihrer Wohnung verschanzt, fabuliert von weißen Pferden und Kleidern, ist aber ansonsten friedlich und lässt sich von Wolfgang Petrys Liedern aus dem CD-Player beschallen. »Das ist ja nicht strafbar«, meint Thomas Brakemann mit einem Schmunzeln. »Jedenfalls haben wir hier keine Handhabe für ein gewaltsames Eindringen in die Wohnung, solange keine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt.«

Mittlerweile ist es Nacht geworden und Frank Habbe nimmt den Anruf einer überfallenen Kassiererin eines Lebensmittelmarktes an. Zwei Maskierte haben der Frau und ihrer Kollegin nach Geschäftsschluss am Ausgang aufgelauert und mit Waffengewalt zum Tresor gezwungen. Sichtlich unter Schock stehen die beiden Damen in der Tür, als mehrere Streifenwagen mit Blaulicht vorfahren. Auch der Rettungsdienst wurde von der Leitstelle der Polizei alarmiert. Die Kripo befragt die Zeuginnen, der Einsatzleiter veranlasst eine Ringfahndung, Videomaterial der Überwachungskameras wird gesichtet, das Gelände von den Beamten abgesucht.

Erfolglose Suche

Leider bleibt die Suche erfolglos, doch der nächste Notruf lässt nicht auf sich warten, diesmal sind es Jugendliche, die mehrere Streifenwagenbesatzungen beschäftigen, denn sie liefern sich direkt vor einem Heim eine Schlägerei. Zwei der Heranwachsenden müssen vorläufig mit ins Gewahrsam. Das ist im Untergeschoss der Mindener Polizeiwache und hat neben Videoüberwachung und sieben Einzelzellen sogar eine »Sammelzelle«.

Auch der nächste »Kunde« muss mit ins Gewahrsam zur Blutprobe. Dafür müssen die Beamten nach Lübbecke fahren, da sie vom Sicherheitspersonal einer Disco alarmiert wurden, dass jemand betrunken mit seinem Auto losgefahren ist. Die Reifen quietschen und nach einiger Zeit haben sie das beschriebene Fahrzeug eingeholt, geben Anhaltesignale, halten längsseits und springen sofort zur Tür. Der Fahrer wird so schnell von seinem Sitz gezogen und fixiert, dass er gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Als er dann im Streifenwagen sitzt, gesteht er, dass er immer betrunken fährt und hofft, Glück zu haben. Glück hatte der Fahrer tatsächlich, denn durch das Einschreiten der Polizisten wurde vielleicht ein schlimmer Unfall verhindert.

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