Mi., 30.11.2016

Chronologie vom dritten Prozesstag in Paderborn Fall Bosseborn: Angeklagte beschreibt Beziehung zu Wilfried W.

Angelika W. Mit Anwalt Peter Wüller

Angelika W. Mit Anwalt Peter Wüller Foto: Christian Althoff

Paderborn/Höxter (dpa). Der Prozess um das »Folter-Paar« von Höxter geht an diesem Mittwoch weiter. Gemeinsam mit ihrem mitangeklagten Ex-Mann Wilfried W. (46) soll sie  über Jahre hinweg mehrere Frauen in ihr Wohnhaus in Ostwestfalen gelockt und dort brutal gequält haben.

12.15 Uhr. Angelika W. berichtet, es habe im Haus in Höxter strenge Regeln gegeben. »Wenn Wilfried mit mir sprach, musste ich alles stehen und liegenlassen und ihm in die Augen sehen. Ich durfte auch bestimmte Wörter nicht verwenden, wie »Mutti«, wenn ich über meine Mutter sprach.«

11 Uhr. 2003 habe sie die erste Annonce aufgegeben, um eine weitere  Frau für Wilfried zu suchen. »Ich sah darin eine Entlastung für mich. Im Haushalt und so.« Es sei nie um eine sexuelle Dreierbeziehung gegangen. Wilfried habe die Frauen auch finanziell ausgenutzt. »Er dachte sich finanzielle Notlagen aus, und die Frauen zahlten.«

10.35 Uhr: Angelika W. : »Wenn er mich würgte und aufhörte, bevor ich starb, hatte ich das Gefühl , dass er es doch gut mit mir meinte.«

10.10 Uhr. »Dass er mich mit anderen Frauen betrog, habe ich erfahren, als ich ihn 2007 einmal beim Sex gehört habe, ohne dass er mich bemerkte. Ich habe geheult. Diese andere Frau hieß auch Angelika. Ich habe trotzdem nicht daran gedacht, ihn zu verlassen. Er war ja auf mich angewiesen, weil er keinen Führerschein hatte.«

10 Uhr. Angelika W. erzählt, sie habe nach ihrer Flucht Wilfrieds Mutter angerufen, »damit er weiß, wo ich war. Das war mir wichtig.« Sie hätten sich nach zwei, drei Tagen getroffen und sich ausgesprochen. Sie habe ihm geglaubt, dass er sich bessern wollte, und sei wieder zu ihm gezogen.

9.50 Uhr. Angelika W. erzählt, die Gewalttaten gegen sie seien über Jahre gegangen. Sie sei fast immer unter seiner Bewachung gewesen. Als er er 2005 oder 2006 einmal mit dem Zug zu einer anderen Frau gefahren sei, habe sie die Chance genutzt und sei zu ihrer Mutter nach Bad Salzuflen Lockhausen geflohen.

9.45 Uhr. Nachdem sich das Landgericht Paderborn mit Vorwürfen gegen Gutachter Prof. Osterheider befasst hat, setzt es derzeit die Befragung der Angeklagten Angelika W. fort. 

Zwei Frauen aus den niedersächsischen Städten Uslar und Bad Gandersheim starben in Folge der Misshandlungen. Eine weitere Frau aus Magdeburg entkam. Seit Oktober muss sich das Ex-Paar wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen vor dem Landgericht Paderborn verantworten.

Die Angeklagte hatte bereits am zurückliegenden Prozesstag mit ihrer umfangreichen Aussage begonnen.  Vor zwei Wochen stand dabei ihre eigene Leidensgeschichte im Vordergrund der Befragung. Sie gab an, selbst immer wieder von ihrem Ex-Mann geschlagen, getreten, verbrüht und brutal drangsaliert worden zu sein.

Doch Angelika W. sitzt selbst als mutmaßliche Täterin auf der Anklagebank: Sie soll unter anderem eine Frau gefesselt in einer volllaufenden Badewanne zurückgelassen und ihr mit dem Ertrinken gedroht haben. Auch die völlig geschwächten späteren Todesopfer soll sie weiter malträtiert haben, bis sie schließlich an den Folgen ihrer Verletzungen starben.

Es wird erwartet, dass sie sich – wie schon zuvor bei der Polizei – auch selbst belasten wird. Sie hatte in stundenlangen Vernehmungen ausgesagt, die anderen Frauen gemeinsam mit ihrem Ex-Mann und auf dessen Anweisung hin misshandelt zu haben.

Wilfried W. dagegen schweigt bislang. Dem Verteidiger Detlev Binder zufolge will der Angeklagte im Prozessverlauf eine Stellungnahme vorlesen lassen. Binder hatte im Vorfeld geäußert, dass sein Mandant nicht der Haupttäter sei. Ganz im Gegenteil: Wilfried W. sei Zeuge gewesen, habe nicht selbst misshandelt.

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