Do., 07.05.2015

16-Jährige schreibt vor ihrem Krebstod ein Buch – Verfilmung geplant Stefanies letzte 296 Tage

Stefanies Teddy in New York - ein Besuch dort blieb für sie ein Traum.

Stefanies Teddy in New York - ein Besuch dort blieb für sie ein Traum.

Von Kai Wessel

Preußisch Oldendorf (WB).  Stefanie war 16. Sie hatte Träume. Wie jede 16-Jährige. Sie wollte Polizistin werden, New York sehen, mit ihrem Freund das erste Mal erleben. Stefanies Träume platzen, als sie erfährt, dass sie  an Lungenkrebs erkrankt ist. Sie wird sterben. In einem Buch hat Stefanie die letzten 296 Tage ihres Lebens dokumentiert. Es trägt den Titel: »Gott, du kannst ein Arsch sein«.

Auf 131 Seiten erzählt Stefanie ihre Geschichte. Die Anregung zum Schreiben gab der Seelsorger Frank Pape (45) aus Preußisch Oldendorf. Er ist in der Präventions- und Jugendarbeit tätig und engagiert sich ehrenamtlich im Hospizdienst.

Pape kannte das Mädchen und seine Familie schon lange vor der Diagnose. »Stefanie hat mich oft besucht, um Zeit mit meinen Pferden zu verbringen. Sie war etwas Besonderes, liebenswert, aber auch eine echte Rebellin. Es gab Momente, da war sie nicht zu bändigen. Als ich einmal sah, dass sie einen Brief schrieb, schlug ich ihr vor, ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Daraus ist dieses Buch entstanden.«

Der Arzt überbringt die schreckliche Nachricht

Stefanies Bericht beginnt mit einer Erkältung. Sie geht zum Arzt. Vorsorglich wird ihr Blut abgenommen. Drei Tage später klingelt das Telefon. Es ist der Arzt. Stefanie soll mit ihrer Mutter in die Sprechstunde kommen: »Ich hab echt gedacht, der kommt mir jetzt mit so einem Scheiß wie, ich sei schwanger oder so. Hab gleich gegoogelt, ob man von ein bisschen Rumspielen schwanger werden kann.«

Was der Arzt ihr mitzuteilen hat, ist etwas anderes. »Er blickte mich an und sagte: Wir haben den Verdacht, dass du Krebs hast.« Der Verdacht bestätigt sich. In der Klinik erfährt Stefanie, dass der Krebs »kleinzellig« im Lungengewebe verbreitet ist. Die Ärzte geben Stefanie noch sechs bis zwölf Monate: »Alles lag im Nebel und wurde dumpf. Mein Herz bummerte. Dr. Moor sagte, es täte ihm Leid und ich konnte aus meinem Nebel her­aus spüren, dass es ihm wirklich schwer fiel.«

Stefanie beschließt, ihre jüngere Schwester und ihren Freund selbst über die Nachricht ihres bevorstehenden Todes zu informieren: »Ich hatte es geübt. Was ich wohl sagen sollte und wie.«

Gedanken an das Sterben

Was folgt, sind lebensverlängernde Maßnahmen. Stefanie erhält Chemotherapie und Bestrahlung. Die Nachricht von ihrer Erkrankung spricht sich her­um, auch in Stefanies Schule. Als sich Wochen später ein Mitschüler auf ihren Platz setzen soll, weigert er sich mit dem Hinweis, das sei doch Stefanies Platz. Unterdessen beginnt Stefanie, sich mit dem Gedanken an den Tod vertraut zu machen.

Es gibt Fragen, aber keine Antworten: »Wie fühlt es sich an zu sterben? Was ist danach? Ist da was danach?« Stefanie macht eine Liste mit Dingen, die sie noch erledigen will. Dazu gehört außer einem Ausflug in den Safaripark Stukenbrock und einem letzten Ausritt mit Pferd Luna der Wunsch, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Weil die Haut an ihrem Arm schon zu dünn ist, erhält sie den Satz, der später zum Buchtitel wird, auf den Bauch tätowiert: »Gott, du kannst ein Arsch sein«. Dazu schreibt sie: »Natürlich ist der liebe Gott nicht schuld daran, dass ich Krebs habe. Aber verdammt noch mal! Es kann ja wohl auch nicht sein, dass an allem was gut ist, immer der liebe Gott beteiligt ist und wenn er scheiße macht, es immer heißt, dafür ist er nicht verantwortlich.«

Letzte Zeilen kurz vor dem Tod

Kurz vor ihrem Tod bringt Stefanie ihre letzten Worte zu Papier. Sie ist auf 38 Kilo abgemagert und vergleicht ihren geschundenen Körper mit dem der Romanfigur Gollum. Sie entscheidet: keine Chemos und Bestrahlungen mehr. Am 28. Dezember 2014 stirbt Stefanie. So, wie sie es sich gewünscht hat: auf einem Strohballen in Preußisch Oldendorf, ganz nah bei ihrem geliebten Pferd Luna und im Kreis ihrer Familie.

Frank Pape, der selbst Buchautor ist, hat Stefanies Bericht um einen Nachsatz und einen Brief des Freundes erweitert. »Die Veröffentlichung erfolgte in Absprache mit Stefanies Familie. Sie hält alle Rechte«, sagt er. Im Herbst ist eine Präsentation bei der Frankfurter Buchmesse geplant. Schon jetzt gibt es großes Interesse und Anfragen zu einer Verfilmung.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3239521?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198399%2F2516040%2F