Mi., 30.11.2016

Verwaltungsgericht verhandelt über 24 Gewehre und Pistolen Rentner muss Waffen wohl abgeben

Von Christian Althoff

Stemwede (WB). Rentner Karl D. (67) aus Stemwede muss seine zahlreichen Pistolen und Gewehre wahrscheinlich abgeben. Zwar will das Verwaltungsgericht Minden sein Urteil erst in den kommenden Tagen verkünden, doch ließ Richterin Bärbel Brinkmann in der Verhandlung am Dienstag wenig Zweifel daran, wie die Sache ausgehen wird.

»Ob Sie ein sogenannter Reichsbürger sind oder nicht – Sie werden hier so behandelt wie jeder andere auch. Ich bin für Sie zuständig, und ich halte mich an die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland«, sagte die Richterin einleitend.

Nicht ohne Grund: Karl D. hatte vor dem Prozess das Gericht mit Schriftstücken überhäuft, die Zuständigkeit der Richterin in Frage gestellt und unter anderem kritisiert, dass seine Ladung nicht unterschrieben gewesen sei. »Deshalb ist die Verhandlung heute unzulässig. Ich bin aber trotzdem mal gekommen«, sagte der Rentner zur Richterin und zitierte Paragrafen und Urteile, die seine Meinung untermauern sollten. »Danke, aber ich kenne das Gesetz. Ich lasse mich auf solche Diskussionen nicht ein«, erklärte die Richterin.

Seit 1973 besitzt Jäger und Sportschütze Karl D. Waffen. Er schätzte die Zahl auf 30, nach Angaben der Richterin sind es im Moment aber »nur« 24 Pistolen und Gewehre.

»Ich gehe nach wie vor auf die Jagd«

Bei einer Routineüberprüfung fiel der Mindener Polizei auf, dass Karl D. schon seit Jahren keinen gültigen Jagdschein mehr besitzt und wohl auch nicht mehr Mitglied in einem Sportschützenverein ist. Nach Ansicht der Behörde hat der frühere Kaufmann deshalb »kein Bedürfnis« mehr für seine Waffen. Im März widerrief die Polizei die Waffenbesitzerlaubnis und forderte Karl D. auf, Gewehre und Pistolen abzugeben oder an Berechtigte zu verkaufen. Dagegen reichte er Klage beim Verwaltungsgericht ein.

Im Prozess sagte der 67-Jährige am Dienstag: »Ich gehe nach wie vor auf die Jagd, und zwar im Ausland. Ich will meinen Jagdschein schon seit Jahren verlängern lassen, aber die Jagdbehörde legt mir Steine in den Weg.« Denn der Kreis Minden-Lübbecke verlangt von Karl D., dass er das Zeugnis seiner Jägerprüfung vorlegt. »Das habe ich aber 1975 bei der Stadt Osnabrück abgegeben, die mir damals meinen ersten Jagdschein ausgestellt hat.« Und die Stadtverwaltung Osnabrück habe das Dokument, so habe sie ihm mitgeteilt, nach 30 Jahren vernichtet. »Ich kann es also gar nicht vorlegen!«

Urteil in spätestens zwei Wochen

Die Richterin sagte, dieses Problem müsse Karl D. mit dem Kreis Minden-Lübbecke klären, es sei nicht Gegenstand des Prozesses. »Hier geht es alleine um die Frage, ob die Polizei Ihre Waffenbesitzkarten zu Recht widerrufen hat.«

Das Urteil soll dem Kläger in spätestens zwei Wochen zugestellt werden. »Wahrscheinlich unterschreibt die Richterin nur mit ihrem Nachnamen. Dann ist das Urteil sowieso ungültig«, sagte Karl D. trotzig, als er das Gerichtsgebäude verlies. Er werde notfalls auch zum Oberlandesgericht gehen, um seine Waffen behalten zu dürfen, erklärte der Rentner.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4468324?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198399%2F2516045%2F