So., 10.09.2017

Wahlkampfauftritt in Delbrücker Stadtteil – etwa 3000 Menschen kommen zur Bundeskanzlerin – mit Video Angela Merkel in Steinhorst: »Wenn man das hier sieht, wachsen einem Flügel«

Bevor Angela Merkel Steinhorst verließ, überreichte der Paderborner CDU-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Wange (MdB) der Bundeskanzlerin einen Westfälischen Schinken aus Bad Lippspringe.

Bevor Angela Merkel Steinhorst verließ, überreichte der Paderborner CDU-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Wange (MdB) der Bundeskanzlerin einen Westfälischen Schinken aus Bad Lippspringe. Foto: Oliver Schwabe

Von Ingo Schmitz

Delbrück  (WB). Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Wahlkampfauftritt in Delbrück-Steinhorst (Kreis Paderborn) beendet. Die Vorbereitungen für den Besuch der CDU-Chefin im Delbrücker Stadtteil mit seinen knapp 800 Bewohnern liefen bereits in den vergangenen Tagen auf Hochtour.

Vor ihrem Auftritt in der CDU-Hochburg hatte Merkel Kritik an rechten Wahlkampfstörern geübt. Angesichts zahlreicher Anfeindungen und Störaktionen rief sie die Parteien auf, sich stärker zur Wehr zu setzen und gerade an solchen Orten Präsenz zu zeigen. Im Festzelt fanden etwa 1600 Gäste Platz. Alle Tickets waren Ende August vergriffen. Es gab zudem eine Live-Übertragung auf dem Zeltvorplatz mit nicht weniger Interessierten. Merkel kam nach Delbrück-Steinhorst mit Verstärkung. Sie brachte die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Annegret Kramp-Karrenbauer mit.

»Die Wahl ist noch nicht entschieden«

14.35 Uhr: »Sie brauchen auch hier eine Breitbandverbindung, nicht nur in Düsseldorf«, bricht Merkel nun eine Lanze dafür, dass es eine gerechte Verteilung in Deutschland gibt. Das gelte aber auch für guten Wohnraum und eine gute medizinische Versorgung.

Sie betont: »Bei der Wahl geht es nicht um mich oder Ihre Bundestagskandidaten. Es geht bei der Wahl um Sie!« Merkel ruft die Zuhörer auf, den Kandidaten wie Ralph Brinkhaus (Gütersloh) und Carsten Linnemann die Erststimme zu geben. Zudem betont sie: »Die Wahl ist noch nicht entschieden. Die CDU kann keine Stimme verschenken. Beide Stimmen für die CDU! Ich möchte weiter Ihre Kanzlerin sein!« Standing Ovations. Dann endet der Auftritt der Kanzlerin.

Aus Fehlern gelernt

14.30 Uhr:Die Kanzlerin geht auf die zurückliegenden vier Jahre ein, die nicht immer einfach gewesen seien. Thema Flüchtlinge: Es habe in dieser Zeit immer wieder schreckliche Nachrichten mit ertrunkenen und erstickten Ǵeflüchteten gegeben. Bei der Aufnahme der Flüchtlinge seien aber auch Fehler gemacht worden, in dem Kontrollen unterblieben seien. Daraus habe man gelernt. Aufgabe sei es nun, den Flüchtlingsstrom zu ordnen. Dies werde eine Aufgabe für die nächsten Jahre sein. Gleichzeitig dankt sie den vielen Ehrenamtlichen, die bei der Bewältigung der Herausforderung helfen.

14.20 Uhr: Thema Bildung. »Wir wollen die große Aufgabe der Digitalisierung im Schulbereich gemeinsam stemmen.« Es werde darum gehen, die Schulen ans schnelle Internet anzubinden, um die Schüler fit zu machen. Aber auch die Lehrer müssten weiter gebildet werden, damit diese die beste Bildung an die Kinder weiter geben.

»Ich möchte, dass wir weiter gute Autos bauen«

14.10 Uhr: Die Staatsfinanzen stünden gut da, mit Ausnahme NRW, wo Armin Laschet einen großen Schuldenberg geerbt habe. »Das wird er schaffen, wir müssen ihm nur etwas Zeit geben.«

Merkel macht sich dafür stark, nicht weiter Schulden zu machen. In den nächsten vier Jahren werde es mit der CDU keine Steuererhöhungen geben. Mit der CDU werde auch das Fass mit der Erbschaftssteuer wieder aufgemacht, wie die SPD dies beabsichtige. »Die Menschen brauchen Verlässlichkeit«, betont sie.

14.00 Uhr. »Wir brauchen die Selbstständigen, die Handwerker und Landwirte sowie die Unternehmer. Wir brauchen aber auch Pflegekräfte und alle anderen. Alle sind wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft«, sagt Merkel.

»Jeder spürt und merkt, dass sich die Welt dramatisch ändert. Als ich 2005 erstmals angetreten bin, gab es noch keine Smartphones. Heute habe jeder Probleme damit, die Kinder vom Smartphone wegzubekommen, wenn es Abendessen gibt.«

Sie schwenkt zur Automobilindustrie um. »Made in Germany ist über den gesamten Globus verbunden mit tollen deutschen Autos. Nach dem Dieselskandal müssen wir sehen, wie die Industrie die Fehler gut macht.« Die 800.000 Beschäftigten in der Autoindustrie dürften nicht für die Fehler in den Vorstandsetagen bestraft werden.

»Ich möchte, dass wir weiter gute Autos bauen.« Das sagt sie mit Blick auf die Weiterentwicklung der E-Mobilität.

OWL – nicht Münsterland

13.55 Uhr: Angela Merkel will nicht nur die Bundestagswahl gewinnen, sondern auch für einen Wechsel in Niedersachsen sorgen. Sie bedankt sich bei Carsten Linnemann für seine Unterstützung im Wahlkampf - auch wenn, wie Linnemann in seiner Begrüßung bereits angemerkt hatte - man nicht immer einer Meinung sei. Merkel lobt: »Sie dürfen auf Carsten Linnemann stolz sein. Er hält nicht mit seiner Meinung hinterm Berg.« Für dieses Lob gibt es langen und tosenden Beifall.

Die 1600 Gäste in Steinhorst stehen voll und ganz hinter ihrem Abgeordneten! Und Merkel setzt noch einen drauf: Linnemann zeige Haltung und spreche Klartext. Dennoch sei er kompromissbereit - das zeichne die große Volkspartei aus. 

13.45 Uhr: Angela Merkel ist da und trägt ein blaues Kostüm. Gigantischer Jubel entbrennt. Es beginnt aber mit einem kleinen Fauxpas: Merkel spricht vom Münsterland, bekommt aber zugeraunt: Ostwestfalen-Lippe. 

Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann freut sich, dass Angela Merkel in Steinhorst, im ländlichen Raum, die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs einläutet. »Steinhorst steht heute stellvertretend für ganz Deutschland.« Linnemann geht darauf ein, dass man zwar nicht immer einer Meinung sei. Aber Angela Merkel sei es, die Deutschland erfolgreich mache.

»Es ist überwältigend, was man hier erleben kann!«, sagt die Kanzlerin. »Unterwegs vom Flufhafen hierher habe ich mit Horst Seehofer telefoniert. Ich soll herzliche Grüße übermitteln. Wenn man das hier sieht, wachsen einem Flügel.«

Schunkeln ist erlaubt

13.35 Uhr: Im Moment spricht NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. »In 80 Tagen haben wir schon viel geschafft. Wir wollen NRW in die Spitzentruppe der deutschen Bundesländer bringen! Mittwoch gibt es dazu eine Regierungserklärung.«

13.15 Uhr: Es geht langsam los. Die 1600 Menschen im Zelt haben sich erhoben. Handys werden gezückt, ein Spalier gebildet.

12:50 Uhr: Die bayerische Moderatorin des CDU-Wahlkampfteams heizt dem Publikum ein: »Angela Merkel wird pünktlich hier sein.« Schunkeln, applaudieren: Alles ist erlaubt. Und die Anhänger der Kanzlerin jubeln. Verteilt werden an die Gäste Werbe-Plakate für die Kanzlerin: »Voll muttiviert!«

Die Ostenländer spielen »Berliner Luft«. Ob »Mutti« die Klänge schon hören kann?

Schwer zu kämpfen haben die Pressevertreter mit den schlechten Internetverbindungen in Steinhorst. »Die Stärkung des ländlichen Raums wird das große Thema von Frau Merkel sein«, meint Landtagsabgeordneter Bernhard Hoppe-Biermeier

12.15 Uhr: Für den CDU-Landtagskandidaten Bernhard Hoppe-Biermeyer (Paderborner Land) ist das Ereignis in dem 800-Seelen-Ort Steinhorst bei Delbrück »ganz großes Kino«. Dem WB sagte er: »Wir hatten schon einige prominente Politiker hier. Aber das ist mit Abstand das Größte, was wir auf die Beine gestellt haben.«

Nach eigenen Worten habe er am Samstag nur schlecht in den Schlaf gefunden. Jetzt aber sei die Stimmung bestens, erklärte er mit Blick in das gute gefüllte Festzelt.

Erste Wetten: Was trägt die Kanzlerin

11.45 Uhr: Das Festzelt füllt sich. Eine der ersten Gäste sind Lydia und Wilfried Lüke aus Paderborn, die seit 10 Uhr auf den Einlass gewartet haben. »Wir sehen Angela Merkel heute zum ersten Mal, obwohl ich schon seit 33 Jahren in der CDU bin«, erklärt Wilfried Lüke.

Mit ihren Nachbarn in der ersten Reihe laufen bereits erste Wetten, was die Kanzlerin tragen wird: »Schwarze Hose und Blazer sind gesetzt«, sind sich alle einig. Und die Farbe des Blazers? Die Wetten gehen in Richtung Rot und Blau. Mal sehen, wer Recht behält!

11.30 Uhr: Nach WB-Informationen wird Angela Merkel per Auto vorgefahren. Gemeinsam mit den Bundestagskandidaten Carsten Linnemann und den Ministerpräsidenten wird sie dann durch das Spalier mehrerer Schützenvereinen ins Zelt geleitet.

Nach ihrer Rede wird sie nach jetzigem Stand per Hubschrauber weiterreisen.

Bläser sind schon da

10 Uhr: Die 57 Bläser des Musikvereins »Cäcilia Ostenland« sind bereits eingetroffen, die Schlange vor dem Festzelt wird zusehens länger. Für sie geht es dann direkt zur Bühne. Die Nationalhymne darf im Programm natürlich nicht fehlen.

9.30 Uhr: Die Plakate hängen bereits, die ersten Gäste betreten den Festplatz in Steinhorst. Auch einige Pressevertreter sind bereits eingetroffen, um sich für den Tag zu akkreditieren.

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