Fr., 03.11.2017

Jäger Christian Wiese spricht erstmals über dramatischen Vorfall in Stemwede Von Keiler angegriffen

Wildschweine meiden Menschen normalerweise.

Wildschweine meiden Menschen normalerweise. Foto: Martin Nobbe

Von Martin Nobbe

Stemwede (WB). Christian Wiese (27) ist kein Mann von Traurigkeit. Der Hüne mit seinen 1,96 Metern und einem Gewicht von 110 Kilogramm kann auch wieder lachen, aber was er vor zwei Wochen bei der Maisernte erlebte, wird er in seinem Leben wohl nicht mehr vergessen.

Der Kampf mit einem angeschossenen Keiler wäre für ihn beinahe tödlich ausgegangen. Der leidenschaftliche Jäger und Mitpächter des Jagdbezirks von Drohne (1050 Hektar), einem Ortsteil Stemwedes, erinnert sich: »Die Maisernte stand kurz bevor und ich hatte beobachtet, dass es sich eine Rotte von Wildschweinen in einem Maisfeld gemütlich gemacht hatte. Mit sechs Jägern hatten wir das Maisfeld umstellt, als um 9 Uhr der Häcksler seine ersten Runden fuhr.«

80 Kilo-Keiler greift Jäger unvermittelt an

Um 13 Uhr hätten noch 20 bis 30 Maisreihen gestanden, als der Häcksler zum »Abtanken« gefahren sei. Wie der Jäger erzählte, ging dann alles blitzschnell: Eine Rotte von 18 Tieren flüchtete in alle Richtungen, die ersten Schüsse fielen. Fünf Tiere konnten sofort zur Strecke gebracht werden, zwei Tiere wurden allerdings nur angeschossen. Die Suche nach ihnen geriet für Christian Wiese zu einem gefährlichen Unterfangen. Unter den zwei Stück Schwarzwild befand sich ein etwa 80 Kilogramm schwerer Keiler, der sofort auf den jungen Jäger losging. Christian Wiese hatte inzwischen seine Büchse verloren und war ganz auf sich allein gestellt. Wie lange der Kampf dauerte, weiß Wiese nicht mehr so genau. »Bestimmt waren es aber ein bis zwei Minuten, die ich vom Keiler, auf dem Boden liegend, bearbeitet wurde«, berichtete der Waidmann und erzählte weiter: »Ich hatte mich mit Händen und Füßen gewehrt, bevor der wilde Keiler das Weite suchte und von einem Jagdkollegen den Fangschuss erhielt.«

»Solche Unfälle mit Schwarzwild passieren immer wieder mal«

Schmerzen hatte der Jäger zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber das Blut an seinem

Christian Wiese aus Drohne mit seiner Jagdhündin Lotte, die bei dem Vorfall in Drohne aber nicht dabei war. Foto: Martin Nobbe

rechten Bein versprach nichts Gutes. Wiese zog seinen Gürtel aus der Hose, band das verletzte Bein oben ab, stand auf und wankte etwa 200 Meter zurück zum Sammelplatz, wo er von seinem Vater Martin notdürftig versorgt wurde. Sanitäter brachten ihn ins Krankenhaus nach Lübbecke. Dort stellten die Ärzte fest, dass die messerscharfen Hauer des Keilers das rechte Bein von oben bis unten aufgeschlitzt hatten. Der Wadenmuskel war völlig durchtrennt. Wäre die Verletzung noch etwas tiefer gewesen, hätte Christian Wiese den Angriff des Keilers vielleicht nicht überlebt, weil der Blutverlust zu hoch gewesen wäre. Nach vier Tagen im Krankenhaus erholt sich Christian Wiese jetzt von seinen schweren Verletzungen.

Henrich Meyer zu Wichhausen, Hegeringleiter in Dielingen, weiß: »Solche Unfälle mit Schwarzwild passieren immer wieder mal.« Im konkreten Fall habe man nicht damit rechnen können, dass dieser Keiler im undurchsichtigen Dick­icht saß. »Normalerweise schickt man in diesem Fall einen Hund vor, doch der Jäger hatte keinen Vierbeiner dabei, und das angeschossene Jungschwein, das er von seinem Leiden erlösen wollte, war wirklich nicht groß.« In Ostwestfalen-Lippe hat die Zahl der Wildschweine wegen milder Winter stark zugenommen. In Maisfeldern verursachen sie große Schäden, und deshalb werden sie verstärkt gejagt.

Kommentare

1 bis 2 Minuten? ?

Servus. Hatte vor Jahren selbst mal Unfall im Mais mit ner Sau. Wäre ich damals 1 bis 2 Minuten bearbeitet worden hätte ich das wohl nicht überlebt. ....Und die Waffe verloren ?Und das alles ohne Hund oder 2. Schützen? ??? Aber gute Besserung. Ich war damals 2 Wochen im Hospital.

Alle Gute....

Irgendwie hakt diese Story...Die Büchse "verloren?" Kein Hund dabei? Ohne Waffe das Angeschossene Wildschweine im Maisfeld suchen? Hä? Ei,Ei EI, das sollte eine Jagdscheinprüfung nach sich ziehen. Aber ansonsten gute Besserung

Die Natur nicht glorifizieren

Wer Hitchcocks Thriller „Die Vögel“ gesehen hat, ahnt um was es geht: Die Natur beginnt den Spieß umzudrehen und „schlägt zurück“. Hier waren es Wildschweine, die sich zur Wehr setzten und das aus gutem Grund, denn es hatte ein Tier in einer Art Notwehr den Jäger angegriffen. Ein anderes Mal sind es Elstern, die Kühe attackieren, was ich unlängst gelesen habe. Viele Menschen haben offenbar vergessen, dass wir in einem ständigen natürlichen Konkurrenzkampf stehen und aufgrund unserer intellektuellen Überlegenheit meistens am Ende der Nahrungskette stehen, allerdings nicht immer: Der Tod durch eine Infektionskrankheit ist z. B. der Sieg über einen Menschen durch einen Mikroorganismus, sei es eine Bakterie oder ein Virus. Wir leben in keiner heilen Welt – die Naturliebhaber haben leider die Tendenz, die Natur zu glorifizieren -, sondern die Natur zeigt uns die Grausamkeit des Überlebenskampfes ungeschminkt; wir müssen nur genauer hinschauen.

Nicht damit rechnen?

Wo hat der Mann seinen Jagdschein gemacht? Vielleicht sollte er besser erstmal das Verhalten der Tiere studieren bevor man ihn auf sie losläßt. Wildschweine bevorzugen Dickichte, vor allem wenn sie verletzt wurden. Warum berichtet man darüber überhaupt? Macht es die Jäger stolz von Tierquälerei zu berichten? Normalerweise wird also auch noch ein Hund in Gefahr gebracht? Was ist los bei diesen Menschen im Kopf? Fühlen sie sich als Helden mit moderen Schusswaffen auf die viel schlechter gestellten Tiere loszugehen?
Wer versorgt denn die Schweine im Winter mit Futter? Und sich dann beschweren wenn es zu viele werden.
Mir tut nur die arme Sau leid.

4 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5262686?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198399%2F2516045%2F