Di., 18.10.2016

Kreis misst zu hohe Lärmwerte entlang der Strecke von Altenbeken nach Langeland Fahrverbot für Motorräder droht

Die Strecke zwischen Altenbeken und Langeland ist bei Motorradfahrern beliebt.

Die Strecke zwischen Altenbeken und Langeland ist bei Motorradfahrern beliebt. Foto: Per Lütje

Altenbeken (WB/per). Die kurvenreiche Landstraße 775 zwischen Langeland und Altenbeken wird häufig und gern von Motorradfahrern genutzt – mitsamt Begleiterscheinungen, die Anwohner ärgern: Tempoverstöße und vor allem Lärmbelästigung. Das bestätigen jetzt auch Messungen des Straßenverkehrsamtes. Der Kreis erwägt deshalb ein Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen.

 

Die idyllisch gelegene Strecke durch den Wald ist oftmals zudem Schauplatz von spontan verabredeten Wettrennen. Die Anwohner ärgern sich seit Jahren über den Motorradlärm. Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 70 Stundenkilometer, Dialog-Displays, Polizeikontrollen und der Einbau von Bodenwellen zeigten nicht die gewünschte Wirkung. Insbesondere bei schönem Wetter brettern die Motorradführer nach wie vor über die Piste. Also genau zu jenen Zeiten, wenn auch die Anwohner zu Hause sind und sich ohne Lärmkulisse erholen möchten.

Im Oktober 2015 plante der Kreis Paderborn deshalb, die Strecke an den Sommer-Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer zu sperren. Nach Rücksprache mit der Bezirksregierung Detmold veranlasste Landrat Manfred Müller im Zeitraum vom 29. April bis zum 12. Mai dieses Jahres eine Verkehrszählung verbunden mit einer Lärmmessung am Ortsausgang Altenbeken Richtung Langeland, um die Verkehrsanordnung rechtlich abzusichern.

Die Ergebnisse des Gutachtens liegen nun vor: Im Untersuchungszeitraum befuhren 10 701 Autofahrer und 2806 Motorradfahrer die L 775. Gut jeder fünfte Verkehrsteilnehmer (20,33 Prozent) war ein Motorradfahrer. Dieser Motorradanteil liegt deutlich über dem üblichen Verkehrsaufkommen. »Die freien Tage in den Sommermonaten sind eindeutig motorradlaut. An den Messstellen wurden beträchtliche Lärmwerte festgestellt«, sagt Angie Reeh, Leiterin des Paderborner Kreisstraßenverkehrsamtes.

Erstmalig zum Einsatz kam eine Messtechnik der Bad Lippspringer Firma RTB, bei der das aufzeichnende Gerät direkt in die Leitpfosten integriert wird. Das Verfahren ist sehr genau, die Datenauswertung dafür aber auch sehr zeitaufwendig.

Der Gutachter stellte fest, dass nicht immer die schnellsten Motorräder auch am lautesten waren. Vereinzelt wurden auch bei Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern Werte von 100 Dezibel gemessen. Der höchste gemessene Lärmwert betrug 104 Dezibel. »Natürlich sind die Lärmwerte an der Messstelle direkt an der Straße nicht dieselben wie in den Anliegerstraßen«, erläutert Reeh. Gleichwohl sorge die Topographie des Geländes dafür, dass sich der Schall massiv in die Nachbarstraßen übertrage. Zudem wird der Motorradlärm (Gas geben bei Beschleunigungsvorgängen) deutlich unangenehmer empfunden als Auto-Lärm, der eher einem Grundrauschen ähnelt.

Wenn man von ordnungsbehördlicher Seite aus den fließenden Straßenverkehr unterbrechen wolle, so müsse das so gut begründet sein, damit das Verbot einer gerichtlichen Überprüfung standhalte. Die Anliegen der Verkehrsteilnehmer und der Anwohner müssen nach Mitteilung von Kreissprecherin Michaela Pitz sorgsam gegeneinander abgewogen werden. »Die bisherigen Maßnahmen haben nicht gereicht. Wir sehen in einer zeitlich begrenzten Sperrung für Motorradfahrer ein geeignetes und erforderliches Mittel, um die Anlieger vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schützen«, sagt Reeh.

Der Kreis Paderborn wird zu Beginn der kommenden Motorradsaison im Frühjahr noch einmal konventionell in der Nähe der Wohnhäuser messen, um die ersten Ergebnisse weiter abzusichern. »Sollten sich die Messergebnisse bestätigen, ordnen wir eine Sperrung der Strecke für Motorradfahrer in den Sommermonaten an den Wochenenden und an Feiertagen an«, sagt Reeh.

 

Kommentare

Das musste so kommen, LEIDER !!!

Schade, aber da haben wieder einige Wenige der ganzen Zunft den Spass verdorben. Ich bin selbst Motorrradfahrer und kenne die Strecke gut (wohne ganz in der Nähe). Diese Strecke animiert zu einer schnellen Fahrweise und das bringt hohe Drehzahlen mit sich. Dieser mit dem Hochdrehen der Motoren verbundene Lärm bringt die Anwohner auf die Palme, für mich durchaus verständlich. Um die Anwohner nun zu schützen müssen wieder alle unter den wenigen "Möchtegern-Rossis" leiden. Ich glaube dass die allermeisten Biker soviel Selbst-Disziplin aufbringen und nicht egoistisch ihren Spass suchen ohne Rücksicht auf Anwohner.

Sperrung für Motorräder

Na, wer hat denn da seinen Einfluss wieder ausgespielt? So ohne weiteres schafft man es doch wohl nicht, eine derartige Messungs-Aktion bewilligt zu bekommen.. Wir sprechen hier von über 2800 steuerzahlenden Verkehrsteilnehmern, die legitim eine Straße benutzen. Dass es an dieser Straße bergauf geht und man entsprechend Gas geben muss, ist nicht zu vermeiden und gehört zu den normalen Geräuschen, die eine befahrene Straße mit diesem Kurvenaufkommen und der Topographie nun mal hat. Viele Menschen müssen an bestimmten Orten oder an bestimmten Tagen Verkehrslärm hinnehmen. An unserm Haus fahren in den Sommermonaten bis tief in die Nacht Mähdrescher vorbei, am Wochenende wird bei schönem Wetter direkt über unserm Ort von Morgens bis Abends von dem Flugzeug der Lippspringer Fallschirmspringern Höhe gewonnen, was ebenfalls nervt wenn sie einfach nur die sonntägliche Ruhe genießen wollen. Oder fragen sie mal Leute, wie oft sie von Einsatzfahrzeugen geweckt werden, wenn sie in der Nähe von größeren Feuerwachen oder Krankenhäuser wohnen. So ist das nun mal.. Wir sprechen hier von den wenigen schönen Tagen, die Deutschland am Wochenende zu bieten hat, an denen Motorradfahrer ihr Fahrzeug bewegen können. Die Strecke von Altenbeken nach Langeland ist die landschaftlich schönste Verbindung in Richtung Weserbergland und zu Recht beliebt. Sie zeigt dem Durchreisenden aber auch, wie attraktiv unsere Region ist. Und vielleicht geht der eine oder andere irgendwann mal den Eggeweg den er entdeckt, wenn er oben angekommen ist.
Wenn wir die schönen Strecken an den Tagen für Motorräder sperren, an denen die meisten Fahrer sie nutzen können, dann verliert dieses Hobby, dass für die meisten Fahrer viel mehr bedeutet als nur ein Hobby zu sein, seinen Sinn. 2800 Menschen (Beifahrer nicht mitgerechnet) in 20 Tagen würden ihren Ausgleich zu Stress im Beruf und Privatem verlieren. Liebe Altenbekener - und mal Hand auf's Herz: so ein Motorradfahrer geht schon auch mal bei ihnen im Ort ne Pizza oder ein Eis essen. Sie möchten also lieber, dass diese Leute demnächst enttäuscht vor einer Vollsperrung stehen? Wird der Region sicher gut tun..

Fahrverbot für Motorräder droht

Ich finde so etwas beschämend sich permanent über Motorräder auf zu regen. Ein Auto mit Sportauspuff oder ein Traktor ist auch nicht leiser. Was sind wir für ein Land geworden wo keiner dem anderen etwas gönnt. Sicherlich regen sich auch wieder die auf, die erst dahin gezogen sind. So ist es doch fast immer. Sollen sich in der Gegend alle ein Traktor kaufen und mit dem Trecker dort lang fahren. Ist lauter und dauert länger.

3 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4375857?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198401%2F2851060%2F