Fr., 30.09.2016

Verteidiger zweifeln an Aussage des Delbrücker Opfers Haben Flüchtlinge Jungen in Umkleide missbraucht?

Die Verteidiger Jann Henrik Popkes (rechts) und Franz Zacharias mit den beschuldigten Afghanen und deren Dolmetschern im Paderborner Landgericht. Der Prozess wird am 12. Oktober fortgesetzt.

Die Verteidiger Jann Henrik Popkes (rechts) und Franz Zacharias mit den beschuldigten Afghanen und deren Dolmetschern im Paderborner Landgericht. Der Prozess wird am 12. Oktober fortgesetzt. Foto: Meike Oblau

Von Meike Oblau

Delbrück (WB). Der Vorwurf wiegt schwer:  Zwei Asylbewerber sollen am 1. April im Hallenbad Delbrück einen 14-jährigen Jungen vergewaltigt haben. Oder hat das Opfer sexuelle Handlungen aktiv forciert? Diese Frage muss das Paderborner Schwurgericht klären.

Angeklagt sind zwei Männer aus Afghanistan (20 und 25). Die Flüchtlinge leben seit Jahresbeginn in Delbrück. Am 1. April besuchten sie das dortige Hallenbad und lernten einen damals 14-jährigen und seinen Kumpel (12) kennen.

Im Schwimmbecken spritzten sie sich nass und kamen ins Gespräch. Schon im Wasser, sagte der 14-Jährige, habe einer der Angeklagten seine Hand genommen und an seine Badehose geführt. Später seien er und sein Freund den beiden Afghanen in der Dusche wiederbegegnet, wo einer der Angeklagten nach der Telefonnummer des Älteren fragte und diese auch bekam.

Strittig ist, was später im Bereich der Umkleidekabinen passierte. Der heute 15-Jährige sagte aus, er sei von einem der Flüchtlinge in eine Kabine gezerrt worden, der Mann habe die Kabine verriegelt und sich an ihm vergangen. In der Anklage ist unter anderem von Oralsex die Rede. Nachdem er aus der Kabine habe flüchten können, habe sich der andere Angeklagte an ihm vergangen.

Zweifel an Version des Opfers

Dass es zu sexuellen Handlungen kam, ist unstrittig, es liegt auch ein DNA-Gutachten vor. Die Verteidiger der Angeklagten, Jann Henrik Popkes und Franz Zacharias, bezweifeln aber die Version, die das mutmaßliche Opfer sowohl bei der Polizei als auch vor Gericht erzählte: »So wie sich die Angelegenheit darstellt, kann man wohl davon ausgehen, dass er nicht nur in der inaktiven Rolle gewesen ist.«

Er habe offenbar schon vor der Tat Kontakt zu Männern gesucht. Er habe auch nicht um Hilfe gerufen, als er angeblich in die Kabine gezerrt worden sei. »Und auch das Verhalten der Beschuldigten nach dem Vorfall ist aus unserer Sicht merkwürdig: Die beiden Männer haben seelenruhig vor dem Hallenbad gesessen, als die Polizei kam, wo es doch nach so einer Tat naheliegend gewesen wäre, das Weite zu suchen«, erklärten die Verteidiger.

Die beiden Angeklagten berichteten, sie hätten den damals 14-Jährigen nicht in die Umkleide gezerrt, er habe von sich aus angeklopft und sie zuerst angefasst, als sie den Jungen hereingelassen hatten. Sein Kumpel (beide leben in einer Wohngruppe einer Jugendhilfeeinrichtung) habe nicht genau mitbekommen, was sich zwischen dem mutmaßlichen Opfer und den Beschuldigten im Umkleidebereich abspielte, sagte aber aus, sein Freund habe gewollt, dass er mitkomme.

»Wenn ich schreie, holst du Hilfe!«

Als der Zwölfjährige dies ablehnte, habe der 14-Jährige gesagt: »Wenn ich schreie, holst du Hilfe!« Es sei aber nichts zu hören gewesen aus der Nachbarkabine. Der Ältere sei mehrfach in die Kabine hinein- und wieder aus ihr herausgegangen. Der Zwölfjährige sagte, er habe nicht gesehen, dass sein Freund von den Asylbewerbern hineingezerrt worden sei. Dann habe der 14-Jährige plötzlich vor ihm gestanden und gesagt, er solle mitkommen.

Gegenüber einer Putzfrau und dem Bademeister habe der Ältere dann vom vorgeblichen Missbrauch erzählt und die Polizei gerufen. Gegenüber der Polizei und seiner Erzieherin habe er von »Vergewaltigung« gesprochen. Die Putzfrau berichtete, der 14-Jährige habe nicht geweint und nicht sonderlich aufgelöst gewirkt, als er sie ansprach

Das Schwurgericht wird den Prozess am 12. Oktober fortsetzen, dann folgen weitere Zeugenaussagen und auch ein Glaubwürdigkeitsgutachten, das das Gericht zu den Aussagen des potenziellen Opfers in Auftrag gegeben hat. An diesem Tag soll auch das Urteil fallen.

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