Sa., 24.01.2015

Freifunk Paderborn schreibt schon im ersten Jahr Erfolgsgeschichte Mitknüpfen am freien Netz

Maximilian Wilhelm (links) und Tobias Hardes präsentieren einen der kleinen Wlan-Router, die zusammen das Paderborner Gemeinschaftsnetzwerk bilden. So kann auch in der Westernstraße nach Herzenslust gesurft werden.

Maximilian Wilhelm (links) und Tobias Hardes präsentieren einen der kleinen Wlan-Router, die zusammen das Paderborner Gemeinschaftsnetzwerk bilden. So kann auch in der Westernstraße nach Herzenslust gesurft werden. Foto: Marion Neesen

Von Marion Neesen

Paderborn (WV). »Freie Fahrt für freie Bürger« hieß in den 1970er Jahren der Slogan gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Freie Auffahrt auf die Datenautobahn lautet heute die Devise der Freifunk-Initiativen in Deutschland. Dabei kann jeder am unabhängigen Gemeinschaftsnetz mitknüpfen.

Der Freifunk Paderborn schreibt Erfolgsgeschichte. Mit einem Knotenpunkt zuhause bei Tobias Hardes (24) fiel vor einem Jahr der Startschuss für den freien Datenverkehr durch »die Lüfte« der Paderstadt. »Mittlerweile haben wir mehr als 600 Knotenpunkte im ganzen Hochstift und darüber hinaus«, sagt sein Mitstreiter Maximilian Wilhelm (31). Knotenpunkt steht hier nicht etwa für Stau oder Verzögerungen, sondern im Gegenteil: je mehr Knotenpunkte, desto dichter das Netz.

»Hinter dem Freifunk steckt die Idee, allen Bürgern, auch denen, die es sich nicht leisten können, einen Internetzugang zu ermöglichen«, erklärt Student Tobias Hardes den sozialen Gedanken der Initiative. So gebe es Überlegungen, in einer Flüchtlingsunterkunft in Holtheim einen Router aufzustellen. »Menschen, die ihre Heimat verlassen und Freunde zurücklassen mussten, könnten dann weiter miteinander kommunizieren«, sagt Maximilian Wilhelm. Gleichzeitig wolle der Freifunk ein unzensiertes und von den großen Anbietern unabhängiges Netz schaffen.

Wer durch die Westernstraße geht, kann sich inzwischen fast lückenlos mit einem Wlan-Netz verbinden. »Da sind wir besser ausgestattet als Hamburg«, freut sich Wilhelm, Systemnetzwerk-Administrator an der Uni Paderborn, über den Erfolg. Auch im Paderquellgebiet ist freies Surfen ohne kostspielige Internetflat möglich. Eine Bäckerei hat sämtliche seiner Filialen im Hochstift mit einem Router ausgestattet, so dass die Kunden zum Kaffee auch E-mails prüfen und Internetseiten besuchen können. Viele Gastronomiebetriebe machen ebenso mit.

 »Ideal wäre, wenn wir in Paderborn alle 100 Meter einen Knoten hätten«, sagt Tobias Hardes, findet dieses Ziel aber selbst noch utopisch. »Wir freuen uns besonders über Interessierte, die ein hohes Gebäude haben«, ergänzt Maximilian Wilhlem. Denn so könne die Reichweite verbessert werden. Ein Knoten auf dem Dom wäre schon toll.

Das Prinzip des freien Funks ist einfach: Wer die Idee unterstützen möchte, erwirbt für 15 Euro einen Wlan-Router und versorgt ihn mit Strom – etwa 5,35 Euro im Jahr. Der so eingerichtete Knoten kommuniziert mit bereits vorhandenen Geräten und ist Teil des Paderborner Gemeinschaftsnetzwerkes. Nutzer haben ohne Passwort und Registrierung anonymen Zugang, persönliche Daten werden nicht gespeichert, und mit einer Welle von Werbung werde der Nutzer auch nicht überspült, versichert Tobias Hardes. Ebenso gebe es keine rechtlichen Bedenken für die Anbieter, sollte ein Nutzer illegale Internetseiten aufrufen. Freifunk Paderborn betreibe einen zentralen Zugangspunkt, der den Internetverkehr ins Ausland leite, wo es keine so genannte Störhaftung gebe.

Die zehn Freifunker engagieren sich alle ehrenamtlich für ihr Projekt und verdienen daran nicht. Nach einem Jahr Freifunk Paderborn sind Tobias Hardes und Maximilian Wilhelm »sehr zufrieden und sehr überrascht«, wie sich die Initiative entwickelt hat. Sie ist inzwischen die zweitgrößte Deutschlands. Auch im zweiten Jahr haben die Freifunker viel vor. Sie wollen über ihr Netz einen Stadtführer, Spiele, Verabredungslisten und eine eigene Suchmaschine anbieten. Ebenso solle es für Nutzer die Möglichkeit geben, eigene Webseiten einzustellen. Auch Freifunk in Bussen sei vorstellbar, wenn der Padersprinter mitmache. »Gute Ideen und Mitstreiter sind uns immer willkommen«, so die Freifunker.

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